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Masern-Impfpflicht - der neue Hingucker

Durch die Aufregung um Corona rückte die seit 1. März geltende Impfpflicht in den Hintergrund. Seit Schuljahresbeginn ist das anders.

Besonderer Hingucker in diesen Tagen: Der gelbe Ausweis, in welchem die Impfung gegen Masern verzeichnet sein muss.
Besonderer Hingucker in diesen Tagen: Der gelbe Ausweis, in welchem die Impfung gegen Masern verzeichnet sein muss. © Foto: Kristin Richter

Großenhain. Da staunten viele Mütter und Väter nicht schlecht. Mit der Einladung zum ersten Elternabend erreichte sie die freundliche Aufforderung, doch an besagtem Datum gleich mal den Impfausweis ihres Nachwuchses mitzubringen. Ein Blick des Klassenlehrers würde genügen und er sollte sich entsprechend den aktuellen gesetzlichen Vorgaben vergewissern, dass Tochter oder Sohn tatsächlich gegen Masern geimpft sind.  

Immerhin: Inmitten der Corona-Pandemie fast unbemerkt war am 1. März die bundesweite Masern-Impfpflicht für Kinder in Kitas und Schulen in Kraft getreten. Auch Pädagogen müssen laut dem Beschluss des Bundestages vom vergangenen November über den Schutz verfügen, denn Deutschland hat sich selbst dazu verpflichtet, die Masern als eine der ansteckendsten Infektionskrankheiten auszurotten. Etwas, das jedoch nur gelingen könne, wenn eine Impfquote von 95 Prozent erreicht werde. Der gesetzliche Hebel dafür ist die Impfpflicht, die nun auch von Kindergärten und Schulen kontrolliert werden soll. 

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Ein Prozedere, das allerdings bereits im Vorfeld für eine Menge Diskussionen sorgte. Leiter von Kindergärten und Schulen befürchteten einen zusätzlichen Berg an Bürokratie oder plagten sich mit der Sorge, Kinder, deren Eltern sich bisher bewusst gegen einen Schutz ausgesprochen hatten, möglicherweise wieder nach Hause schicken zu müssen.

"Bei uns war das alles bisher gar kein Problem", bekennt Silvia Partuscheck. Wie die Leiterin der Zabeltitzer Grundschule erklärt, habe man sich im Elternabend der Erstklässler gleich die Impfausweise vorlegen lassen und alles Notwendige notiert. Nachfolgend sollten nun auch alle anderen Mädchen und Jungen gewissermaßen überprüft werden - ihre Lehrer hätten das bereits hinter sich. "Ich denke, dass es da auch künftig keine Schwierigkeiten geben wird! Der Impfstatus der neuen Schulanfänger wird  bei der Schuluntersuchung durch das Gesundheitsamt erfasst, so dass dann auch sicher bald ein Automatismus gegeben ist", vermutet Silvia Partuschek.

Einer, an den sich alle Beteiligten jetzt wahrscheinlich erstmal rantasten müssen. Demnach betrifft die Masern-Impfpflicht alle Kinder ab einem Jahr, die eine sogenannte Gemeinschaftseinrichtung besuchen. Mädchen und Jungen, die neu in einem Kindergarten oder einer Schule angemeldet werden, müssen sofort den vollständigen Masern-Impfstatus nachweisen. Anders hingegen bei Kindern und Jugendlichen, die die Einrichtungen bereits besuchen. Hier haben die Eltern Zeit bis zum 31. Juli 2021, den Impfnachweis vorzulegen. Und auch ab 1970 geborene Mitarbeiter in Kindergärten, Schulen und Krankenhäusern kommen nicht umhin, sich gegen die extrem ansteckenden Masern impfen zu lassen.  

Wie bisher die Kontrolle in den Großenhainer Kindertagesstätten erfolgt ist, könne man gegenwärtig nicht umfassend einschätzen. Laut Rathaussprecherin Diana Schulze wäre jede Einrichtung selbst darum bemüht, der geltenden Kontrollpflicht nachzukommen. Ob tatsächlich die Befürchtung der Bildungsgewerkschaft GEW eingetreten ist, - sie mahnte eine steigende Arbeitsbelastung der Erzieherinnen aufgrund der notwendigen Information an die Eltern, der Kontrolle der Impfausweise und dem Nachfragen bei fehlendem Schutz an - lasse sich nicht sagen. 

Fest stehe laut Gesundheitsamt in Meißen aber: Die Einrichtungen kontrollierten die Impfausweise auf ausreichenden Masernschutz. Die Überprüfung erfolge einerseits wie in Zabeltitz durch das Vorzeigen des Ausweises. Einige andere Einrichtungen, so Behördensprecherin Anja Schmiedgen-Pietsch, verlangten allerdings den Nachweis als ärztliche Bescheinigung, was hin und wieder Probleme mit sich bringe, da diese von den Praxen in Rechnung gestellt werde.

Gemäß Infektionsschutzgesetz sei der Nachweis in Form von Vorlage durch den Impfausweis indes ausreichend. „Bisher gab es keine größeren Schwierigkeiten! Kinder ohne ausreichenden Impfschutz, die nicht in die Übergangsfrist 31. Juli 2021 fallen, dürfen jedoch nicht in Kindertageseinrichtungen und im Hort betreut werden“, gibt Anja Schmiedgen-Pietsch zu bedenken.

Eine Regelung, an die sich wohl auch gehalten werde. Die ersten Masernschutzimpfungen wären schon vor Beginn des neuen Schuljahres gegeben worden. Kinder, welche nur diese eine kürzlich durchgeführte Impfung nachweisen und das zweite Lebensjahr vollendet hätten, dürften somit mit einer zeitlich befristeten, ärztlich bescheinigten sogenannten Kontraindikation, die Einrichtungen besuchen, bis die zweite Impfung durchgeführt werden kann.

Bis Anfang Oktober würden durch das Gesundheitsamt drei Veranstaltungen zum Erfahrungsaustausch für die Leitungen von Kindertageseinrichtungen und deren Trägern angeboten.

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