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Wenn das Warnsystem trötet

An der Dresden-Berliner Bahnstrecke wird der Schallschutz erweitert. Warum man das in der halben Stadt hört und was es mit der Lärmmessung auf sich hat.

Martin Ludwig ist Projektleiter der Ausbaustrecke Dresden-Berlin. Hier steht er an den Bahngleisen, die eine weitere Schallschutzwand bekommen.
Martin Ludwig ist Projektleiter der Ausbaustrecke Dresden-Berlin. Hier steht er an den Bahngleisen, die eine weitere Schallschutzwand bekommen. © Kristin Richter

Großenhain. Regelmäßig ertönt dieser Tage ein trötendes Geräusch in der Stadt. Es ist weithin zu hören. Es kommt aus kleinen gelben Kästen, die an der Bahnstrecke Dresden-Berlin in regelmäßigen Abständen auf mehr als 300 Metern angeordnet sind. "Das ist unser automatisches Warnsystem", sagt Martin Ludwig, Projektleiter bei der Bahn und zuständig für die Lärmsanierung, die hier an der Merschwitzer Straße gerade im Gange ist. Früher haben Menschen die Arbeiter an der Strecke vor herannahenden Zügen, auch dem ICE, gewarnt. Nun geschieht das automatisiert.

Zweigleisig ist die Bahnstrecke, die über die Großraschützer Straße und den Röderneugraben Richtung Berliner Bahnhof verläuft. Hier baut die Hachenburger Firma Infra-Tec bahnlinks, wie die Beteiligten sagen, eine weitere Lärmschutzwand über 290 Meter. Das wird sich abwechseln mit einer Erweiterung über 110 Meter auf der anderen Seite, bahnrechts, als stadtauswärtige Verlängerung in Höhe der Lindenstraße.

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"Auch der Kampfmittelbeseitigungsdienst war noch mal drei Tage da", sagt Martin Ludwig. Allerdings wurde auch schon beim Streckenausbau 2017 hier nach alter Munition gesucht - und nichts gefunden. Neben dem Bahngleis sind schon große ausgebaggerte Kopflöcher zu sehen, in die die Rammpfähle für die Schallschutzmauer einbetoniert werden. Über 80 solche Gründungen wurden hergestellt. Die Rammrohre, in die die Pfähle gesteckt werden, liegen bereit. Am Mittwoch wurde mit diesem Aufbau begonnen, und das Ganze mit einer Lärmmessung begleitet.

Wo die Bahn in Zschieschen an der Merschwitzer Straße die Schallschutzwand verlängern lässt, gibt es auch eine moderne Videoüberwachung.
Wo die Bahn in Zschieschen an der Merschwitzer Straße die Schallschutzwand verlängern lässt, gibt es auch eine moderne Videoüberwachung. © Kristin Richter
Ein zweites Stück, das mit Lärmschutz erweitert wird, befindet sich auf der anderen Gleisseite in Richtung Ortsausgang nach Priestewitz.
Ein zweites Stück, das mit Lärmschutz erweitert wird, befindet sich auf der anderen Gleisseite in Richtung Ortsausgang nach Priestewitz. © Kristin Richter

Doch da die Rohre sechs Meter tief in den Boden vibriert werden, wie der Projektleiter erklärt, dürfte sich der Lärmpegel dabei in Grenzen halten. Wichtiger ist den Bauleuten eine andere Überwachung: nämlich die solarbetriebene Videokontrolle der Baustelle per Bauwatch. "Das setzen wir durch die zunehmenden Diebstähle bei der Bahn als Schutz der Technik immer öfter ein", so Martin Ludwig. Die Videoüberwachung steht unmittelbar hinterm Bauzaun.

Wenn also die Rohre und Pfosten im Abstand von bis zu fünf Metern im Boden sind, können die Aluminiumelemente als eigentliche Wand eingefügt werden. Sie werden auf einen Betonsockel aufgesetzt. Vier Meter hoch wird die Wand an der Merschwitzer Straße fortgesetzt, wie sie schon besteht. Richtung Stadtpark verringert sich ihre Höhe auf zwei Meter. Auf den Eisenbahnbrücken über die Straße und den Röderneugraben werden allein 26 Pfosten für die Schallschutzwand gesetzt.

Für die Lärmsanierung lässt die Bahn 1.504 Kubikmeter verschiedenfarbig grüne und graue Aluminiumelemente verbauen. Bis 30. Juni passiert das an der Merschwitzer Straße. Dann bis 15. Juli auf der anderen Bahnseite, vom 19. Juli bis 6. August wieder auf der Seite zum Stadtpark und vom 9. bis 16. August noch mal auf der stadtauswärtigen Seite. Die Schallschutzwände werden an der Dresden-Berliner Bahnstrecke schließlich insgesamt beidseitig über zwei Kilometer verlaufen. Die Fertigstellung ist Ende Oktober vorgesehen.

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