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Verschollenes Panzerdenkmal kehrt zurück

Von 1985 bis 1998 stand die Betonkunst vor dem Offizierskasino am Remonteplatz. Die Teile verschwanden aufs Dorf. Nun kommen sie wieder nach Großenhain.

Hans-Jürgen Lakos aus Weißig a.R. hat die äußeren Teile des Panzerdenkmals vom Großenhainer Offizierskasino in seinem Grundstück.
Hans-Jürgen Lakos aus Weißig a.R. hat die äußeren Teile des Panzerdenkmals vom Großenhainer Offizierskasino in seinem Grundstück. © Norbert Millauer

Großenhain. Lutz Schubert spricht von einem damals verhassten Denkmal: Kunst aus Beton, die ab 1985 vorm damaligen Offizierskasino des NVA-Panzerregiments Leo Jogiches an der Albertstraße stand. Schubert muss es als Oberstleutnant a.D. wissen: Er hielt seinerzeit die Eröffnungsrede. Und trotzdem gehört diese Kunst zur Stadtgeschichte. Zumal sich nur wenige an diese - einst wie alles Militärische abgeschirmte - Platte erinnern werden.

Anfang der 1980er-Jahre wurde beschlossen, Kunstwerke in die NVA-Kasernen zu bringen, weiß Lutz Schubert, heute Vorsitzender der Kameradschaft Großenhain des Deutschen Bundeswehr-Verbandes. Das Großenhainer Panzerdenkmal stammte von einem "unbedeutenden Bildhauer", so Schubert. Trotzdem hätte es 40.000 DDR-Mark gekostet. Es zeigt in drei Abschnitten von links nach rechts den Warschauer Pakt/Waffenbrüderschaft, das Panzerregiment mit T55-Panzern und die Wertschätzung der Bevölkerung.

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Das Panzerdenkmal vor dem ehemaligen Offizierskasino. Bis 1998 hat es hier im Garten gestanden, dann wurde das Offizierskasino zur Seniorenresidenz umgebaut.
Das Panzerdenkmal vor dem ehemaligen Offizierskasino. Bis 1998 hat es hier im Garten gestanden, dann wurde das Offizierskasino zur Seniorenresidenz umgebaut. © Archiv: Lutz Schuberth
Oberstleutnant Lutz Schubert (vorn) hielt Mitte der 80er Jahre die Rede bei der Denkmaleinweihung. 3.v.l.: der damalige Bürgermeister Ottmar Warnke.
Oberstleutnant Lutz Schubert (vorn) hielt Mitte der 80er Jahre die Rede bei der Denkmaleinweihung. 3.v.l.: der damalige Bürgermeister Ottmar Warnke. © Archiv: Lutz Schuberth
Die Rückseite des Denkmals.
Die Rückseite des Denkmals. © Museum Alte Lateinschule

Mit der Wende verschwand das 16. Großenhainer Panzerregiment innerhalb der siebenten Panzerdivision Dresden. 1997 kauften Katrin und Karsten Wohmann das inzwischen völlig marode Offiziersgebäude von der Treuhand für fast 300.000 D-Mark und bauten es in knapp zwei Jahren zur Seniorenresidenz Husarenpark um. In die Sanierung nach den Anforderungen für altersgerechtes Wohnen wurden rund zwei Millionen Euro investiert. Für die Gartenneugestaltung erhielt die Lampertswalder Firma von Siegmar Finsterbusch den Auftrag, das Denkmal zu entfernen.

Hans-Jürgen Lakos aus Weißig a.R. war damals dort beschäftigt und hatte im Panzerregiment Spremberg gedient. "Deshalb wollten wir das Großenhainer Denkmal nicht einfach zerstören, sondern es erhalten", sagt der heutige Rentner. Er brachte die beiden äußeren Teile zu sich nach Weißig a.R., sein Chef behielt sich das mittlere Stück mit den Panzern. Das sei offiziell dokumentiert worden, versichert Hans-Jürgen Lakos.

Noch heute sind die Platten in den Privatgrundstücken, doch sowohl der Weißiger als auch Finsterbuschs Sohn Guido aus Lampertswalde wollen das Denkmal jetzt nach Großenhain zurückgeben. "Dort gehört es doch hin", unterstreiche Hans-Jürgen Lakos. Er will deshalb mit Marcel Reichel von der Flugplatzausstellung in Verbindung treten. Das wäre die einzige passende Stelle, denn in der Stadt erinnert sonst kein Ort direkt an das Panzerregiment.

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