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Vorzeigefamilie in ganz frischen Farben

Am Denkmalstag präsentierte das Museum das restaurierte Zschille-Familienporträt. Der Hingucker kann aus Platzgründen nicht in die Dauerausstellung.

Der Leiter des Museums Alte Lateinschule Jens Schulze-Forster erklärt Besuchern das Familienporträt des erfolgreichen Großenhainer Tuchfabrikanten und Kunstsammlers Richard Zschille.
Der Leiter des Museums Alte Lateinschule Jens Schulze-Forster erklärt Besuchern das Familienporträt des erfolgreichen Großenhainer Tuchfabrikanten und Kunstsammlers Richard Zschille. © Norbert Millauer

Großenhain. Im August 1939 gelang dem damaligen Heimatmuseum eine bemerkenswerte Erwerbung: Ein großes Ölgemälde kam ins Haus am Kirchplatz – das Familienporträt des Industriellen Richard Zschille mit seiner Frau Ida Hartmann und den Kindern Madeleine, Emmy, Carola und Eugen Richard. Noch ein zweiter Sohn der Familie war 1884, als das Ölgemälde entstand, nicht geboren.

Das Großenhainer Tageblatt berichtete damals über Zschille: "Dieser Mann hat seinerzeit an der Promenade das Stadtschlösschen erbaut, in welchem er seine reichen historischen Sammlungen, Rüstungen und Waffen untergebracht hat. Die Nachkommen Richard Zschilles haben ihr Familienbild dem Heimatmuseum der Vaterstadt geschenkt."

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Nun, reichlich 80 Jahre später, erstrahlt das großbürgerliche Paar mit seinen Kindern in frischen, lebendig wirkenden Farben. Wer die Vorher-Nachher-Gegenüberstellung betrachtet, sieht, wie heller die Farbtöne nach der Überarbeitung durch die Dresdner Diplom-Restauratorin Claudia Hartwich zum Vorschein kommen. Museumsleiter Jens Schulze-Forster ist von ihr "ziemlich begeistert" und lobt die Aufarbeitung als "außergewöhnlich gute Arbeit".

Fast 10.000 Euro hat sich das Museum den "Glanz der Gründerzeit" kosten lassen. Davon steuerten 8.000 Euro der Freistaat bzw. die Landesstelle für Museumswesen bei. "Sicher hatten auch die anderen Zschille-Tuchfabrikanten Fedor und Anton solche Familiengemälde, aber sie sind eben nicht öffentlich erhalten", so der Museumsleiter. In dem "Schinken", der bis Ende Oktober im Museumsfoyer hängen bleibt, spiegelt sich bedeutende Großenhainer Industriegeschichte wider.

2001 wurde das Gemälde schon mal restauriert, allerdings aus Kosten- und vielleicht fachlichen Gründen nur oberflächlich. 2004 hatte es die Zschille-Ausstellung am Kirchplatz gegeben, 2006 erschien der Begleitband dazu, der noch im Museum zum Verkauf steht. Fotos in der Medienstation neben dem Gemälde zeigen, wie nun der alte dunkle Firniss vom Gemälde herunterkam. Die an mehreren Stellen beschädigte Leinwand wurde zudem gestopft, gekittet und retuschiert. Sie wurde auch neu gespannt. Selbst am gewaltigen Holzrahmen fehlten Teile, die ersetzt und farblich neu gefasst wurden. Die hinterm Bild existierenden Lücken hat die Restauratorin geschlossen.

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"Eigentlich müsste man das Gemälde unbedingt in der Dauerausstellung zeigen", ist sich Jens Schulze-Forster sicher. Doch dafür fehlt in der beengten Schau der Platz. Etwas anderes müsste dafür weichen. Damit die bisher teuerste Restaurierung des Hauses dauerhaft zu sehen sein kann, müsste das Museum erweitert werden - ein altes Problem. Interessant ist übrigens noch, dass in Berlin noch eine Urenkelin von Richard Zschille leben soll.

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