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Thiendorfer Regenwasser-Streit beendet

Nach jahrelangem Prozessieren verlegt das Straßenbauamt im Oktober/November vorm Gasthof Tanner ein größeres Kanalrohr.

Gastwirt Christian Tanner vor seinem denkmalgeschützten Haus, das durch falsche Abwasserführung massive Schäden erlitten hat.
Gastwirt Christian Tanner vor seinem denkmalgeschützten Haus, das durch falsche Abwasserführung massive Schäden erlitten hat. © Klaus-Dieter Brühl/Archiv

Thiendorf. Wird die Wasserlache, die sich bei Starkregen vor dem  Gasthof ausbreitet, nun endlich verschwinden? Ja, lässt das Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) auf SZ-Anfrage verlauten, Ende der dritten Oktoberwoche sollen die Arbeiten beginnen. Zwischen der Gaststätte und dem nahegelegenen Kettenbach wird dann ein größeres Ablaufrohr verlegt. Das Alte hat einen Durchmesser von 300 Millimetern; das Neue soll 500 Millimeter stark sein. Geschachtet wird zunächst auf den an die Ortsdurchfahrt grenzenden Grundstücken. Wann die Straße aufgerissen wird, was nur mit einer Vollsperrung möglich ist, stehe momentan noch nicht fest, so Lasuv-Sprecher Fritz Grossmann. Eine Entsprechende werde rechtzeitig erfolgen.

Die Ursache für die regelmäßigen Überschwemmungen vorm Gasthof Tanner reicht zurück ins Jahr 1993. Das Lasuv hatte damals die Bundesstraße saniert und dabei einen Regenablauf eingebaut, der sich in der Folge als zu klein erwies und die Regenmengen nicht fasste, die besonders im Herbst herunterprasseln. Die Folge: Im unmittelbar benachbarten Gasthof wurde es feucht. Die Fassade wurde in Mitleidenschaft gezogen, und an den Innenwänden kletterte der Schimmel nach oben bis in den Saal. 

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Wirt Christian Tanner focht deshalb jahrelang durch mehrere Instanzen einen Rechtsstreit mit dem Straßenbauamt aus. Letzteres argumentierte, dass auch das Regenwasser etlicher anliegender Grundstücke in den Kanal eingeleitet werde. Das überschüssige Wasser komme also nicht aus dem Verantwortungsbereich des Lasuv, sondern der Gemeinde. Nach langem Hin und Her und einem Wirrwarr um die Zuständigkeiten, gewann der Thiendorfer Gastwirt 2018 schließlich den Prozess. Straßenbauamt und Kommune müssen gemeinsam einen durchlassfähigeren Kanal bauen, Tanner wurde eine Entschädigung zugesprochen.

Feuchtigkeit und Schimmel zeigen sich sehr drastisch in einer Fensterleibung direkt an der Straße.
Feuchtigkeit und Schimmel zeigen sich sehr drastisch in einer Fensterleibung direkt an der Straße. © Klaus-Dieter Brühl/Archiv

Auf 285.000 Euro veranschlagt das Straßenbauamt die Gesamtkosten für den ersten Bauabschnitt des Regenwasserkanals, einschließlich eines Abschlagsbauwerks. Dieser soll zunächst das Starkregenproblem am Gasthof beheben. Dazu muss für drei Wochen der Fußweg gesperrt werden, später auch die komplette B 98. Die Umleitung in Richtung Großenhain ist über die Staatsstraße 100 nach Radeburg, von dort über die S 91 bis Folbern ausgeschrieben. Die Umleitung der Gegenrichtung erfolgt analog. 

In einem zweiten und dritten Bauabschnitt soll später die gesamte Ortsdurchfahrt mit einem 500er Regenablauf ausgestattet werden. „Der erste Abschnitt beseitigt erst einmal das akute Problem“, erklärt Thiendorfs Bürgermeister Dirk Mocker. „Richtig Sinn macht aber nur die komplette Lösung.“ Die wird nach Auskunft des Landesamtes erst im Jahr 2022 kommen. Sie wird aber angesichts der durch den Klimawandel zunehmenden Starkregenereignisse nicht zu umgehen sein.

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Christian Tanner ist einerseits froh, dass der seit 2013 schwelende Rechtsstreit nun endlich Früchte trägt. Auf der anderen Seite hat seine Auseinandersetzung mit der Landesbehörde jede Menge an Anwaltskosten verursacht. „Ich kann froh sein, wenn ich mit plus minus null aus der Sache rauskomme“, sagt er. Als Einzelner gegen die geballte Staatsmacht anzutreten, zerre mächtig an den Nerven. „Manchmal war es schlimmer als bei den Kommunisten!“ Voraussetzung für den angekündigten Baubeginn ist, dass die Sanierung der Ortsdurchfahrt im benachbarten Schönfeld rechtzeitig abgeschlossen wird. Und dass das Wetter im November mitspielt. Nach Abschluss der Erdarbeiten muss wieder eine Asphaltdecke aufgebracht werden, und das verträgt keine Minusgrade.

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