Partner im RedaktionsNetzwerk Deutschland
Großenhain
Merken

Verwaltungsgericht: Wegebau im Röderauwald war illegal

Der Nabu Sachsen hatte geklagt und war gegen den Landkreis erfolgreich. Der 2019 befestigte Weg kann zwar bleiben, der Eingriff muss aber ausgeglichen werden.

 2 Min.
Teilen
Folgen
NEU!
Nabu-Regionalchef Volker Wilhelms auf dem befestigten Waldweg durch den Zabeltitzer Röderauwald.
Nabu-Regionalchef Volker Wilhelms auf dem befestigten Waldweg durch den Zabeltitzer Röderauwald. © Manfred Müller

Zabeltitz. Im Frühjahr 2019 hatte der Landkreis Meißen im Röderauwald ein Breitbandkabel verlegen und den bestehenden Waldweg straßenähnlich ausbauen lassen. Dabei wurden standortfremde Materialien 30 bis 40 Zentimeter hoch aufgeschüttet und mit einer Schottertragschicht aus Grauwacke sowie einer fünf bis zehn Zentimeter hohen Porphyrsplittschicht verdichtet.

Dadurch entstand ein Damm, der die natürliche und notwendige temporäre Überflutung der Aue verhindert. Notwendige vorherige naturschutzrechtliche Prüfverfahren wurden nicht durchgeführt, wodurch bestehende Rechtsverordnungen der Schutzgebiete missachtet wurden. Widersprüche des Naturschutzbundes Nabu gegen diese Maßnahmen wurden nicht berücksichtigt. Der Landesverband hatte deshalb im März 2021 Klage gegen das Landratsamt Meißen beim Verwaltungsgericht Dresden eingereicht.

Am 13. Juni fand nun endlich ein Verhandlungstermin statt, bei dem der Nabu Sachsen durch die Kanzlei Baumann Rechtsanwälte Partnerschaftsgesellschaft vertreten wurde. Im Rahmen der mündlichen Verhandlung wies laut einer Pressemitteilung der Naturschutzbund erneut auf eklatante Fehler im Genehmigungsverfahren hin, insbesondere hinsichtlich der Betroffenheit von Schutzgebieten. Dabei wurde eindringlich die naturschutzfachliche Besonderheit des Röderauwaldes sowie die Sensibilität dieses Gebiets betont.

Der Eingriff fand in einem Bereich statt, der von mehreren Schutzgebietskategorien überlagert ist, darunter das Naturschutzgebiet Röderauwald Zabeltitz, das Landschaftsschutzgebiet Mittlere Röderaue und Kienheide sowie die europarechtlich geschützten Gebiete Röderaue und Teiche unterhalb Großenhain und Unteres Rödertal.

Besonders die europarechtlichen Belange wurden vom Landkreis vollkommen unzureichend beachtet, heißt es. Das Gericht folgte weitgehend dieser Auffassung und schlug vor, dass die beiden Parteien versuchen, sich über eine Mediation zu einigen. Der Nabu lehnte dies ab und unterbreitete gleichzeitig einen Gegenvorschlag für einen schriftlichen Vergleich. Das Gericht und die Beklagten stimmten diesem Vorgehen zu.

Der Nabu wird nun konkrete Vorschläge formulieren, um den erfolgten illegalen Eingriff in den Röderauwald bestmöglich auszugleichen. Und die Auswirkungen auf das Ökosystem zu minimieren. Dabei wird vor allem darauf geachtet, dass die betroffenen Lebensräume weiterhin auentypisch geflutet werden können. (SZ/krü)