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"Wir kämpfen wie alle in der Branche"

McDonald's und Burger King dürfen derzeit nur Drive-in und Abholservice anbieten. In Thiendorf und Nossen läuft der Laden anders als in Riesa oder Meißen.

Eine McDonald's-Mitarbeiterin übergibt Susanne Herrmann und ihrer Tochter Joana in Thiendorf ein Happy Meal. Das wollen die Großräschener für die jüngere Tochter Kimberly mitnehmen.
Eine McDonald's-Mitarbeiterin übergibt Susanne Herrmann und ihrer Tochter Joana in Thiendorf ein Happy Meal. Das wollen die Großräschener für die jüngere Tochter Kimberly mitnehmen. © Kristin Richter

Thiendorf. Der Spielehersteller Nintendo scheint McDonald's in der Corona-Krise aus der Patsche zu helfen. Das 25. Jubiläum seiner beliebten Pokémon-Sammelkarten lässt seit Donnerstag zahlreiche Kunden zum Fast-Food-Riesen strömen. Die Sammelkarten gibt es jetzt nämlich bis 7. April im Happy Meal. Da mit Ansturm gerechnet wird, haben die Mitarbeiter des Dresdner Franchisenehmers Willy Dany gleich Aushänge gemacht: Nur fünf Stück pro Bestellung. "Wir wollen, dass vielen Kindern ihr Wunsch erfüllt wird und geben deshalb nur in handelsüblichen Mengen ab", so Generalmanager Rainer Schaffrath. Schon vor dem Start hätte es viele Anrufe mit der Bitte um Einzelverkauf gegeben. Das lehnte das Unternehmen ab.

Auch in Thiendorf zieht es an diesem Donnerstag vereinzelt Kunden in das Schnellrestaurant, um so ein Kindermenü zu erstehen. Susanne Herrmann aus Großräschen hat mit ihrer zwölfjährigen Tochter Joana auf dem Weg aus Dresden hier halt gemacht. "Das nehmen wir für unsere achtjährige Kimberly mit", erzählt die überraschte Mutter, die eigentlich nur Kaffee holen wollte. Das Schnellrestaurant an der Autobahn A 13 ist seit dem Corona-Lockdown von 11 bis 20 Uhr lediglich zur Abholung am Terminal bestellter Speisen und Getränke geöffnet. In den McDrive dagegen kann man zwischen 7 und 23 Uhr fahren, am Sonntag erst ab 9 Uhr.

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"Unsere Umsätze sind natürlich stark eingebrochen, seit die Menschen nicht mehr reisen, kaum noch Ausflüge machen und es auch weniger Geschäftskunden gibt, weil viele im Homeoffice arbeiten", sagt Rainer Schaffrath. Seien in den städtischen Filialen Riesa und Meißen die Rückgänge geringer - etwa 30 bis 40 Prozent, sind die Restaurants in Nossen und Thiendorf stärker von der Frequenz an der Autobahn abhängig. "Dort ging der Umsatz um die Hälfte zurück", bilanziert der Generalmanager.

Doch es gibt auch da noch vereinzelte Gäste, vor allem mittags und abends. "Um Staus beim McDrive zu verhindern, haben wir eben den Abholservice eingerichtet." Damit werde der Kundenzustrom insgesamt entzerrt. Dabei sieht sich die Schnellgastronomie wie McDonald's oder auch Burger King während der Lockdowns deutlich im Vorteil gegenüber den klassischen Restaurants. Rainer Schaffrath: "Unser McDrive war immer möglich." Einen weiteren Vorteil erarbeitete sich McDonald's vor Jahren schon selbst mit den anfangs nicht unumstrittenen SB-Terminals. Von 2017 bis 2020 wurden sie in den 25 McDonald's-Filialen des Dresdner Franchiseunternehmens, das bis ins Osterzgebirge reicht, installiert. Seit anderthalb Jahren kann man nun auch in Thiendorf vorauswählen bzw. auch per App vorbestellen.

Und es geht laut Rainer Schaffrath trotz Corona noch weiter bei der Modernisierung. "Wir werden von März bis Juli alle äußeren Menüboards am McDrive digitalisieren." Damit werde die Sprachverständigung bei der Bestellung verbessert. Im Juni starte das auch in den hiesigen Schnellrestaurants. Trotzdem sind die Mitarbeiter bei McDonald's wegen der fehlenden Gäste und Umsätze noch auf Kurzarbeit und in verkürzten Schichten. In Thiendorf sind es derzeit fünf, in normalen Zeiten wären es doppelt so viel und mehr.

Das McDonald's musste seine Sitzbereiche absperren, wer essen will, muss es draußen oder im Auto machen.
Das McDonald's musste seine Sitzbereiche absperren, wer essen will, muss es draußen oder im Auto machen. © Kristin Richter
Schichtleiter Peter Hartmann verweist bei McDonalds Thiendorf auf die SB-Terminals. Sie dienen der Vorbestellung.
Schichtleiter Peter Hartmann verweist bei McDonalds Thiendorf auf die SB-Terminals. Sie dienen der Vorbestellung. © Kristin Richter
Auch der Kinderbereich vor McDonalds darf leider derzeit nicht genutzt werden.
Auch der Kinderbereich vor McDonalds darf leider derzeit nicht genutzt werden. © Kristin Richter
Auch bei Burger King Thiendorf nebenan ist am McDrive teilweise reger Andrang.
Auch bei Burger King Thiendorf nebenan ist am McDrive teilweise reger Andrang. © Kristin Richter
Im Schnellrestaurant ist auch hier der Sitzbereich tabu.
Im Schnellrestaurant ist auch hier der Sitzbereich tabu. © Kristin Richter
Mit neuen Produkten versucht Burger King vor allem seine Stammkundschaft zu halten.
Mit neuen Produkten versucht Burger King vor allem seine Stammkundschaft zu halten. © Kristin Richter

Auch auf dem Parkplatz im benachbarten Burger King Thiendorf sind fremde Kennzeichen auszumachen: Pirna, Nürnberg, Berlin, Elbe-Elster oder sogar Frankfurt/Main. Ein dortiges Ehepaar befindet sich auf der Durchreise und hat Appetit auf den King des Monats. Ralf Wehner aus Königsbrück ist dienstlich unterwegs und lässt sich draußen am Fahrzeug einen Whopper und einen Big King XXL als spätes Mittagsmahl schmecken. "Ich hatte Hunger, sonst hätte ich mir eine Bratwurst geholt", sagt der Mann. "Wir gewinnen derzeit auch Kunden, die sonst nicht zu uns kommen", ist Helmut Brunhuber von der Chemnitzer Food Star GmbH überzeugt. Die ist Franchisenehmer der Burger King Europe mit zwölf so genannten Stores in Sachsen und in Gera.

Brunhuber sagt, dass auch Burger King wie alle in der Branche kämpfen müsse. Ein Standort in Dresden ist beispielsweise ganz geschlossen. "Zwar läuft der Drive-in gut, aber eben an den Standorten unterschiedlich", so der Geschäftsführer. Während Thiendorf seit 2013 schon etabliert ist und viele Stammkunden von der Autobahn zieht, gibt es Burger King in Riesa erst seit zwei Jahren. Das mache sich in der Gästezahl bemerkbar. "Uns fehlen wegen Corona auch ganz stark die Freizeitausflügler", so Brunhuber.

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Burger King ist derzeit von 10 bis 22 Uhr geöffnet. Frühstück wird nicht angeboten. Die Sitzplätze sind auch hier mit Flatterband abgesperrt. Zur Abholung der Speisen und Getränke sollen wegen des Abstands nur bis zu vier Leute in den Store kommen. "Wir nehmen die Pandemie sehr ernst, obwohl sie uns viel abverlangt", sagt Helmut Brunhuber. Die Mitarbeiter müssen täglich mehrfach ihre Maske wechseln. Tausende Euros würden allein für die Masken zusätzlich ausgegeben. Da der Kinderbereich wie auch bei McDonald's geschlossen werden musste, fehlen Familien. Aber einen Großkunden haben sie in Thiendorf: Die Amazon-Fahrer aus dem nahen Verteilzentrum in Lampertswalde. Die scheinen für Burger King eine sichere Bank. Eben wie Pokémon für McDonald's.

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