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Wird Strom billiger bei Enso-Drewag-Fusion?

Der Großenhainer Stadtrat stimmt mehrheitlich für die Entstehung der neuen Sachsen Energie AG. Doch letzte Zweifel sind nicht ausgeräumt.

Der Energietreff Großenhain in der Klostergasse wird künftig nicht mehr zur Enso, sondern zur Sachsen-Energie AG gehören.
Der Energietreff Großenhain in der Klostergasse wird künftig nicht mehr zur Enso, sondern zur Sachsen-Energie AG gehören. © Kristin Richter

Großenhain/Dresden. Am Dienstag war Gesellschafterversammlung der Kommunalen Beteiligungsgesellschaft KBO. Alle Städte und Gemeinden, die Anteile an der Energie Sachsen Ost (Enso) haben, waren zur Abstimmung über den Zusammenschluss zwischen Enso und der Dresdner Drewag eingeladen. Um sich sein Votum für die Stadt absichern zu lassen, hatte Oberbürgermeister Sven Mißbach noch einen Tag vorher den Großenhainer Stadtrat zur Sondersitzung einberufen. Die Tragweite der Entscheidung war bei der Diskussion spürbar.

Um es vorweg zu nehmen: Großenhain hat sich für den Zusammenschluss eingesetzt. Auch wenn es bei der Abstimmung im Kulturschloss zwei Gegenstimmen und zwei Enthaltungen gab. Mit der Fusion wird der kommunale Energieversorger mächtiger, gewinnt mehr Einfluss, so die Begründung. Die privaten Großkonzerte EON und RWE rücken Richtung Sachsen vor, sagte Oberbürgermeister Sven Mißbach. Dem müssten die Kommunen entgegenwirken.

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Was bedeutet das für Großenhain?

Die Stadt trägt knapp vier Prozent am Stammkapital der KBO, das sind knapp 800.000 Euro. Dafür bekommt sie als bisheriger Anteilseigner jährliche Dividenden von der Enso. Die machten immerhin etwa 2,3 Mio. Euro aus. Die künftigen Ausschüttungen seien "überwiegend vorteilhaft". Zehn Jahre lang gibt es einen Ausgleichsanspruch. Großenhain wird einen festen jährlichen Betrag erhalten, der sogar höher ist als das Geld vor der Fusion. Auch die Gewerbesteuern steigen um rund eine halbe Mio. Euro.

Bis 2030 sei die Entwicklung damit gut abschätzbar, so Stadtrat Falk Terrey (SPD). Doch danach käme auf Großenhain ein "sehr hohes Risiko" zu. Die Anteile der Stadt würden verwässern, am Ende müsse man gar noch Zuschüsse an die Dresdner Verkehrsbetriebe, die zu den Stadtwerken Drewag gehören, mitfinanzieren. Dem widersprach Sven Mißbach allerdings.

Wird künftig gleichberechtigt im ländlichen Raum investiert?

Das ist die große Frage. Alles hängt natürlich am Geld. Erst in fünf Jahren sind Fusionseffekte zu erwarten, haben Gutachten ergeben. Ob sie tatsächlich eintreten, "vermag die KBO nicht zu beurteilen", heißt es. Die neue Sachsen Energie AG könne zwar stärker am Markt bestehen. Und wie es mit der Enso allein weitergeht, ist auch unternehmerisches Risiko bzw. hängt von staatlicher Regulierung ab. Doch an diesem Punkt hat Oberbürgermeister Sven Mißbach noch Bauchschmerzen für den ländlichen Raum. Die Drewag könnte als stärkerer Partner Einfluss auf den ländlichen Raum nehmen. Ein Unternehmenskonzept wurde nicht aufgestellt. Das ist ein Risiko für die Umlandkommunen und ein Nachteil der Fusion. Dennoch wurde der Zusammenschluss von der KBO empfohlen.

Ist eine Preisentwicklung für den Bürger abzusehen?

Darüber wird nicht spekuliert. "Wir haben Minderheitsschutz", sagt zumindest Stadtrat Frank Johne (AfD). Das betrifft den Stimmenanteil der Kommunen gegen grundlegende Veränderungen auf Satzungsebene. Seiner Meinung nach sei Großenhain auch gut beraten, mehr Fläche für Solarenergie anzubieten, auch, um unabhängiger zu werden.

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  • Die Umlandkommunen der KBO haben in der Gesellschafterversammlung mit großer Mehrheit der Fusion von Enso und Drewag zur Sachsen Energie AG zugestimmt.
  • Die Fusion beschert den Kommunen in den ersten zehn Jahren eine garantierte Dividende von 14 Mio. Euro pro Jahr und damit einen deutlichen Mehrertrag.
  • 148 ostsächsischen Umlandgemeinden waren stimmberechtigt.
  • In mehr als 14 Monaten wurde ein umfangreiches Vertragswerk mit der Landeshauptstadt Dresden ausgehandelt.
  • „Wir haben hart und sehr gut zugunsten der KBO-Kommunen verhandelt. Die Ergebnisse geben unseren Gesellschafterkommunen Finanz- und Planungssicherheit über Jahre hinaus. Zukünftig bestimmen wir den energiepolitischen Weg in der Landeshauptstadt und in Ostsachen aktiv mit", so der KBO-Aufsichtsratsvorsitzende und Sebnitzer Oberbürgermeister Mike Ruckh.

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