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Thiendorf lässt keine Luft an Kindercampus

Das neue Hortgebäude in Ponickau wird trotz erheblicher Kostensteigerung gebaut – zur Absicherung des Projekts nimmt die Gemeinde einen Kredit auf.

So soll der Ponickauer Kindercampus aussehen. Das Hortgebäude (links) wird an die Grundschule angebaut. Die Inbetriebnahme ist für 2022 geplant.
So soll der Ponickauer Kindercampus aussehen. Das Hortgebäude (links) wird an die Grundschule angebaut. Die Inbetriebnahme ist für 2022 geplant. © Grafik: Planungsbüro Schubert Radeberg

Ponickau. Der Kindercampus könnte fast um die Hälfte teurer werden als ursprünglich geplant. Thiendorfs Gemeinderat vergab den Auftrag für den Rohbau des Hortgebäudes, und der lag mit reichlich 600.000 Euro schon mal ein Viertel über den Prognosen. Nur zwei Firmen hatten sich an der doch recht attraktiven Ausschreibung beteiligt. Eins der Angebote war derart überteuert, dass es überhaupt nicht zur Diskussion stand - das zweite mussten die Räte dann wohl oder übel akzeptieren.

Denn trotz coronabedingter Verwerfungen, die zu einer Explosion der Material- und Baupreise geführt haben, will die Gemeinde den Campus unbedingt bauen. Auch um den Preis einer Neuverschuldung. Damit Thiendorf finanziell nicht ins Schleudern kommt, beschloss der Gemeinderat zuvor einen Nachtragshaushalt mit einer Kreditaufnahme von 750.000 Euro.

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Es ist nicht nur die bereits eingetretene und noch zu erwartende Preiserhöhung, die den Thiendorfern Handlungsbedarf signalisierte. Im Zuge der Planungen hatte sich herausgestellt, dass der neue Kindercampus eine separate biologische Kläranlage braucht. Die Abwasserentsorgung im Ortsteil Ponickau erfolgt komplett dezentral, auch Grundschule und Kindertagesstätte haben ihre eigene Abwasseranlage. Ein Anschluss des neuen Hortgebäudes an die Altanlage ist technisch nicht möglich, weil die anfallenden Abwassermengen stark schwanken. Deshalb muss die Kommune zusätzlich 125.000 Euro in die Hand nehmen und neu bauen. Da auch noch für die Modernisierung der Heizungsanlage in der Grundschule Geld gebraucht wird, summierte sich der Finanzbedarf schließlich derart, dass ein Kredit unumgänglich wurde.

Blick in die Glaskugel

„Man kann das als eine Art Sicherheitshaushalt sehen“, erklärt Bürgermeister Dirk Mocker. „Wenn die Kreditsumme nicht komplett gebraucht wird, ist es auch gut.“ Angesichts der derzeitigen Preisentwicklung seien Kostenprognosen einfach ein Blick in die Glaskugel. Und bei den immer noch sehr niedrigen Zinsen für solche kommunalen Kredite halte sich das Risiko in Grenzen. Thiendorf hat bisher keine coronabedingten Rückgänge bei den Gewerbesteuereinnahmen zu verzeichnen. Das liegt an der günstigen Gewerbestruktur in der Gemeinde, die eher auf Produktion und Handel ausgerichtet ist und weniger auf die durch Kontaktbeschränkungen gebeutelten Dienstleistungen.

Dass die Gemeinderäte keine Luft an den Hortneubau lassen, ist der Situation an der Ponickauer Grundschule geschuldet. Die Kinder werden seit Jahren auf verschiedene Horteinrichtungen in drei Ortsteilen verteilt. Dadurch müssen viele Schüler nach dem Unterricht mit dem Bus nach Thiendorf und Sacka fahren und bekommen erst sehr spät ihr Mittagessen. Im Ponickauer Neubau gibt es eine Essenversorgung für alle Grundschüler, was sich die Eltern schon seit langem wünschen. Durch die Zentralisierung wird es für die Schule auch leichter, mit Ganztagsangeboten zu arbeiten.

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Den Zuschlag für den Hortbetrieb hatte Thiendorfs Gemeinderat schon voriges Jahr im Februar vergeben. Er ging an die Diakonie Riesa-Großenhain, die bereits für den Ponickauer Hort verantwortlich zeichnet. Die Ideen des neuen Betreibers sollten bereits in die Planung des Gebäudes einfließen. Zur Diakonie gehören in der Elbe-Röder-Region bereits mehrere Kindereinrichtungen, darunter auch das Ponickauer Montessori-Kinderhaus. Der soziale Dienst kann auf einen Pool von 90 Erzieherinnen zurückgreifen, wodurch sich Ausfälle beim Personal leichter kompensieren lassen.

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