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Über 100 Jahre altes Parament ersetzt

Zeichen der Hoffnung: Während Corona schufen Erika Ullmann und Roswitha Golchert im Auftrag des Küsters liturgische Textilien für die Marienkirche.

Erika Ullmann klöppelte die Motive des neuen Paraments für die Marienkirche Großenhain, das Roswitha Golchert aus Zabeltitz genäht hat. Daneben das alte abgewetzte Parament von 1902.
Erika Ullmann klöppelte die Motive des neuen Paraments für die Marienkirche Großenhain, das Roswitha Golchert aus Zabeltitz genäht hat. Daneben das alte abgewetzte Parament von 1902. © Norbert Millauer

Großenhain. Sie leuchten schon von Weitem in sattem Grün in der herbstlich geschmückten Marienkirche: die drei neuen Teile des Paraments. Sie wurden jetzt zum Erntedank-Gottesdienst vorgestellt. Diese liturgischen Textilien liegen auf dem Altar (Frontale) und dem Lesepult bzw. hängen von der Kanzel herab. Beim genauen Hinsehen wird deutlich, dass Klöppelarbeiten auf den grünen Stoff genäht sind. Was hier viel mehr darstellt als nur "Hübschmacher", ist ein Gemeinschaftswerk von Schneiderin Roswitha Golchert und Klöppelfrau Erika Ullmann. In Auftrag gegeben vom Küster der Kirche, Jens Heinert, und abgestimmt mit Pfarrerin Sarah Zehme.

Das bisherige grüne Parament ist schon von 1902 und stark verschlissen. Jens Heinert öffnet in der Sakristei den Schrank mit weiteren vier Paramenten und erklärt, was es mit den Farben auf sich hat: "Das grüne ist keiner kirchlichen Festzeit zugeordnet, es wird vom Sonntag nach Pfingsten bis vor dem Ewigkeitssonntag verwendet." Diese lange und sonnenreiche Zeit ist auch der Grund dafür, dass die alten Stücke so ausgeblichen sind. Das rote Parament wird für Festlichkeiten wie Konfirmation, Kirchweihe, Ordination oder zu Pfingsten genutzt. Auch diese Textilien entstanden bereits 1902.

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Der Schrank mit den Paramenten in der Sakristei der Marienkirche. Hier hängen fünf Sets für den Gebrauch zu unterschiedlichen Anlässen.
Der Schrank mit den Paramenten in der Sakristei der Marienkirche. Hier hängen fünf Sets für den Gebrauch zu unterschiedlichen Anlässen. © Norbert Millauer

Die Farbe Violett kommt zu den beiden Fastenzeiten im Advent und nach Aschermittwoch zum Einsatz. "Diese Stücke stammen bei uns von 1930, 1940", weiß Jens Heinert. Das schwarze Parament, ebenfalls von 1902, wird nur am Karfreitag aufgelegt. Das weiße Parament, das besonders gewebt ist, dient den höchsten kirchlichen Festen: Ostern und Weihnachten bzw. zu St. Michaelis im September, erklärt der Küster. An seiner Ornamentik erkennt er, dass diese Teile 1955 gefertigt wurden.

Jens Heinert wollte für die Neuanfertigung des grünen Paraments unbedingt Klöpplerin Ullmann und Schneiderin Golchert gewinnen. Beide gehören zum Kirchspiel, beide sind dem Küster und Barocktänzer durch die Anfertigung von Kostümen für seinen Dresdner Hoftanzverein gut bekannt. Erika Ullmann klöppelte außerdem 1998 für die Altardecke eine neue Spitze. Die über 100 Jahre alten Paramente sind wohl von Dresdner Diakonissinnen maschinell aus Modulen zusammengesetzt worden. "Wir wollten jetzt individuelle Handarbeit, und von Mitgliedern aus der Gemeinde", erklärt Jens Heinert.

So sind die neuen Paramente am Altar, Lesepult und der Kanzel unter der Orgel zu sehen.
So sind die neuen Paramente am Altar, Lesepult und der Kanzel unter der Orgel zu sehen. © Norbert Millauer

Der Auftrag für diese sogenannten Prinzipalstücke begleitete Erika Ullmann schon seit vorigem Jahr durch die Corona-Beschränkungen. "Das hat mir gutgetan, denn ich durfte lange nicht zu meinen Enkeln und Urenkeln, und auch mit meinen Klöppelfrauen konnte ich mich nicht treffen", bedauert die Großenhainer Rentnerin. Doch die Sache war ziemlich knifflig. "Ich musste für die Trinitätszeichen, die Fischsymbole oder die Muscheln Klöppelbriefe erarbeiten", erklärt Erika Ullmann. Mehrere Entwürfe entstanden, das nötige Material wurde ausprobiert, die Wirkung im Raum getestet. "Es kommt ja darauf an, dass alles auch in diese Barockkirche passt", setzt Jens Heinert dazu. Der Küster und auch die Frauen zeigten ein besonderes Gespür dafür, was geht und was nicht. "Das war eine Fusselarbeit, aber die Frauen waren sehr geduldig", schmunzelt Jens Heinert.

Auf die Wirkung im Raum kommt es an. Dafür wendeten die Frauen und Jens Heinert viel Zeit auf.
Auf die Wirkung im Raum kommt es an. Dafür wendeten die Frauen und Jens Heinert viel Zeit auf. © Norbert Millauer

Erika Ullmann hat ihre Arbeit im eigenen Garten sogar aus der Ferne betrachtet, um die Wirkung zu testen. Solche aufzunähenden Teile hatte sie noch nicht zuvor geklöppelt. Am schwierigsten seien die durchbrochenen Muscheln gewesen, sagt sie. Doch allen Beteiligten war klar, dass das neue Parament nun auch möglichst 100 Jahre halten soll. Mit dem Grün wollen sie neue Hoffnung nach Corona symbolisieren. Auch Freude und Dankbarkeit. Erika Ullmann schenkte ihren Anteil der Kirchgemeinde. Sie ist stolz, den hohen Anspruch angenommen und ausgefüllt zu haben.

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