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Warum in Priestewitz die Schuhe weg sind

Am Sonntag protestierten Eltern gegen die Schul- und Kitaschließungen auch in den Dörfern. In Lampertswalde filmte der MDR, anderswo wurde alles weggeräumt.

Der Zugang zur Gemeindeverwaltung Priestewitz war am Sonntag aus Protest zu den Schließungen voller Schuhe und Plakate. Doch sie wurden weggeräumt.
Der Zugang zur Gemeindeverwaltung Priestewitz war am Sonntag aus Protest zu den Schließungen voller Schuhe und Plakate. Doch sie wurden weggeräumt. © privat

Region. Auch in Priestewitz haben Eltern gemeinsam mit ihren Kindern mit viel Zeit und Liebe ihren Ärger an den derzeitigen Schul- und Kitaschließung zum Ausdruck gebracht. Am Sonntag wurde der Zugang zur Gemeindeverwaltung zur Treppe des stillen Protestes umfunktioniert.

Dieser Unmut ist für Bürgermeisterin Manuela Gajewi nachvollziehbar: "Kinder brauchen Kinder, nicht nur zum Spielen. Sie lernen manche Sachen voneinander einfach besser, als wir es als Eltern vermitteln könnten. Auch das Homeschooling ist kein Ersatz für das gemeinsame Lernen in der Schule. Im Interesse der Kinder muss hier ein anderer Weg gefunden werden, um die Kinder wieder gemeinsam die Welt entdecken zu lassen – ohne, dass eine Gefährdung für sie und ihre Familien oder die Erzieher und Lehrer besteht. In diesem Punkt sind wir uns vermutlich alle einig. Das haben wir auch entsprechend nach Dresden weitergegeben. Unsere Hoffnung ist, dass kommende Woche eine Lösung gefunden wird: für unsere Kinder und trotzdem zum Schutz aller", schrieb die Gemeindechefin noch am Sonntag auf der Gemeindehomepage.

Doch an diesem Tag verschwanden alle abgestellten Schuhe und Protestzettel. Darüber gab es unter der Elternschaft großen Unmut. In ihrem Beitrag auf der Internetseite erklärt Manuela Gajewi allerdings, warum das so passierte: "Da in unserem Gemeindeamt auch Mieter zu Hause sind, mussten wir die Treppe wieder frei räumen." Neben den Mietern müsse auch der Rettungsdienst und die Feuerwehr im Notfall freien Zugang haben. Gajewi weiter: "Jedoch werden wir einige der Bilder, welche Sie mit Ihren Kindern gestaltet haben, eine Woche lang im Gemeindeamt aushängen." Die Gemeindechef drückt ihren Wunsch nach einer guten, vernünftigen Lösung für alle aus.

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Auch vor der Gemeindeverwaltung Lampertswalde wurden Kinderschuhe und Forderungen abgestellt.
Auch vor der Gemeindeverwaltung Lampertswalde wurden Kinderschuhe und Forderungen abgestellt. © privat
Eine große Resonanz war an Grundschule Kalkreuth. Hier sind von der Straße aus viele Plakate zu sehen.
Eine große Resonanz war an Grundschule Kalkreuth. Hier sind von der Straße aus viele Plakate zu sehen. © Kathrin Krüger
Im Schönfelder Ortsteil Linz wurde der Protest gegen die Schul- und Kitaschließungen auf diese Weise ausgedrückt.
Im Schönfelder Ortsteil Linz wurde der Protest gegen die Schul- und Kitaschließungen auf diese Weise ausgedrückt. © privat

Vor der Lampertswalder Gemeindeverwaltung wurden am Sonntag ebenfalls Schuhe, Luftballons und selbst gemalte Forderungen abgestellt. Sogar das MDR-Fernsehen wurde hier aufmerksam und berichtete darüber im "Sachsenspiegel". Denn zahlreiche Demonstranten hatten sich am Nachmittag vor dem Gebäude zusammengefunden. "Wir lassen die Sachen liegen, ich habe schon Informationen von Eltern, dass der Protest noch weitergeht", sagt Bürgermeister René Venus. Er hatte gemeinsam mit dem Landrat, dem Großenhainer und Ebersbacher sowie weiteren Bürgermeistern der Region einen Protestbrief an den Ministerpräsidenten unterschrieben. Auch der Kreiselternrat steht hinter den Forderungen der Protestierenden auf Wiederöffnung der Häuser.

"Es reicht ... Wir möchten ein Zeichen setzen. An der Grundschule Kalkreuth sollen Schuhe, Briefe und gerne auch andere Symbole stellvertretend für unsere Kinder heute Nachmittag gegen vier aufgestellt werden. Sie haben ein Recht auf Bildung und sind unsere Zukunft". So wurde unter den Eltern in der Gemeinde Ebersbach mobil gemacht. Selbst ehemalige Eltern und Kinder der Grundschule sollen sich beteiligt haben. Gleiches passierte an den Kitas Lauterbach und Rödern und an der Gemeindeverwaltung Ebersbach. Auch dort wurden Kinderschuhe und anderes abgestellt. "Unsere Kinder leiden, teils still und unbemerkt", sagt zum Beispiel Familie Thies aus Naunhof.

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"Auch wir lassen die Dinge noch am Montag stehen, werden die Sachen nach Dienstschluss aber wegräumen", kündigt Bürgermeister Falk Hentschel an. Er könne den Unmut der Eltern nachvollziehen. "Wir werden eine geeignete Variante finden, wie wir mit den Sachen umgehen", sagt Hentschel. Andere Bürgermeister haben angekündigt, die Objekte an die Staatsregierung zu schicken, die eigentlichen Adressaten des Elternprotestes. "Denn wir sind das nicht", so Hentschel. Er habe am Sonntagabend einen Anruf einer Kita-Leiterin erhalten, die sich persönlich sehr betroffen fühlt von der Aktion und sich in der Verantwortung sieht. Doch auch sie ist den Zwängen unterworfen.

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So zeigte der MDR den Protest im "Sachsenspiegel".
So zeigte der MDR den Protest im "Sachsenspiegel". © Screenshot SZ
Auch vor der Ebersbacher Gemeindeverwaltung wurden Schuhe und Transparente abgestellt.
Auch vor der Ebersbacher Gemeindeverwaltung wurden Schuhe und Transparente abgestellt. © privat

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