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Zu wenig Lehrgänge für Feuerwehrführer

Die Gemeinde Ebersbach beklagt sich über lange Wartelisten bei der Landesfeuerwehrschule. Ist die Kritik berechtigt, wird nach Nase entschieden?

Bei Bränden müssen Einsatzkräfte das Vorgehen koordinieren. Dazu brauchen sie entsprechende Schulung.
Bei Bränden müssen Einsatzkräfte das Vorgehen koordinieren. Dazu brauchen sie entsprechende Schulung. © Brühl/Archiv

Ebersbach. Feuerwehrmann und Gemeinderat Jörg Weitze musste an dieser Stelle raus damit. Als in der Ratssitzung am Donnerstagabend über die neue Ortswehrleitung von Naunhof befunden wurde, brachte er die Rede auf fehlende Lehrgänge für Zug- und Gruppenführer. Die sind für Leute wie Thomas Cholewa und seinen Stellvertreter Steffen Uebigau in Naunhof Voraussetzung, um Verantwortung übernehmen zu können.

Doch laut Gemeinderat Weitze harren die Wehren in der Gemeinde derzeit auf sieben beantragte Zugführer-Lehrgänge. "Die Wartezeit liegt bei vier bis fünf Jahren", moniert Jörg Weitze. Er verlangt, dass Bürgermeister Falk Hentschel beim Landrat "ein Zeichen setzt". Denn immer wieder komme das Problem auf, dass Lehrgänge dringend nötig werden, weil ein Generationswechsel in der Feuerwehr stattfindet: alte Kameraden scheiden aus dem aktiven Dienst aus, junge rücken nach und müssen qualifiziert werden.

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Für Jörg Weitze wäre es das Liebste, wenn alle Lehrgänge innerhalb eines Jahres abgearbeitet werden könnten. "Das ist oft Thema bei Dienstberatungen", sagt er. Doch dann schüttele sich der Kreisbrandmeister, so Weitze, und es werde "nach Nase entschieden". Falk Hentschel schränkt allerdings ein, dass Kameraden auch in Baden-Württemberg zwei bis drei Jahre auf ihren Gruppenführer-Lehrgang warten müssten.

Hat beim Waldbrand schon Rolle gespielt

Gemeindewehrleiter Richard Weiß stellt in der Sitzung in den Raum, dass dieses Problem schon praktische Auswirkungen beim Waldbrand in Freitelsdorf im vorigen Jahr hatte. "Da waren nicht genug eigene Führungskräfte vor Ort, so dass wir auf fremde Hilfe angewiesen waren", sagt Weiß. Nur aller drei Jahre bekäme die Gemeinde einen Lehrgangsplatz. Bei sieben ausstehenden Qualifizierungen macht das eine Wartezeit von 21 Jahren. Damit wollen sich die Ebersbacher nicht zufrieden geben. Zumal in diesem Jahr in den Ortswehrleitungen Neuwahlen anstehen. "Die Qualifikationen stehen im Brandschutzbedarfsplan, aber unsere Handlungsfähigkeit ist eingeschränkt", heißt es im Gemeinderat.

Im Vorjahr hätte der Landkreis insgesamt nur sieben Plätze für Lehrgänge für Führungskräfte zugeteilt bekommen. Das ist bei 28 Gemeinden und 130 Ortswehr sehr wenig. Diese Aussage bestätigt Kreisbrandmeister Ingo Nestler. Doch den Vorwurf der Bevorzugung weist er entschieden zurück. Es werde mit Augenmaß verteilt, so Nestler. "Ja, der Landkreis hat das Fünf- oder Sechsfache an Anmeldungen", sagt er. Der Bedarf sei nicht abzudecken. Es fehlt in Sachsen an Ausbildungskapazität für die ein- bis zweiwöchigen Lehrgänge.

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Doch laut Nestler werde deshalb schon seit Jahren Druck gemacht. Und nun würde sich der Freistaat auch um Besserung bemühen. Die Feuerwehrschule werde erweitert, es wird mehr Lehrpersonal eingestellt. Nestler spricht von 50 zusätzlichen Lehrgangsplätzen, die geschaffen werden. Allerdings werde es immer weiter ein Defizit geben, weil 2020 durch Corona "fast nichts gelaufen ist". Die Gesamtzahl der Lehrgänge ging um ein Drittel zurück. Auch die Feuerwehrschule war geschlossen, dieser Stau sei nicht mehr nachzuholen. Weil der Freistaat also eine Welle vor sich herschiebt, fange der Kreis Ende April wenigstens seine eigene Ausbildung wieder an.

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