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"Wir ersticken an ganz anderen Dingen"

Magier Milko Bräuer musste erneut komplett auf null runterfahren. Obwohl er für Verschiedenes kein Verständnis aufbringt, versucht er, die Zeit zu nutzen.

Magier Milko Bräuer versucht trotz aller Aufgebrachtheit, die erneute Künstler-Zwangspause kreativ zu nutzen. Er baut sich eine Tonanlage für Kleinauftritte.
Magier Milko Bräuer versucht trotz aller Aufgebrachtheit, die erneute Künstler-Zwangspause kreativ zu nutzen. Er baut sich eine Tonanlage für Kleinauftritte. © Kristin Richter

Großenhain. Der mächtige Zauberer "Magic Hellorder" fühlt sich wie im Berufsverbot, so wie die ganze Unterhaltungsbranche. Alle kommenden Auftritte in seinem Terminplaner sind rot durchgestrichen: abgesagt. Er konnte nun leider nicht bei der Großenhainer Einkaufsnacht auftreten. Auch die Shows auf dem Weihnachtsmarkt sind abgesagt. "Der letzte große Auftritt war eine Kinderrevue in Bad Frankenhausen Ende September", erzählt Milko Bräuer. Beim langen Einkaufssonnabend in seiner Heimatstadt und bei den Dresdner Kulturinseln im Sommer war er auch zu erleben. Da berichtete MDR 1 Radio Sachsen über ihn. 

Doch das scheint für den Künstler alles schon lange her. Besorgnis und Bedrückung stehen dem Großenhainer ins Gesicht geschrieben. "Das  hier ist wilde Sau", sagt er unumwunden. Weil es so ungeordnet ist. Ihn drückt vor allem die Planungsunsicherheit über den gesperrten November hinaus. Milko Bräuer hat eine Eventfirma und kann nicht einfach mal eine andere Arbeit annehmen. "Das haut finanziell nicht hin." Bis eventuelle Ausgleiche des Bundes ausgezahlt werden, muss er wieder auf seine Rücklagen zurückgreifen. Ohne zu wissen, wie lange sich die Durststrecke diesmal hinzieht. 

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"Ich kann mich nicht mehr orientieren", beschreibt der Zauberer die Lage, die er derzeit mit vielen Freiberuflern teilt. Verschobenes muss erneut verschoben werden. Wann wird es wieder normale Kulturveranstaltungen geben? Milko Bräuer weiß es nicht. Weiß es überhaupt jemand? Der Jahresanfang 2021 wäre sowieso wie alljährlich eine dünne Zeit gewesen. "Deshalb leben die meisten Künstler vom letzten Jahresdrittel", sagt der Großenhainer. Das geht wegen Corona aber dieses Jahr nicht.  

Milko Bräuer hat die Energie, trotzdem etwas Sinnvolles mit sich anzustellen. "Ich lerne jetzt wieder Englisch, dazu war immer wenig Zeit", sagt der Künstler. Außerdem baut er an einer Soundanlage für kleine Auftritte. "Über Jahre habe ich mir Module besorgt, jetzt hab ich die Zeit, es für mich passend aufzubauen", so Milko Bräuer. Mit ferngesteuerter Wiedergabetechnik und Display ist die Anlage auch für Außenauftritte geeignet.

Auf die Straße zieht es ihn auch zum Protestieren. Der Großenhainer hat die "Stumme Künstler"-Aktion in Dresden unterstützt. Und er demonstriert weiter mit, "um es den Politikern bei den verschiedenen Entscheidungen nicht zu leicht zu machen". Was es bedeutet, wenn es um die berufliche und finanzielle Existenz von Selbstständigen geht, können gutbezahlte Beamte nicht wirklich nachfühlen, denkt Milko Bräuer. "Aber wir ehemaligen DDR-Bürger sind sensibel, wenn Ungerechtigkeiten geschehen." 

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Der Künstler liest viel und stellt sich Fragen, die über die aktuelle Lage weit hinausgehen. "Man muss gemeinsam weiterdenken", sagt er in Bezug auf die allgemeinen Finanzen. Dazu wünscht er sich auch eine viel breitere öffentliche Debatte. Milko Bräuer befürchtet, dass die Wirtschaft durch Corona einbrechen könnte. Das würde auch die Kultur mit in den Strudel ziehen. Milko Bräuer hat schon große Shows für namhafte Firmen ausgerichtet. Wird das für ihn künftig noch möglich sein? "Wir ersticken nicht am Coronavirus, sondern vielleicht an ganz anderen Dingen", grübelt der mächtige Zauberer, der mit Unterhaltungs-Täuschung machtlos ist.  

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