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Razzia in Sacka: Reichsbürger war im Schützenverein

Ein 65-Jähriger soll einschüchternde Mails geschrieben und Polizisten Gewalt angedroht haben. Sein früherer Schützenverein distanziert sich von ihm.

Von Kathrin Krüger
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Hier war es nur Übung: Am Freitag begleitete eine Spezialeinheit des Landeskriminalamtes einen Einsatz in Sacka.
Hier war es nur Übung: Am Freitag begleitete eine Spezialeinheit des Landeskriminalamtes einen Einsatz in Sacka. © Foto Schröter

Sacka. Die Nachricht ging wie ein Lauffeuer durch den Ort Sacka (Gemeinde Thiendorf) - die Polizei ist am Freitag bei einem mutmaßlichen Reichsbürger vorgefahren. Der 65-Jährige soll Lokalpolitiker aus den Landkreisen Meißen und Bautzen bedroht haben. Auch den Beamten drohte der Sackaer laut Polizeiangaben Gewalt an. Daraufhin fand eine richterlich angeordnete Durchsuchung der Wohnung statt. Bei dem Mann wurden eine Langwaffe und drei Pistolen sichergestellt, die der Sackaer legal besaß. Doch seine Waffenbesitzkarte musste der Reichsbürger jetzt zurückgeben.

Nach der Hausdurchsuchung stehen viele Fragen im Raum: Welche Politiker aus den benachbarten Landkreisen soll der Mann bedroht haben? Wie hat er sie bedroht? Schätzt die Polizei den Mann als gefährlich ein? Gehört er tatsächlich einer Reichsbürger-Gruppierung an? Wie ist man auf ihn aufmerksam geworden? Und vor allem: Welche Konsequenzen sind jetzt zu erwarten? Das Landratsamt, das dem Mann die Waffenberechtigung entzogen hat, will sich dazu bislang nicht äußern.

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Bekannt ist aber, dass der 65-Jährige Mitglied im Schützenverein Sacka war. Vorsitzender Christian Schwarz aus Tauscha bestätigt, dass er bei dem Einsatz am Freitag von Amts wegen informiert wurde. Aus Datenschutzgründen könne Schwarz den Namen des Mannes nicht nennen. Er soll aber schon etwa ein halbes Jahr nicht mehr im Schützenverein Sacka aktiv gewesen sein, sondern woanders schießen. Corona habe allerdings den direkten Kontakt zu den Mitgliedern erschwert, so Schwarz.

In Sacka waren bei einem mutmaßlichen Reichsbürger Waffen beschlagnahmt worden.
In Sacka waren bei einem mutmaßlichen Reichsbürger Waffen beschlagnahmt worden. © Kristin Richter

Aus dem Verein wurde er inzwischen ausgeschlossen, da er keine gültige Waffenbesitzkarte mehr besitzt. "Wir halten uns absolut an Recht und Gesetz", sagen Christian Schwarz und auch Alois Langwieser, Ehrenvorsitzender im Sackaer Verein und Kreisschützenmeister. "Der Vorstand hat jetzt allen Mitgliedern nochmal deutlich gemacht, dass im Verein nichts passieren darf, was auch nur den Anschein einer strafrechtlichen Konsequenz hat", heißt es bei den Schützen. Ein schlechtes Licht auf den Schützenverein will man unbedingt vermeiden.

Schwarz will sich zu den Vermutungen bezüglich der Gefährlichkeit des Sackaers nicht äußern. "Da wird noch ermittelt", so der Vereinschef. Der frühere Schützenbruder habe sich, "wenn sich alles bestätigt", selbst ins Abseits gestellt, sagt der Vereinschef. Deutlicher wird Thiendorfs Bürgermeister Dirk Mocker. Der hatte mit seiner Anzeige bei der Polizei den Einsatz in Gang gebracht. Mocker erhielt von dem Reichsbürger zwei einschüchternde E-Mails, ebenso der Bürgermeister von Bautzen. "Darin wurde mir vorgeworfen, kein rechtlich abgesicherter Bürgermeister zu sein und öffentlich zur Corona-Impfung aufzurufen, was nicht stimmt", so Dirk Mocker. Er habe lediglich über Impfmöglichkeiten in der Gemeinde informiert.

Wirklich bedroht fühlte sich der Bürgermeister aber von Formulierungen in der E-Mail, die er öffentlich nicht wiederholen möchte. "Da war eine rote Linie überschritten, das habe ich zur Anzeige gebracht", so Mocker. Die Polizei habe es strafrechtlich prüfen lassen. Nicht zum ersten Mal werde er auf diese Weise verbal angegriffen, so der Thiendorfer Bürgermeister. Das müsse ein Ende haben, das wolle er sich nicht gefallen lassen. Dirk Mocker, der Familienvater ist, fühlte sich damit "übers Normale hinaus" belästigt.

Inwieweit der Einwohner seiner Gemeinde, den auch Dirk Mocker nicht namentlich nennen darf, wirklich gefährlich ist, kann der Bürgermeister nicht einschätzen. "Man kann für niemanden wirklich die Hand ins Feuer legen", sagt Mocker. Er wolle den Anfängen wehren, denn auch anderswo seien schon Lokalpolitiker bedroht worden.

Laut Polizeisprecher Marko Laske wird der Sackaer sich jetzt wegen Bedrohung verantworten müssen. Darauf steht laut Strafgesetzbuch eine Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahre oder eine Geldstrafe. Zu den rechtlichen Konsequenzen gehört auch der Verlust der Waffen. "Sie wurden durch uns sichergestellt, die Waffenbehörde des Landkreises entscheidet, ob der Mann noch geeignet ist, sie zu besitzen", so der Polizeisprecher. Allerdings war der Sackaer vor seinen E-Mails noch nicht polizeilich in Erscheinung getreten und auch bisher nicht als Reichsbürger aufgefallen.