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Schüler suchen Freiheitsideen für Graffitisommer Großenhain

Vom 22. Juli bis 2. August wird der Tunnel Meißner Straße neu gestaltet. Zu "Sehnsucht Freiheit" soll es auch Videos geben. Dazu diskutierten jetzt Geschichtsinteressierte.

Von Kathrin Krüger
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Marius Müller-Westernhagen hat sie besungen: die Freiheit. Was bedeutet sie uns heute? Wer kämpfte früher in Großenhain aus Sehnsucht nach Freiheit?
Marius Müller-Westernhagen hat sie besungen: die Freiheit. Was bedeutet sie uns heute? Wer kämpfte früher in Großenhain aus Sehnsucht nach Freiheit? © Kathrin Krüger

Großenhain. Die Unterführung Meißner Straße soll in den Sommerferien eine neue Gestaltung erhalten. Vom 22. Juli bis 2. August wird zum Ferienprojekt "35 Jahre Graffitikultur in Großenhain" aufgerufen. Die Anmeldung für das Sprühen neuer Graffiti auf die tüchtig in die Jahre gekommenen Bilder von 2013 läuft. Das Jugend-Mitmach-Projekt steht diesmal unter dem Motto "Sehnsucht Freiheit" und wird von der Mobilen Jugendarbeit gemeinsam mit dem Museum Alte Lateinschule veranstaltet.

Neben der künstlerischen Arbeit sind eine historische Stadtrallye und Besuche von Orten mit geschichtlicher Bedeutung vorgesehen. Es soll dabei um die Menschen gehen, die sich schon früher in Großenhain für Freiheit und Gleichstellung einsetzten. Neben den zwei Wochen Graffiti im Tunnel für bis zu 25 Teilnehmer pro Woche im Alter ab 11 Jahren unter Anleitung von Künstler Sebastian Bieler und Lehramtsstudent Mark Tuckermann sowie Jugendsozialarbeiter Raimo Siegert gibt es auch ein Filmprojekt. Gymnasiasten der künftigen Leistungskurse Geschichte von Wolfgang Maaß sollen kleine Filme zu den Motiven und ihren Hintergründen drehen. Per QR-Codes sollen diese im Tunnel selbst aufrufbar werden.

Sebastian Bieler, Mark Tuckermann, Raimo Siegert und Jens Schulze-Forster (v.l.) diskutierten am Siemens-Gymnasium mit Schülern über das Projekt.
Sebastian Bieler, Mark Tuckermann, Raimo Siegert und Jens Schulze-Forster (v.l.) diskutierten am Siemens-Gymnasium mit Schülern über das Projekt. © Kathrin Krüger
Am Ende entstanden Plakate mit den Ergebnissen der Überlegungen.
Am Ende entstanden Plakate mit den Ergebnissen der Überlegungen. © Kathrin Krüger
Aufkleber an einer Tafel. Diese Freiheit nahmen sich irgendwann wohl eher anarchistisch gesinnte Schüler.
Aufkleber an einer Tafel. Diese Freiheit nahmen sich irgendwann wohl eher anarchistisch gesinnte Schüler. © Kathrin Krüger

Um diese anspruchsvolle Aufgabe inhaltlich vorzubereiten, kamen jetzt 30 Zehntklässler des Siemens-Gymnasiums mit den Künstlern und Museumsvertretern zu einem Workshop zusammen. Sie sprachen darüber, was sie persönlich unter Freiheit verstehen, warum es die "Freiheit von etwas" und die "Freiheit zu etwas" gibt. Als die künftigen Geschichtsleistungskurse beschäftigten sich die Gymnasiasten auch mit Freiheitsrechten in der Vergangenheit im Vergleich zu heute und mit Formen, wann, warum und wie Freiheit eingeschränkt werden muss: im Straßenverkehr, durch juristische Kategorien oder moralischen Verhaltenskodex.

"Freiheit ist nichts Selbstverständliches und kann auch heute schnell wieder genommen werden", stellten die Schüler fest. Zum Beispiel durch Einschränkungen wie bei Corona. Da spielt es eine Rolle, wie man die Einschränkungen bewertet: nur mit dem Verstand oder auch gefühlsmäßig? Freiheiten, so die Diskussion, braucht man in verschiedenen Lebensbereichen: Glaubens-, Meinungs-, Forschungsfreiheit. Nur soziale Gleichstellung, wie man sie in Feudalismus oder Frühkapitalismus noch nicht kannte, sichert auch die persönliche Entscheidungsfreiheit: in der Berufs- oder Partnerwahl. Die DDR-Diktatur verweigerte Reisefreiheit. Der Islamismus verweigert persönliche Entscheidungsfreiheit. Moderne Diktaturen verweigern Pressefreiheit. Und so weiter.

Als historische Großenhainer Freiheitskämpfer bieten sich für die Tunnelgestaltung, aber auch für die Stadtrallye zahlreiche Persönlichkeiten an: Theodor Körner, Karl Benjamin Preusker, Louise Otto Peters, Carlo Mierendorff oder die friedlichen Demonstranten vom Wendeherbst 1989. Geschichtslehrer Wolfgang Maaß ist auch auf den Grünen-Mitbegründer Georg Otto gestoßen, der 1928 in Großenhain geboren wurde. Und auf Wolfram "Tom" Sello, 1957 in Meißen geboren. Der wuchs in Großenhain auf, wurde von der Stasi verfolgt. Der Publizist engagierte sich in der DDR in verschiedenen oppositionellen Gruppen. Er war an der Aufdeckung der Wahlfälschungen im Mai 1989 und an einer Berliner Mahnwache im Oktober des Wendejahres beteiligt.

  • Ferienprojekt: Für 11- bis 14-Jährige mit Einführung in und Anleitung von Schablonengraffiti.
  • Ab 15 Jahren eher frei Hand malen, für diejenigen, die es können oder sich zutrauen.
  • Kosten: 30 Euro pro Woche und Teilnehmer (ohne Mittagsessen), 55 Euro mit Mittagsessen, Anmeldung bei Raimo Siegert (Mobile Jugendarbeit) unter 0172 234 8076 bzw. an [email protected].