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Sprühkunstwerk statt Ultra-Graffiti

Der Großenhainer Maler Sebastian Bieler wird das Lampertswalder Buswartehaus gemeinsam mit Grundschülern neu gestalten.

Die Lampertswalder Buswartehalle nach der illegalen Sprühaktion: Bei der Neugestaltung sollen die Dynamofarben nicht ganz verschwinden.
Die Lampertswalder Buswartehalle nach der illegalen Sprühaktion: Bei der Neugestaltung sollen die Dynamofarben nicht ganz verschwinden. © Manfred Müller

Lampertswalde. Die Vereinsfarben der Dresdner Dynamos überdecken die gesamte Innenwand des Haltestellen-Gebäudes an der Grundschule in Lampertswalde. Im Oktober vorigen Jahres hatte eine Gruppe Jugendlicher in einer Nacht- und Nebelaktion die Buswartehalle „verziert“. Sehr zum Ärger der Anwohner. Das dürfe man nicht tolerieren, so der Tenor.

Nun hat Lampertswaldes Gemeinderat reagiert. Er beschloss, das Wartehäuschen neu gestalten zu lassen. Und zwar von den Schülern, die sich unter normalen Umständen jeden Wochentag dort aufhalten. Unter Anleitung des Großenhainer Malers und Grafikers Sebastian Bieler, sollen Dritt- und Viertklässler an der Haltestellenwand ihre eigenen Gestaltungsideen umsetzen. Knapp 4.000 Euro wird die Sache kosten. Die Finanzierung soll mit Hilfe von Fördermitteln für den Ganztagsunterricht und privaten Spenden gesichert werden.

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Ganz einmütig wurde der Ratsbeschluss allerdings nicht gefasst. Gemeinderat Bernd Richter zum Beispiel hätte es lieber gesehen, wenn das Dynamo-Kürzel ohne viel Aufhebens überstrichen worden wäre. Der Lampertswalder hatte die Sprühertruppe im Oktober noch auf ihren Mopeds wegfahren sehen. Vier Jugendliche waren am Werk gewesen, das Alter konnte Richter allerdings nicht erkennen. Weil die Fußballfans nicht nur die Vereinsfarben und das Emblem ihres Klubs, sondern auch Ultra-Symbole aufgesprüht hatten, machte sich Richter selbst ans Werk und überstrich zumindest eine Seitenwand. Das, so meinte er in der März-Ratssitzung, könne man ohne Mühe auch mit dem Rest des Sprayer-Werkes machen. Die Bedenken gegen eine mehrere tausend Euro teure Neugestaltung sind nicht von der Hand zu weisen. Was, wenn sich die Ultra-Truppe dann herausgefordert fühlt und erneut zuschlägt?

Solche Gedanken hat sich natürlich auch der Künstler gemacht. Handwerklich sei das Dynamo-Graffito gar nicht so schlecht gemacht, sagt Sebastian Bieler. Man könnte ein Detail davon an der Wand belassen und es in die Neugestaltung einbeziehen. „Klar, die Sache war illegal, und das kann die Gemeinde nicht einfach hinnehmen“, so Bieler. Aber man könne den Eskapaden der jungen Leute auch mit etwas Nachsicht begegnen. Die Polizei hat im Falle des besprühten Wartehäuschens wegen Sachbeschädigung ermittelt, die Verursacher jedoch nicht ausfindig machen können. Die Ultra-Symbolik sei überdies strafrechtlich nicht relevant gewesen.

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Für die Neugestaltung der Hallenwände schwebt Sebastian Bieler ein Projekt von zwei bis drei Wochen Dauer an der Lampertswalder Grundschule vor. Unter dem großen Thema „Landschaft“ sollen die Schüler eigene Ideen entwickeln. Die besten Motive soll dann jeder der kleinen Künstler unter Bielers Anleitung persönlich an die Haltestellenwand sprühen oder malen. Wann das allerdings passieren wird, ist Moment schwer vorhersagbar. Wenn es nach ihm ginge, sagt Bieler, würde er schon seit Wochen wieder für die Schulen in der Region arbeiten. Aber die Corona-Bestimmungen sorgten dort für große Unsicherheit, wodurch er immer wieder ausgebremst werde.

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