SZ + Großenhain
Merken

Großenhainer Land: Strom ist immer noch weg

Noch am Freitag waren Haushalte nach Sturm Ignatz von der Energieversorgung abgeschnitten. In der Gaststätte Kupferberg Großenhain half der Gasherd.

Von Kathrin Krüger
 3 Min.
Teilen
Folgen
Waltraud Brösing in der Finkenmühle in Kraußnitz hat seit einem Tag keine Heizung und keinen Strom mehr. Das Telefon geht auch nicht.
Waltraud Brösing in der Finkenmühle in Kraußnitz hat seit einem Tag keine Heizung und keinen Strom mehr. Das Telefon geht auch nicht. © Kristin Richter

Kraußnitz/Großenhain/Zabeltitz/Schönfeld. Jens Brösing versucht, gelassen zu bleiben. Auch am Tag zwei nach Sturm Ignatz hat die Finkenmühle bei Kraußnitz noch keinen Strom. Jörg Brösing kann aber nicht bei seiner Mutter Waltraud zu Hause bleiben, sondern muss nach Großenhain in seine Firma. Denn just heute hat sein Mitarbeiter Urlaub. Jens Brösing kann seine alte Mutter auch telefonisch nicht erreichen. Bis gegen 19 Uhr muss er trotzdem in der Firma bleiben. Was ihn dann genau erwartet, weiß er nicht.

"Wir haben eine Zuleitung aus der Stromleitung Kraußnitz-Ponickau", sagt Jens Brösing. Wo genau der Schaden beim Sturm eintrat, weiß er nicht. Es ist nur klar, dass ganz Kraußnitz ebenfalls von der Energieversorgung abgeschnitten ist: 56 Haushalte. Denen geht es offensichtlich ähnlich wie den Brösings: keine Heizung, kein Licht und kein Telefonanschluss, keine Klingel und kein Fernsehen, der Kühlschrank ist aus und die Gefriertruhen tauen auch langsam ab.

Laut Schönfelds Bürgermeister Hans-Joachim Weigel ist eine Freileitung des Versorgers enviaM aus Chemnitz betroffen. Seit Donnerstag, 15 Uhr, ist der Strom weg. Einige Haushalte konnten sich mit Notstromaggregaten behelfen. "Die Reparaturarbeiten der defekten Stromleitungen werden voraussichtlich noch mehrere Tage andauern. Die Schäden lassen sich noch nicht beziffern", sagt Sprecher Stefan Buscher von der Mitteldeutschen Netzgesellschaft Strom mbH.

"Bei uns am Mühlteich kann der Schaden nicht entstanden sein, denn wir haben ein Hochspannungs-Erdkabel mit einer Trafostation", erklärte der Bewohner der Finkenmühle noch. Das abseits gelegene Grundstück ist allerdings nicht an die öffentliche Trinkwasserversorgung angeschlossen. Die Finkenmühle bekommt ihr Trinkwasser aus einem Brunnen, das mit einer Pumpe zum Hahn befördert wird. Doch die Pumpe hängt am Stromnetz. "Wir haben für so einen Fall Wasserflaschen im Haus", bleibt Jens Brösing ruhig. Doch er wüsste schon gern, ob diese Situation noch das ganze Wochenende anhalten wird.

"Wir konnten die Versorgungssicherheit mit Notstrom-Aggregaten sicherstellen", sagt Geschäftsführer Heiko Bollmann von der Wasserversorgung Riesa-Großenhain. Das große Wasserwerk in Fichtenberg war durch die Sturmfolgen zeitweise vom Netz abgehängt, auch im Wasserwerk Tauscha oder bei verschiedenen Hochbehältern mussten Notstromer laufen. Im Lommatzscher Gebiet war das auch noch am Freitagvormittag nötig, weil die reguläre Stromversorgung noch immer unterbrochen war. "Es hat sich bewährt, dass wir für solche Fälle Vorsorge getroffen und investiert haben", sagt Heiko Bollmann der SZ. Das Unternehmen versorgt den größten Teil des Altkreises Riesa/Großenhain mit Trinkwasser.

Während des Stromausfalls in der Kupferberg-Gaststätte Großenhain musste Kai Riepert bei Campinglicht Schnitzel und Bratkartoffeln für alle auf dem alten Gasherd braten.
Während des Stromausfalls in der Kupferberg-Gaststätte Großenhain musste Kai Riepert bei Campinglicht Schnitzel und Bratkartoffeln für alle auf dem alten Gasherd braten. © Kristin Richter

Im Barockpark Zabeltitz richtete "Ignatz" solche Schäden an, dass ein Teil der Anlage für einige Zeit gesperrt werden musste. Vor allem im Bereich der Wildnis sind zahlreiche Äste und Kronenteile heruntergebrochen sowie einzelne Bäume umgestürzt. Aus diesem Grund musste dieser öffentliche Bereich am Freitag abgesperrt werden, teilte die Stadtverwaltung mit. Das Rathaus bittet alle Besucher, sich zur eigenen Sicherheit an die Absperrung zu halten und den Bereich nicht zu betreten. Die Beseitigung der Schäden werde einige Zeit in Anspruch nehmen.

Schäden, die in der Gaststätte Kupferberg in Großenhain glücklicherweise nicht eingetreten sind. Obwohl das Haus zur Mittagszeit voll war, als die Stromversorgung zusammenbrach. "Wir mussten für die Mittagsgäste noch kochen", erklärt Koch Kai Riepert. Glücklicherweise war der Gasherd noch zu gebrauchen. Doch so mussten alle Gäste das Gleiche essen: Schnitzel mit Bratkartoffeln. Während man in der Gaststube durch die großen Fenster genügend Licht hatte, behalf sich das Küchenteam mit Notbeleuchtung durch Kerzen.

Beim Fußballabend auf Schloss Schönfeld schlug der abendliche Stromausfall am Donnerstag - der zweite im Osten an diesem Tag - ebenfalls zweimal zu. Einmal in der Pause und einmal mitten in der Veranstaltung. Die Lampe einer Videofilmerin konnte wenigstens die Bühne beleuchten, sodass der Vortrag nicht unterbrochen werden musste.