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"Wer nichts gemacht hat, wurde überrollt"

Gurlin Johal hat an der Oberschule Kupferberg die Coronazeit mit dem besten Schulabschluss überstanden. Die beste Stadtschülerin kommt vom Schacht.

Gurlin Johal ist die beste Schulabgängerin der Großenhainer Oberschule Kupferberg in diesem Jahr.
Gurlin Johal ist die beste Schulabgängerin der Großenhainer Oberschule Kupferberg in diesem Jahr. © Kristin Richter

Großenhain. Als Gurlin Johal am Freitagnachmittag im Alberttreff ihr Abschlusszeugnis überreicht bekam, waren ihre indischstämmigen Eltern besonders stolz. Die 16-Jährige ist die beste Schulabgängerin an der Oberschule Kupferberg, ihr Notendurchschnitt von 1,12 kann sich sehen lassen. Nur zwei Zweien stehen dann auf dem Dokument - ansonsten hat sie alles Einsen. Und das trotz der heftigen Corona-Einschränkungen in diesem und im vorigen Schuljahr.

"Ich bin fleißig und ehrgeizig, aber das Homeschooling hat mir nicht gefallen", gibt Gurlin Johal zu. Zwar hat sie sich jeden Tag an den Schreibtisch gezwungen, denn "wer nichts gemacht hat, wurde überrollt". Manche Lehrer boten Videokonferenzen an, andere schickten die Aufgaben über Lernsax. Ab und zu sei sie spät aufgestanden, gibt Gurlin Johal zu. Doch durch ihr Karatetraining ist sie Selbstbeherrschung und Zielstrebigkeit gewöhnt. Viel Eigenverantwortung mussten die Absolventen vor ihren Abschlussprüfungen lernen. Manchmal musste Gurlin aber auch auf ihre beiden Geschwister aufpassen.

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Mit ihrem tollen Schulabschluss kann die Tochter der Betreiber von Luckys Pizza-Service vom Radeburger Platz auch noch das Abitur schaffen - in drei Jahren am Großenhainer Berufsschulzentrum. "Ich will mal was mit Sprachen machen und Reisen", nennt Gurlin ihre Berufswünsche. Neben Englisch und Punjabi - der Muttersprache ihrer Eltern - wählte sie noch Französisch als weitere Fremdsprache für den Unterricht.

Als sie am Freitag zur Feststunde die Dankesrede der Schüler hielt, blickte Gurlin zurück, wie rasch doch die Schulzeit vergangen ist. Zwar konnte kein Abschlussball von der Schule organisiert werden. Doch eine Klassenfahrt nach Hamburg war noch vor dem Lockdown möglich - eine schöne Erinnerung, die bleiben wird, sagt sie.

44 Real- und acht Hauptschüler, von denen drei noch den Zehnklassenabschluss anstreben, hat die Kupferbergschule als Absolventen. "Eine Schülerin erklärte schon vor den Prüfungen, dass sie das Jahr noch mal wiederholen will", so Schulleiterin Manuela Fuchs auf SZ-Nachfrage. Elf Schüler schafften einen Notendurchschnitt unter 2,0. "Das ist ein guter Abschluss, mehr Sorgen machen mir die, die nächstes und übernächstes Jahr die Schule verlassen werden", so Manuela Fuchs. Sie seien durch Corona noch tiefer in Lerndefiziten, die aufgeholt werden müssen.

An der Oberschule Schacht, die in der Remontehalle am Freitagabend die feierliche Zeugnisübergabe hat, sagt der scheidende Schulleiter Axel Hackenberg: "Die Abschlussschüler wurden optimal auf die Prüfungen vorbereitet, da sie mehr Unterricht zur Prüfungsvorbereitung hatten, als sonst üblich." Beste Schülerin mit nur einer Zwei auf dem Zeugnis wurde Nele Grünberg aus der Klasse 10a. Sie ist auch beste Oberschülerin der Stadt Großenhain und erhält die Auszeichnung des Oberbürgermeisters.

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Lilly Partke und Marie Stotzka erreichten mit einem Durchschnitt von 1,3 ebenfalls ein beachtliches Ergebnis, so Hackenberg. 63 Prozent aller Realschüler hätten einen guten bzw. sehr guten Abschluss erreicht. Die übrigen waren befriedigend, kein Realschüler fiel durch die Prüfungen. Bei den Hauptschülern erreicht Sonnhild Herbst den Qualifizierenden Hauptschulabschluss, der ihr den Zugang zur zehnten Klasse ermöglicht. Drei Hauptschüler schafften ihren Abschluss an der Schachtschule nicht. Zehn Schüler wechseln zum Beruflichen Gymnasium.

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