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"Uns fehlen monatlich 6.000 Euro"

Diese Einnahmeverluste kann die Kita Sonnenschein Schönfeld ausgleichen. Die pädagogischen Abstriche leider nicht. SZ sprach mit Leiterin Jana Hoyer darüber.

In der Schönfelder Kindertagesstätte Sonnenschein in der Wilde-Bären-Gruppe: Johanna, Sina, Moritz und Hermann mit Kita-Leiterin Jana Hoyer (v.l.).
In der Schönfelder Kindertagesstätte Sonnenschein in der Wilde-Bären-Gruppe: Johanna, Sina, Moritz und Hermann mit Kita-Leiterin Jana Hoyer (v.l.). © Kristin Richter

Schönfeld. Die Mitarbeiter des freien Schönfelder Kita-Trägers fühlen sich in der Corona-Pandemie allein gelassen. Die Wiedereröffnung in den eingeschränkten Regelbetrieb kam für sie zu überhastet.

Frau Hoyer, draußen auf dem Hof und drinnen in der Kita ist bei Euch alles abgesperrt. Was macht das mit den Kindern?

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Wir müssen, wie alle anderen Einrichtungen jetzt, strikte Gruppentrennung durchsetzen. Sonst sind wir eine offene Einrichtung, nun müssen alle Türen zu sein. Das merken vor allem die Krippenkinder sehr. Sie zeigen uns, dass sie sich eingeschränkt fühlen. Die größeren Kindergartenkinder nehmen das so hin. Und wir als Personal können nur schwer damit umgehen. Die Selbstbestimmung der Kinder in der Einrichtung geht flöten. Und unser pädagogisches Konzept können wir derzeit nicht umsetzen.

Was macht Ihnen als Team die Arbeit so schwer?

Mich und meine Mitarbeiter nervt es, dass wir in unserer Arbeit derzeit total ausgebremst werden. Es ist so unbefriedigend, keine Planungssicherheit zu haben. Wir brauchen Struktur für den Tagesablauf, das ist schwierig. Denn es geht nicht nur um den Schutz der Kinder, sondern auch den der Mitarbeiter. Alle Krippenerzieherinnen waren von Corona betroffen, einige davon schlimm. Wir hätten uns die Wiedereröffnung im Sinne der Betreuung behutsamer gewünscht. Nachvollziehbarer wäre es gewesen, wenn zuerst nur die Kinder von berufstätigen Eltern hätten kommen können.

Notbetreuung oder normaler Betrieb, das ist ja auch ein finanzieller Unterschied für einen freien Träger.

Richtig. Wenigstens konnten wir die Zeit der Notbetreuung für die Abrechnung nutzen. Wir haben für die Eltern, die sie nicht in Anspruch nehmen konnten, im Dezember, Januar und Februar keine Beiträge erhoben. Erhalten wir sonst Elternbeiträge von rund 8.000 Euro monatlich, war es jetzt nur ein Viertel. Uns fehlen also drei Mal 6.000 Euro. Die Ausfälle bekommen wir erst im Sommer erstattet. Außerdem haben wir Betreuungsverträge auf maximal neun Stunden gekürzt. Glücklicherweise haben wir gut gewirtschaftet und jetzt keine finanzielle Not. Wir müssen schauen, ob wir zweckgebundene Rücklagen für neue Außenprojekte einsetzen müssen oder für den eigentlichen Zweck behalten.

Nochmal zurück zur Bildungsarbeit. Haben Sie Beispiele, wie Corona sich konkret darauf auswirkt?

Wie schon gesagt, sind es die ungewohnten Absperrungen, dass die Eltern ihre Kinder an der Tür abgeben müssen, dass es in den Garderoben jetzt beengt zugeht. Auch die Dienstpläne sind ein Problem. Wir haben zwei Langzeitkranke. Trotzdem mussten wir Anfang Januar eine Woche selbst kochen, weil unser Essenanbieter die geringe Anzahl nicht effektiv liefern konnte. Wir mussten also auch einkaufen. Andererseits dürfen wir jetzt unser gesundes Frühstück wegen der Hygieneauflagen nicht anbieten. Der Tagesablauf ist nur noch von Auflagen bestimmt, es bleibt wenig Zeit für die individuelle Bildungsarbeit.

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Die Entscheidungsträger müssten unserer Meinung nach ihre Vorgaben stärker hinterfragen. Ämter und Politiker müssten sich mehr vor Ort informieren und sich angucken, wie sich alles auswirkt. Wir wünschen uns längeren Vorlauf. Gut finden wir hingegen, dass die Zahl der Kinderkrankentage pro Jahr erhöht wurde. Das ist richtig.

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