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Thiendorfer Ortsteil bekommt eine Bus-Bücherei

Mit einem Graffiti-Projekt verwandeln Schönfelder Oberschüler die Wartehalle in ein fantasievoll gestaltetes Literaturdomizil.

Graffiti-Bücherregal am Wartehäuschen: Schüler der Oberschule Schönfeld präsentieren ihr GTA-Projekt im Thiendorfer Ortsteil Lötzschen. Von links nach rechts : Hannah, Lexa, Hedda, Marlon und Johannes.
Graffiti-Bücherregal am Wartehäuschen: Schüler der Oberschule Schönfeld präsentieren ihr GTA-Projekt im Thiendorfer Ortsteil Lötzschen. Von links nach rechts : Hannah, Lexa, Hedda, Marlon und Johannes. © Kristin Richter

Thiendorf. Knapp zwei Wochen brauchten die Schüler der 5. bis 8. Klasse aus der Oberschule Schönfeld, um das trostlose Lötzschener Buswartehäuschen in einen bunten Hingucker zu verwandeln. Ein gutes Dutzend graffitibegeisterter Mädchen und Jungs hatte sich unter Anleitung des Großenhainer Künstlers Sebastian Bieler zusammengefunden, um das Gebäude im Rahmen eines Ganztags-Projekts zu verschönern.

Die Aktion lief parallel zur Initiative von Anwohnerin Annabell Müller. Die Lötzschenerin wollte in ihrem 130-Seelen-Heimatdörfchen eine Möglichkeit zum Büchertausch schaffen. Zwei Orte weiter – in Kleinnaundorf – gibt es so etwas schon. Von dort bekam sie auch Unterstützung in Form eines Büro-Stahlschranks, in dem die Bücher dann aufbewahrt werden. „Ich hoffe, dass die Lötzschener die Tauschmöglichkeit gut annehmen“, sagt Annabell Müller. Einen Karton voller Bücher hat sie bereits mitgebracht, darunter „Kennedys Hirn“ von Henning Mankell, Emile Zolas „Die Erde“ und „Arme kleine Anni“ von Hedwig Courths-Mahler.

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Die Schönfelder Oberschule wird auch von vielen Kindern aus Thiendorfer Ortsteilen, wie etwa Lötzschen, besucht. Da habe es etwas Verbindendes, sagt Bürgermeister Dirk Mocker, wenn sich seine Gemeinde für solche Projekte öffnet. Er könne sich vorstellen, nächstes Jahr auch die Kleinnaundorfer Bus-Bücherei von den Schülern verschönern zu lassen. Am Lötzschener Wartehäuschen will Mocker noch eine Lese-Bank aufstellen lassen. Das Dorf liegt unmittelbar am Jakobsweg, sodass es von vielen Pilgern frequentiert wird. Da biete es sich an, einen Rastplatz zu schaffen, wo man sich ausruhen und dabei ein bisschen schmökern kann.

"Debusbibo" haben die jungen Leute ihr Werk in schönstem Sächsisch genannt. Auf die Außenwände wurden Buchrücken gesprüht, mit denen es eine besondere Bewandtnis hat. Jeder Teilnehmer an der Aktion durfte sich einen Buchtitel ausdenken, in dem sein Name vorkommt. Und so kann man an der Fassade „Löwe Lion“ finden, „Hannahs Cooking“ und „Luisa will Meer“. „Ursprünglich wollten wir noch ein bisschen Regalschmuck zwischen die Buchrücken bringen“, erklärt Projektbetreuer Sebastian Bieler. „Aber dazu hat der Platz an der Außenwand nicht mehr gereicht.“ Deshalb wurde die Dekoration kurzerhand ins Innere des Wartehäuschens verlegt. Dort kann man jetzt den springenden Berglöwen bewundern, den lesenden Bücherwurm, ein Zweiradmodell und eine Sprühdose.

„Es ist ganz witzig“, beschreibt Sebastian Bieler den Entstehungsprozess. „Wir hatten schon Gestaltungsvorschläge aus dem Dorf, die ich aber erst einmal zurückhielt.“ Dann entwickelten die Schüler ihre Ideen, und siehe da: Thematisch stimmten sie fast überein. Der Großenhainer Grafiker und Graffitikünstler leitet übers Jahr an etlichen Schulen in der Region solche Projekte – oft im Rahmen der Ganztagsangebote oder bei der Feriengestaltung. Er finde es gut, dass die Kinder in diesem Fall mal außerhalb des Schulgebäudes tätig werden können, sagt Bieler.

An der neuen "Busbibo" in Lötzschen wird das Warten auf den Bus nun nicht mehr langweilig.
An der neuen "Busbibo" in Lötzschen wird das Warten auf den Bus nun nicht mehr langweilig. © Kristin Richter

„Eine Möglichkeit zum Büchertausch – das freut natürlich das Herz eines Deutschlehrers“, erklärt GTA-Projektbetreuerin Swantje Petrasch. Einen eigenen Buchtitel mit ihrem Namen drin zu kreieren, habe den Schülern viel Spaß gemacht. Das Graffiti-Projekt laufe an der Schönfelder Oberschule schon eine ganze Weile und werde gut angenommen. „Nächstes Frühjahr“, sagt Swantje Petrasch, „werden wir dann die Rückwand unserer Turnhalle gestalten.“

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