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Vereine befürchten Mitgliederschwund

Mit dem neuen Jahr sind in den Interessengruppen die Jahresbeiträge fällig. Doch warum zahlen, wenn nichts passiert, fragen sich manche. Das ist fatal.

Siegfried Behla beim Schreiben des Jahresberichtes vom Männerchor Großenhain-Reinersdorf. Werden alle Sänger bis zum Jubiläum zur Stange halten?
Siegfried Behla beim Schreiben des Jahresberichtes vom Männerchor Großenhain-Reinersdorf. Werden alle Sänger bis zum Jubiläum zur Stange halten? © Kristin Richter

Großenhain. Siegfried Behla, der Vorsitzende vom Männerchor Großenhain-Reinersdorf, brütet zu Hause über Unterlagen. "Wir scharren mit den Hufen, als Chor wieder proben zu können, aber es geht wegen Corona nichts los", ist der Ehrenamtler enttäuscht. Dabei wollen die singenden Herren endlich in diesem Jahr groß feiern: das aus dem Vorjahr verschobene Festkonzert zum 135. Geburtstag des Gesangsvereins. Am 2. Mai soll es nun im Kulturschloss stattfinden. Doch dafür muss der Chor üben!

Auch organisatorisch sind Behla die Hände gebunden. "Wir müssen die Mitgliederversammlung und den Jahresarbeitsplan beschließen", sagt er. Und eine Wahlveranstaltung für den Vorstand vorbereiten. Dort gehe es auch um neue Mitgliedsbeiträge. Das macht dem engagierten Großenhainer Sänger Sorge. "Hoffentlich bleiben alle dabei", wünscht sich Behla. Doch quasi seit März 2020 wurde nicht mehr geprobt. Und wann es in diesem Jahr losgeht, ist auch noch nicht klar. Und dafür sollen die Mitglieder monatlich zahlen - für nichts?

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"Wir sind über eine Whatsapp-Gruppe in Kontakt", sagt der Vereinschef. Zumindest die Vorbereitungen, die möglich sind, werden vom Vorstand erledigt. "Wer nicht plant und sich aufgibt, hat doch verloren", sagt sich Siegfried Behla immer wieder. Den Jahresabschluss 2020 hat er jetzt abgeschlossen. Doch wird es dieses Jahr ein Stadtfest geben, bei dem der Chor singen kann? Dass es allen anderen Vereinen mit dieser Unsicherheit auch so geht, ist für den umtriebigen Großenhainer nur ein schwacher Trost.

Mitte Mai 2020 konnte der Großenhainer Fitnessclub e.V. KAB, hier Christina Richter, fürs Training modernisiert wieder öffnen. Derzeit ist aber wegen des Lockdown geschlossen.
Mitte Mai 2020 konnte der Großenhainer Fitnessclub e.V. KAB, hier Christina Richter, fürs Training modernisiert wieder öffnen. Derzeit ist aber wegen des Lockdown geschlossen. © Kristin Richter

Auch in Walda-Kleinthiemig soll dieses Jahr richtig was losgehen: die 800-Jahr-Feier, die eigentlich voriges Jahr fällig war. Ausrichter ist der Parkverein Walda. "Das Datum steht fest, genau ein Jahr später, vom 9. bis 11. Juli soll das Fest nun stattfinden", sagt Julia Eichler vom Verein. Viele aktive Mitstreiter gäbe es nicht, und der Vereinsbeitrag sei so gering bemessen, dass es deswegen vermutlich keine Austritte geben wird, hofft sie. Doch seit Langem haben die Vereinsmitglieder keinen Kontakt mehr untereinander. Der neu gewählte Vorsitzende Frank Stehfest, der die Funktion von Birgit Dreßler übernahm, muss sich erst einarbeiten. "Wir haben zwar alles für die 800-Jahr-Feier konzipiert", so Julia Eichler, "doch welche Bedingungen dann wirklich herrschen, wissen wir noch nicht."

Seinen ersten Vortrag in diesem Jahr hätte jetzt der Philatelistenverein Großenhain und Umgebung gehabt. "Aber wir können ja nicht in den Alberttreff, wir müssen von einem Monat zum anderen rechnen", sagt Vereinschef Christian Reimann monoton. Wenn es dauerhaft keine Angebote gäbe, fürchtet auch er sich vor Mitgliederschwund. Obwohl sein Verein überwiegend aus älteren Sammlern besteht, die schon lange dabei sind. Sie führen in der Stadt eine Tradition von über 100 Jahren organisiertem Briefmarkensammelns weiter. Doch per Internet irgendetwas zu organisieren, schafft der kleine Verein nicht. "Die Tauschsonntage im Februar, März und April wären eine gute Gelegenheit, sich wieder zu treffen, und im Mai würden wir den Vortrag über Briefmarken aus Danzig nachholen", sagt Reimann. Wohl wissend, dass das alles noch in den Sternen steht.

Internetaffine Gruppen wie die Jesus-Gemeinde mit ihren Pfadfindern Royal Rangers dagegen organisieren für die Kinder und Jugendlichen per Video und Whatsapp Wettbewerbe und hoffen damit nicht nur, dass sie weiter Mitglied bleiben, sondern auch, dass sie eine sinnvolle Beschäftigung im Lockdown haben. Bei der Singgemeinschaft Großenhain gibt es einen ähnlichen Ansporn, sich zu Hause selbst beim Singen aufzunehmen und das mit anderen zu teilen. Der Folberner Carnevals Verein (FCV) ist virtuell in seine 43. Faschingssaison gestartet und hält seine Mitglieder und Fans mit lustigen Videoclips bei Laune.

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Das kann der Großenhainer Fitnessclub e. V. KAB nicht. Zumindest hält er es nicht für sinnvoll, weitere Sportvideos im Netz zu posten. "Wir haben Mitgliedern stattdessen Trainingspläne mit nach Hause gegeben", sagt Hubertus Marx. Doch täglich erreichen den mitgliederstärksten Verein der Stadt Anfragen zur Beitragsaussetzung oder nach Gutscheinen. "Wir als Verein können aber nichts für die Situation, der Mitgliedsbeitrag ist nicht an die Leistung gebunden", so Marx. Denn die Fixkosten für das Objekt an der Dresdner Straße laufen weiter. Nur zum 31. Oktober eines Jahres seien laut Satzung Austritte möglich, so der Vereinschef. Im Vorjahr habe es auch Kündigungen wegen der fehlenden Trainingsmöglichkeiten gegeben. Hubertus Marx hofft aber, dass die Mitglieder weiter geduldig bleiben. Denn irgendeine Soforthilfe bekam das KAB nicht.

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