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Mit Augenmaß über die Landstraßen

Mario Haser und Carsten Schurig sind als Bürgerpolizisten in den Gemeinden beiderseits der A 13 unterwegs.

Die Bürgerpolizisten Mario Haser (l.) und Carsten Schurig vor ihrer Dienststelle an der Thiendorfer Brüdergemeinde.
Die Bürgerpolizisten Mario Haser (l.) und Carsten Schurig vor ihrer Dienststelle an der Thiendorfer Brüdergemeinde. © Foto: Manfred Müller

Thiendorf.  Sie leisten im Polizeidienst etwa das, was der Hausarzt unter den Medizinern leistet: nah dran sein an den Menschen und mit ihnen auch mal über Probleme reden, die über das rein Dienstliche hinausgehen. Mario Haser (45) und Carsten Schurig (41) sind als Bürgerpolizisten für die Sicherheit in den Gemeinden Thiendorf, Schönfeld und Lampertswalde verantwortlich. 

Den Polizeistandort an der Thiendorfer Brüdergemeinde gibt zwar schon seit vielen Jahren, aber das Bürgerpolizisten-Konzept wurde hier erst im 2013 aus der Taufe gehoben. Zunächst hielten zwei Beamte den Kontakt zu Kommune, öffentlichen Einrichtungen, Firmen und Bürgern. Aber schon bald war es nur noch einer, der Bürgerpolizist Thomas Lehmann, und der ging im vergangenen Frühjahr in den Ruhestand. „Ich wollte wieder zwei Leute hier draußen haben“, erklärt die Großenhainer Revierleiterin Sandra Geithner, in deren Verantwortungsbereich der Polizeistandort Thiendorf liegt. 

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Mario Haser hatte sich bereits 2019 um die vakante Stelle beworben. „Mich reizte das selbstständige Arbeiten“, sagt er. „Eine Sache eigenverantwortlich anpacken und dann auch selbst zu Ende bringen.“ Im Revier laufe das durch den Schichtdienst etwas anders – oft arbeiten mehrere Kollegen das gleiche Problem ab. Nach Thomas Lehmanns Ausscheiden kam im Frühjahr noch Carsten Schurig hinzu. Die Thiendorfer Bürgerpolizisten haben beide den Dienstgrad eines Polizeihauptmeisters, sind verheiratet, Familienväter und wohnen im Landkreis. Beide sind erfahrene Streifenbeamte, die durch ihre Tätigkeit im Großenhainer Revier den neuen Wirkungsbereich schon recht gut kannten.

„Ich habe exakt zu dem Zeitpunkt hier angefangen, als die Schönfelder Ortsdurchfahrt gesperrt wurde“, erzählt Carsten Schurig. In dem darauffolgenden Schleichverkehr-Chaos bekamen die Bürgerpolizisten gleich alle Hände voll zu tun. Das lag vor allem am Internet-Verkehrsleitsystem von Google Maps, das die winzigen Schönfelder Nebenstraßen hartnäckig als Umleitungsstrecke anbot. Die schmale Schulstraße und der Weinbergsweg wurden beliebte Abkürzungen, obwohl dort größere Fahrzeuge gar nicht durchpassen. 

Darüber regten sich die Anwohner natürlich auf. Stand dann aber die Polizei dort, und ein Schönfelder wurde gestoppt, war es auch wieder nicht recht. „Wir haben versucht, das mit Augenmaß zu machen“, sagt Mario Hasert. Den Händlern im Dorf sei die lange Sperrung an die Existenz gegangen, da wären allzu straffe Kontrollen eher kontraproduktiv gewesen. Allerdings waren gelegentlich auch Kollegen aus Großenhain vor Ort, die schon mal härter durchgriffen. Das umso mehr, als ihnen die an ein gewisses Entgegenkommen gewöhnten Schönfelder manchmal pampig kamen.

Insgesamt 180 Quadratkilometer umfasst der Thiendorfer Wirkungsbereich, in dem die Bürgerpolizisten mit ihren beiden Funkwagen unterwegs sind. Auf zwei Dutzend Ortsteile verstreut, leben hier 8.200 Einwohner. Es gibt drei Schulen, doppelt so viele Kitas. Mario Haser und Carsten Schurig arbeiten wochentags in einem versetzten Schichtsystem.

Besonders kriminell geht es in den Dörfern an der Autobahn aber nicht zu. Schon gar nicht unter den Ortsansässigen. Die Zahl der Gewaltdelikte und Einbrüche liegt seit Jahren sehr niedrig – nicht einmal gegen die Corona-Schutzverordnung wird hier in nennenswertem Maße verstoßen. Da bleibt Zeit für die Verkehrserziehung an den Schulen, Fahrradpass-Aktionen, aber auch Kontrollen bei jugendlichen Mopedfahrern, bei denen man manchmal schon etwas genauer hinsehen muss. 

Und auch mal für einen Plausch am Gartenzaun. Eine der Annehmlichkeiten auf dem Lande sei, sagt Carsten Schurig, dass man von den Leuten gegrüßt wird. Kuriose Erlebnisse gibt es hin und wieder auch. „Vor einigen Wochen wurden wir informiert, dass ein nackter Mann durch die Gegend läuft“, erzählt Mario Haser. Der erwies sich bei näherem Hinsehen als Nudisten-Wanderer. Eine etwas gewöhnungsbedürftige, aber keineswegs strafbare Lebensphilosophie. „Also habe ich ihn nach Hause gefahren“, sagt Haser. „Er war ganz nett.“

Die Diensthandynummern sind auf der Website der sächsischen Polizei veröffentlicht, so dass man sie leicht erreichen kann.

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