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Wo sich Jugend für Kupferstiche begeistert

In Blochwitz gestalteten Kinder den Gesellschaftsraum neu. Jetzt mischen sich Dorfansichten mit Ufos und Vogelscheuchen.

Hannah, Lexa, Vincent, Arne, Celina, Anika, Nino und Max vor dem fertigen Panorama-Wandbild.
Hannah, Lexa, Vincent, Arne, Celina, Anika, Nino und Max vor dem fertigen Panorama-Wandbild. © A. Kirschner

Blochwitz. Alle wollen mit dem Pinsel arbeiten. So wird der Graffiti-Workshop mit Künstler Sebastian Bieler im Blochwitzer Dorfgemeinschaftshaus unversehens zum Kunstunterricht. Zwölf Kinder im Alter von neun bis 16 Jahren sind dabei, um den Gesellschaftsraum zu verschönern. Hier wird sonst gefeiert und getagt - doch das Zimmer hatte eine Neugestaltung nötig. Nachdem schon die Erwachsenen malerten und den Raum in warme Grautöne tauchten, waren die Jugendlichen aus mehreren Orten dran.

Anke Kirschner und der Blochwitzer Gesellschaftsverein hatten das Jugendprojekt angeschoben. "Wir wollten etwas für die Jugend tun, denn die Gemeinde bietet nichts an, obwohl der Bevölkerungsrückgang laut letzter Statistik hier 11,4 Prozent beträgt", sagt sie. Ihr Sohn Nino (14) ist schon bei mehreren Graffitiaktionen dabei gewesen. So auch andere Teilnehmer aus Schönfeld oder Adelsdorf. "Ich war erstaunt, wie groß das Interesse der Kinder war und wie akribisch und eifrig sie mitmachten", freut sich Sebastian Bieler. Der Stolz, was Tolles für den Ort zu schaffen, habe sie motiviert. 

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In dem vom Kreisjugendring und vom Kleinprojektefonds des Landkreises geförderten Projekt wurden die Raumgestaltung gemeinsam geplant und die Motive besprochen. "Wir haben uns auf historische Dorfansichten geeinigt, die von Kupferstichen von 1944  übernommen wurden", erklärt der Künstler. Diese Motive wurden "durch den Rechner gejagt und dann Filter drüber gelegt", so dass sie von den Kindern gemalt werden konnten. Mit Bleistift wurden die Umrisse auf der Wand tagelang vorgezeichnet, bevor es mit Farbe losging.

Zusätzlich haben die Blochwitzer aber auch mit Schablonengraffiti gearbeitet, haben ironische eigene Motive eingearbeitet: ein Schweinchen auf einem Traktor, eine Vogelscheuche, gar ein Ufo. Das machte den hochmotivierten Jugendlichen offensichtlich viel Spaß. Doch es war gar nicht so einfach, die Schablonen auszuschneiden, und kostete viel Geduld und die ein oder andere Motivation des Tischnachbarn. Gegenseitig wurden die Entwürfe ausgetauscht und versucht, diese auf der Wand miteinander zu kombinieren. Von 10 bis 15.30 Uhr waren die Kinder täglich in den Ferien im ehemaligen Gasthof, es wurde auch mittags von Helfern gekocht.

Eine zweite Ansicht zeigt die Blochwitzer Kirche. Foto: A. Kirschner
Eine zweite Ansicht zeigt die Blochwitzer Kirche. Foto: A. Kirschner © A. Kirschner
Nino beim Malen an der Wand. Foto: A. Kirschner
Nino beim Malen an der Wand. Foto: A. Kirschner © A. Kirschner
Max und Falko helfen sich gegenseitig beim Sprayen. Foto: A. Kirschner
Max und Falko helfen sich gegenseitig beim Sprayen. Foto: A. Kirschner © A. Kirschner

Nicht selten ging die Tür auf und Dorfbewohner schauten neugierig, was sich in ihrem Dorfgemeinschaftshaus tut. Die Jugendaktion hatte sich herumgesprochen. Das war wohl auch nochmal ein Ansporn für die Teilnehmer, sich große Mühe zu geben. "Die Kids hatten einen extremen Drang nach Eigenverantwortung", bilanziert Sebastian Bieler. Der Künstler wurde immer von zwei weiteren Erwachsenen in der Betreuung des Workshops unterstützt. 

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Zur neuen Wandgestaltung kommen noch moderner Fußboden und neue Gardinen hinzu. Für die Blochwitzer ist dieser Fortschritt auch ein Trostpflaster für die verschobene 800-Jahrfeier. "Eigentlich war der Workshop schon in den Osterferien geplant, aber musste wegen Corona verschoben werden", so Anke Kirschner. Nun endlich könne der Raum auch von Jugendlichen genutzt werden - das 80er-Jahre-Flair ist weg. Anke Kirschner: "Alle sind ein Stückchen näher zusammengerückt und meisterten dieses Projekt mit viel Arbeit und Energie." Und wer weiß, was sich mit dem engagierten Nachwuchs noch so alles schaffen lässt. Der ehemalige Gasthof bietet noch so manche Möglichkeit...

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