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Tongrube soll Molch-Paradies werden

Die Umgestaltung brachte nicht nur jede Menge illegal entsorgten Müll zum Vorschein. Sie erwies sich auch als ausgesprochen konflikt-trächtig.

Klaus Richter vom Pro-Natura-Verein an der früheren Kaolingrube, die zum Laichgewässer für Kammmolche hergerichtet wird.
Klaus Richter vom Pro-Natura-Verein an der früheren Kaolingrube, die zum Laichgewässer für Kammmolche hergerichtet wird. © Manfred Müller

Gävernitz. Sage und schreibe 300 alte Autoreifen kamen ans Tageslicht, als der Verein Pro Natura die alte Kaolingrube an der B 101 zwischen Gävernitz und Ockrilla auspumpen ließ. Die Naturschützer wollen in dem Loch ein geschütztes Biotop für Kammmolche schaffen. Aber zunächst mussten die illegal entsorgten Abfälle herausgeholt werden – neben den Reifen auch Hausmüll und Schrott. Als im Mai 2020 massenhaft leere Patronenhülsen gefunden wurden, wurde ein vierwöchiger Baustopp veranlasst, weil sich zunächst der Kampfmittelbeseitigungsdienst ans Werk machen musste.

Richtigen Ärger gab es, als Angler in der ausgepumpten Tongrube eine größere Zahl toter Fische fanden. In sehr emotionalen Facebook-Beiträgen bezichtigten die Petrijünger den Naturschutzverein des Umweltfrevels. Dieser hatte zwar eine Fachfirma mit der Fisch-Bergung beauftragt. Aber beim Abfischen schlüpften kleinere Exemplare durch die Maschen und verendeten später. Molche und Fische vertragen sich doch prima, fanden die Kritiker. Warum also müssen letztere weichen?

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„Das stimmt leider nicht“, widerspricht Pro-Natura-Vereins-Chef Klaus Dünnebier. Sicher gebe es etliche Friedfisch-Arten, mit denen die Molche klarkommen. Aber in der Kaolingrube habe es vor Zwergwelsen nur so gewimmelt. Und für die seien sowohl der Laich als auch die Larven der Kammmolche geradezu ein Festmahl. Wenn man es also ernst meint mit dem Lurchschutz und das Geld für die Biotopherstellung nicht in den Sand setzen will, müsse das Gewässer fischfrei sein. Dünnebier bedauert, dass es bei der Aktion unbeabsichtigte Opfer gab. Da hätten wohl etliche Tiere im dünnflüssigen Schlamm Zuflucht gesucht und seien den Fischern dadurch entgangen.

Grube sollte im Herbst geflutet werden

Die konflikt-trächtige Vorgeschichte war ein Thema bei der September-Exkursion des Nabu-Regionalverbandes Großenhainer Pflege. Die führte in die Gävernitzer Heide, und dabei wurde auch das künftige Molch-Biotop in Augenschein genommen. „Eigentlich sollte die Grube schon im Herbst wieder vollgepumpt werden“, erklärt Klaus Richter vom Pro-Natura-Verein. Aber durch die Verzögerungen und die Regenfälle der vergangenen Wochen habe der tonige Untergrund nicht wie vorgesehen abtrocknen können. Deshalb müsse das Wasser nun wahrscheinlich noch einmal abgepumpt werden.

Die ehemaligen Kaolingruben in der Gävernitzer Heide sind ein ideales Laichgebiet für Lurche. Sie werden ausschließlich vom Regen befüllt, und das Wasser kann wegen des Tons im Boden nicht abfließen. Deshalb gibt es hier – sofern sie nicht eingesetzt werden – keine Fische, und auch der Eintrag von Schadstoffen aus der Landwirtschaft hält sich in Grenzen. Das macht die verstreuten Weiher und Tümpel zu einem Fortpflanzungs-Paradies für Frösche, Kröten und Molche.

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Aus diesem Grund wurde hier ein Flora-Fauna-Habitatgebiet für Kammmolche ausgewiesen. „Wir finden sie jedes Jahr an den Lurchschutzzäunen, die entlang der B 101 aufgebaut werden“, sagt Klaus Richter. Der Naturschützer hat beobachtet, dass die Molche zwar Gewässer aufsuchen, in denen es Fische gibt. Aber sie laichen dort nicht ab, sondern sehen sich nach einem geeigneteren Platz um. Er hoffe, so Richter, dass niemand auf den Gedanken kommt, ins neu geschaffene Molch-Refugium wieder Fische einzusetzen. Das Abpumpen und Ausbaggern, die Müllbeseitung, das Abfischen und die Herstellung des umgebenden Geländeprofils haben fast 100.000 Euro gekostet.

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