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Wer gräbt da an der Meißner Straße?

Seit Dezember ist der Standort des ehemaligen Sachsenhofes in Großenhain aufgebuddelt. Gefunden hat man schon, was zu vermuten war.

Hier am ehemaligen Standort des Sachsenhofes soll die neue Polizeistation entstehen.
Hier am ehemaligen Standort des Sachsenhofes soll die neue Polizeistation entstehen. © Kristin Richter

Großenhain. Die Archäologen sind wieder unterwegs in der Stadt. Sie graben seit 1. Dezember an der Meißner Straße/Ecke Mozartallee, wo bis 1999 der abgebrannte Sachsenhof stand. Hier soll das neue Großenhainer Polizeirevier gebaut werden. Zwei Mitarbeiter vom Landesamt sind vor Ort. Während der Weihnachtsferien werden die Arbeiten ruhen und dann ab der zweiten Januarhälfte bis voraussichtlich zum Monatsende fortgesetzt, so Sprecher Christoph Heiermann auf SZ-Nachfrage.

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Dokumentiert wurden bislang Überreste der ehemalige Stadtbefestigung, der Stadtgraben entlang der erhaltenen Stadtmauer und das Meißner Tor, so Heiermann. Im Bereich des ehemaligen Hotelbaus wurden auch Kellermauern dokumentiert, die jedoch älter sind als die des ehemaligen Hotels. "Vermutlich waren sie von früheren Bebauungen in das Hotel integriert worden." Bislang gäbe es leider noch keine archäologischen Einzelfunde, die diese Befunde genauer datieren können.

Doch es war zu erwarten, dass diese alten Kellermauern wieder zum Vorschein treten. Sie wurden schon beim Straßenbau an der Meißner Straße im Mai 2017 freigelegt. Eine angebliche Tropfsteinhöhle war damals gefunden worden. Die Tieku hatte das Mauerwerk bei Schachtarbeiten entdeckt. Es querte ihren Graben. Mehrere Tage war unklar, was es ist. Erst als die Bauarbeiter ein Loch in die Bruchsteinformation schlugen und hineinkletterten, realisierten sie, dass sie auf ein unterirdisches Gewölbe gestoßen waren.

Sofort fiel ihnen ein verrosteter Stahlträger auf. Doch als sich ihre Augen allmählich an die Dunkelheit gewöhnt hatten, wurden sie einer kleinen Sensation gewahr. Hier unten wuchsen tatsächlich Stalaktiten. Wie dünne Stricke hingen sie von der Gewölbedecke herunter. Unten auf dem Boden wuchsen ihnen dicke Stalagmiten entgegen. Sie sahen aus wie Spargelstangen, die vergessen wurden, zu ernten. Ein faszinierender Anblick. Damit hatten die Bauleute nicht gerechnet.

Die "Tropfsteinhöhle" unter der Mozartallee brachte den Bauablauf seinerzeit gehörig durcheinander. Die Tiefbaufirma geriet mehr als zwei Wochen in Zeitverzug. Und das auf einer sonst viel befahrenen Bundesstraße. Die vollständige Freigabe für den Straßenverkehr verzögerte sich. Ein Statiker musste ran und Vorschläge machen, wie man dieses historische Gewölbe erhalten kann. Am Ende wurde entschieden, den unterirdischen Hohlraum komplett mit flüssigem Beton zu verfüllen.

Wichtiges Relikt der lokalen Historie

Dr. Heiermann hatte vor drei Jahren die mittelalterlichen Mauern schon bearbeitet. Das Gewölbe wurde baugeschichtlich zugeordnet. Heiermann 2017: "Es handelt sich um einen Bogen der Brücke über den Stadtgraben vor dem Meißner Tor und ist somit ein wichtiges erhaltenes Relikt der lokalen Historie."

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Schon 2005 grub das Landesamt an fast der gleichen Stelle. Damals wurde nach Resten des Meißener Stadttores gegraben. "Anderseits wollen wir den gesamten historischen Untergrund an der Klostergasse untersuchen, bevor die Straße grundhaft erneuert wird", sagte damals eine Sprecherin der Archäologie. Sie rechnete nicht damit etwas zu finden. Denn hier sei ja schon vor der Landesgartenschau schon einmal gegraben worden.

Wenn man tiefer als 2005 graben würde, könnte man auf Abschnitte stoßen, die weit vor der bekannten Stadtgeschichte liegen, so die Archäologen.

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Der Sachsenhof zu DDR-Zeiten. 1999 war er durch Brandstiftung von Heranwachsenden ein Opfer der Flammen geworden.
Der Sachsenhof zu DDR-Zeiten. 1999 war er durch Brandstiftung von Heranwachsenden ein Opfer der Flammen geworden. © Brühl/Archiv
Hier gruben 2005 Mitarbeiter des Stadtbauhofes auf dem Gelände des ehemaligen Sachsenhofs nach Resten des Meißner Stadttores.
Hier gruben 2005 Mitarbeiter des Stadtbauhofes auf dem Gelände des ehemaligen Sachsenhofs nach Resten des Meißner Stadttores. © Brühl/Archiv

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