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Silvesterkarpfen kommen an Land

Zwölf Tonnen Fisch wurden aus dem Oberteich bei Würschnitz geholt. Vor dem letzten Abfischen zelebrierte die Teichwirtschaft Zschorna ein Ritual.

Von Kathrin Krüger
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Abfischen der Teichwirtschaft Zschorna am Oberteich bei Würschnitz. Hier werden die Karpfen auf der Rutsche aussortiert und abgewogen. Vorn Jens Hillig und Sven Kubasch.
Abfischen der Teichwirtschaft Zschorna am Oberteich bei Würschnitz. Hier werden die Karpfen auf der Rutsche aussortiert und abgewogen. Vorn Jens Hillig und Sven Kubasch. © Kristin Richter

Zschorna. Die Nacht vor dem Abfischen am Oberteich war frostig. Minusgrade zwickten und zwackten jeden, der kein schützendes Dach überm Kopf hatte. Für die "Fischverrückten" um die Fischwirte Florian Tandler und Lucas Piesold tat es ein Bauwagen. Sie hielten Nachtwache vor dem letzten Abfischen der Teichwirtschaft Zschorna in dieser Saison. Vor dem großen Finale.

"Wir haben die Technik schon draußen und müssen den Wasserstand beobachten", sagt Florian Tandler zur Begründung. Zwei Wochen vorher wurde der Oberteich in die Große Röder abgelassen. Nun musste immer mal wieder Laub vor den Ablaufgittern weggeräumt werden, damit der Wasserstand optimal fürs Abfischen ist.

Jens Hillig, Jens Throne und Lucas Piesold holen die gefischten Karpfen aus dem Netz im Oberteich bei Würschnitz.
Jens Hillig, Jens Throne und Lucas Piesold holen die gefischten Karpfen aus dem Netz im Oberteich bei Würschnitz. © Kristin Richter
Die Karpfen werden auf der Rutsche aussortiert und abgewogen. Vorn an der Waage Sven Kubasch.
Die Karpfen werden auf der Rutsche aussortiert und abgewogen. Vorn an der Waage Sven Kubasch. © Kristin Richter
Fischwirt Florian Tandler und Geschäftsführer Andreas Hilger (r.) in der Teichwirtschaft Zschorna.
Fischwirt Florian Tandler und Geschäftsführer Andreas Hilger (r.) in der Teichwirtschaft Zschorna. © Kristin Richter
Lucas Piesold beim Einholen der gefangenen Karpfen aus dem Netz am Oberteich.
Lucas Piesold beim Einholen der gefangenen Karpfen aus dem Netz am Oberteich. © Kristin Richter

Zwölf Tonnen Karpfen holten die Fischer aus dem Oberteich - dreijährige Silvesterkarpfen. Viele wiegen um die 2,5 Kilo. Auch Hechte, Weißfische, Schleien und Zander waren dabei. Die fünf Mitarbeiter der Teichwirtschaft, vier Teilangestellte und freiwillige Helfer aus der Umgebung zogen die Netze und sortierten die Fische auf einer Rutsche, bevor sie in die Behälter kamen.

Es ist eine gute Saison für den Angel-Service Dresden, der die Teichwirtschaft betreibt. An die 20 Teiche wurden abgefischt. Durch den Regen der letzten Zeit bekamen die Gewässer noch mal gute Bedingungen, trotz der Kühle. Es gab wenig Verluste. "Wir haben insgesamt 30 Teiche, aber der Oberteich ist der produktivste", so Florian Tandler. Er ist 16 Hektar groß, hat gutes Wasser und viel Plankton, also Naturnahrung. Ein idealer Zuchtteich.

Für den neuen Geschäftsführer Andreas Hilger aus Dresden ist es die erste Fischernte in Zschorna. Vom Gartenbauverband wechselte der 37-jährige Hobbyangler Anfang Oktober zum Angel-Service Dresden. "Ich hab das Hobby seit über 20 Jahren", so der Betriebswirt. Er kommt ursprünglich aus Bischofswerda, ist Vorsitzender des Anglervereins Dresden. In Zschorna stieß er nach eigenen Angaben auf ein gutes, engagiertes, selbstständiges Team. Trotzdem sei es gerade ein Sprung ins tiefe Wasser, in der Hauptsaison in diese Funktion zu wechseln, sagt Andreas Hilger. Jetzt ist gerade sehr viel Verwaltungsarbeit zu leisten: für die bundesweite Belieferung mit Frischfisch, für Pachtverträge oder das Beschaffen von Fördermitteln.

In zwei Wochen geht zudem das Hälterangeln auf dem Zschornaer Betriebsgelände los. Auch Menschen ohne Angelschein können sich dann hier Forellen, Lachs und Stör selbst aus dem Wasser holen. "Immer freitags und samstags von 9 bis 16 Uhr läuft die Aktion bis Ostern", so Andreas Hilger. Bei schönem Wetter kommen ganze Familien und haben das als Tagesausflug genutzt. Ihre Fische werden dann im Hofladen, der zeitgleich geöffnet ist, geschlachtet und filetiert - ganz küchengerecht. Dass junge Leute aber eher Zander oder Forelle essen und den Karpfen als traditionellen, regionalen Fisch verschmähen, schmerzt die Fischleute ein bisschen. Da müssen sie einfach noch mehr Werbung machen.