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So wird die Straßenbeleuchtung effektiver

Großenhain ließ eine Bestandsaufnahme zur energetischen Sanierung fertigen. Wenn die Stadt viel ausgibt, kann sie auch viel einsparen - vor allem CO2-Ausstoß.

In Bauda wurde schon im Vorjahr diese alte Leuchte (r.) durch eine moderne LED-Laterne ersetzt.
In Bauda wurde schon im Vorjahr diese alte Leuchte (r.) durch eine moderne LED-Laterne ersetzt. © Kristin Richter

Großenhain. Die über 3.000 Leuchtpunkte in der Stadt mit 73 Schaltstellen verbrauchten 2018 fast eine Mio. Kilowattstunden (kWh) Strom. Das ist ein äquivalenter Kohlendioxyd-Ausstoß von circa 453 Tonnen pro Jahr. Und entspricht damit einer jährlichen Speicherkapazität von etwa zwei Bäumen je Einwohner. Großenhain will und kann aus ökologischen Gründen den Ausstoß der Straßenbeleuchtung auf circa 250 Tonnen pro Jahr drücken. Das entspräche dann der Speicherkapazität von einem Baum je Einwohner.

Wie das gehen kann, zeigt eine Bestandsaufnahme zur energetischen Sanierung, die die Sachsen-Energie AG, ehemals Enso, im Auftrag des Rathauses durchführte. Ralf Leukefeld stellte sie jetzt im Technischen Ausschuss des Stadtrates vor.

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Sind Großenhains Leuchtmittel effizient?

Mit der Anzahl der Straßenlampen liegt die Stadt im Durchschnitt. Heidenau hat zum Beispiel rund 2.000 Leuchtpunkte, Meißen etwa 3.500, Riesa rund 4.000, Radebeul und Pirna haben rund 4.500, so Ralf Leukefeld. Die Sachsen-Energie hat nun für Großenhain den Zustand und die Restnutzungsdauer beurteilt und Ineffizienzen festgestellt. Es gibt nämlich noch in vielen Orten und der Kernstadt Quecksilber-Dampflampen (HQL), die inzwischen mit einem Handelsverbot der EU belegt sind. Soll heißen: für sie gibt es keinen Ersatz mehr. 1.060 Leuchten stammen zudem noch aus DDR-Zeit, 346 Leuchten in Großenhain und Stroga besitzen eine (zu) hohe Anschlussleistung von 115, 170 oder 275 Watt. Das bedeutet zusammengerechnet, dass bei der Hälfte der Lampen Handlungsbedarf gesehen wird.

Was muss, was kann getan werden?

Die Bestandsanalyse unterteilt die zu empfehlenden Sanierungsmaßnahmen in drei Handlungsgruppen: kurzfristig (eins und zwei) und mittelfristig. Vordringlicher Sanierungsbedarf wird in Großenhain, Krauschütz, Nasseböhla, Skassa und Strauch gesehen. In der zweiten Kategorie rangieren Rostig, Treugeböhla, Uebigau, Zabeltitz und Zschauitz. Alle übrigen Ortsteile gehören in die dritte Handlungsgruppe. Einer Grobkostenschätzung aller Maßnahmen von über vier Mio. Euro und Planungsleistungen von etwa einer halben Mio. Euro steht eine Energieeinsparung von rund einer halben Mio. kWh und jährlichen Verbrauchskosten von rund 80.000 Euro gegenüber. Eingerechnet ist ein 30-prozentiger Anteil an Kabelsanierung. Die ist aber nur bei gleichzeitigem Straßenbau o. ä. und konkreter Planung sinnvoll.

Womit sollte Großenhain beginnen?

Die vorliegende Aufnahme ist aus Sicht der Stadt eine gute konzeptionelle Grundlage für effektives Herangehen. 100.000 Euro lässt das Rathaus nun jährlich in den Haushaltsplan für Maßnahmen einfließen. Allein die drängendsten Vorschläge umfassen aber bereits Investitionskosten von etwa 512.000 Euro - und würden sich damit also über mindestens fünf Jahre hinziehen. Das ist in den genannten Orten vor allem der Austausch zu LED-Leuchten. Außerdem wird der Ersatz von Stahl- durch Aluminiummasten vorgeschlagen. Erstere müssen, weil korrosionsanfällig, ständig neu gestrichen werden. Mit der Breitbandverlegung werden laut Stadt bereits Oberleitungen ausgetauscht.

Ist der Maßnahmeplan ein Dogma?

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Ist er natürlich nicht. Die Sachsen-Energie AG gibt als "guter Partner" Handlungsempfehlungen, auch wenn es ja ihr eigentliches Ziel ist, den Kommunen Strom zu verkaufen. Langfristig wird gemäß Erneuerungsbedarf ein Ersatz von Leuchten nach 30 Jahren Nutzung empfohlen. Jede einzelne Beleuchtungsanlage im Stadtgebiet wurde unter diesem Aspekt jetzt erfasst und in einem Geoinformationssystem digitalisiert. Empfohlen wird die Lichtfarbe 3.000 Kelvin, die in etwa dem Sonnenaufgang/-untergang entspricht. Auch Inspektion, Wartung und Instandsetzung werden berücksichtigt. Interessant: Die Stadt sollte statt einer Halbnacht-Schaltung wie derzeit lieber die Leistung in lastschwachen Zeiten vermindern. "Das bringt eine bessere Gleichmäßigkeit und erhöht die Sicherheit ohne Dunkelzonen", so Ralf Leukefeld.

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