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Vorsicht: Baustellen-Bande wird dreister

Seit vier Wochen verschwinden zwischen Großenhain und Riesa mehrere tonnenschwere Fahrzeuge. Eins wird gefunden, die meisten sind einfach weg.

Düstere Zeiten für Baustellenbetreiber beziehungsweise Inhaber von Firmen: In der Region um Riesa und Großenhain haben es momentan Diebe auf tonnenschweres Gerät abgesehen.
Düstere Zeiten für Baustellenbetreiber beziehungsweise Inhaber von Firmen: In der Region um Riesa und Großenhain haben es momentan Diebe auf tonnenschweres Gerät abgesehen. © Foto: Kristin Richter

Landkreis. Benny und Kjeld hätten ihre wahre Freude. Was bei den dänischen Ganoven unter geistiger Führung ihres Anführers Egon trotz mehrfacher Versuche nie so recht gelingen wollte, scheint im Großenhainer Land ganz hervorragend zu funktionieren. Denn während die einst so beliebte Olsenbande am Ende jedes scheinbar noch so großen Coups doch immer wieder kläglich scheitert, erweisen sich die Diebesbanden der Neuzeit um einiges cleverer.

Oder wie ist es anders zu erklären, dass seit dem 21. April in der Region tonnenschwere Baufahrzeuge gestohlen werden und sich danach gewissermaßen in Luft auslösen? Was auf der Bundesstraße 101 in Walda-Kleinthiemig mit einem Radlader und einer Rüttelplatte begonnen hatte, führte über einen Bagger in Lampertswalde nach Nünchritz zu einem Teleskoplader und Ende April nach Stauchitz. Bisher unbekannte Täter fanden an einer Baustelle entlang der Bundesstraße 169 Gefallen an zwei Baggerschaufeln.

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Und damit nicht genug! In der vergangenen Woche ging es beinah täglich weiter mit den Hiobsbotschaften in Sachen Baustellenklau. Wurde ein in Stösitz von einer Baufirma entwendeter Radlader erfreulicherweise später in einem Gröditzer Hinterhof wiedergefunden, hatten andere Unternehmen nicht ganz so viel Glück. Der Anhänger nebst Kompaktlader und Bürstenmaschine - entwendet in der Nacht zu Donnerstag nahe der Autobahn A 13 bei Schönfeld - ist seitdem ebenso verschwunden wie ein Radlader aus Großenhain. Auch von einem erst am Wochenende vom verschlossenen Gelände einer Firma in Priestewitz gestohlenen Teleskopradlader fehlt bisher jede Spur.

Eine Serie von Diebstählen, die durchaus Kennern der Materie und überaus professionellen Langfingern zugeschrieben werden kann. Denn ohne selbst in der Szene einschlägig bewandert zu sein, ist klar, dass es nicht nur einer profunden Ortskenntnis bedarf und freilich auch dem Wissen, wo das gewünschte Gerät überhaupt zu finden ist. Wurde das Unternehmen oder die jeweilige Baustelle erstmal ausfindig gemacht, muss das gute, keineswegs unauffällige Stück auch erfolgreich davongefahren werden. Gefährte wie opulente Radlader, die von Haus aus nicht unbedingt über die notwendige Unauffälligkeit verfügen.

Gedanken, die sich gegenwärtig nicht nur betroffene Baufirmen machen dürften. Dass landkreisweit kein umtriebiger Einzeltäter am Werk ist, sondern wohl eher ein perfekt eingespieltes Gespann sein Unwesen treibt, lässt die organisatorische Meisterleistung erahnen. Statt sich genügsam in ein anderes Gebiet von dannen zu machen, haben die Diebe scheinbar Gefallen am bekannten Terrain gefunden und scheuen auch nicht davor zurück, sich auf augenscheinlich gut gesichertes Gelände zu begeben.

Kein Wunder auch: Polizeisprecher Marko Laske hatte bereits im April keinen Hehl daraus gemacht, dass Beschaffungsprofis dieser Art sicherlich nicht auf gut Glück durch die vermeintlich unbekannte Gegend knatterten. Vielmehr würden sich die Diebe gezielt in die Spur begeben, um auszukundschaften und schließlich zu besorgen, was ihre zumeist in osteuropäischen Ländern befindlichen Auftraggeber ganz oben auf die Wunschliste gesetzt hätten.

Gute Anbindung und nicht dicht besiedelt: Region ist beliebt bei Dieben

Und - er hatte recht damit. Wurden im vergangenen Monat sachsenweit 17 derartige Fälle registriert, stammen nicht wenige davon aus dem Bereich Riesa, Großenhain bis hin nach Thiendorf. Kein Zufall, wie am Montag Uwe Hofmann, bestätigt. Wie der Sprecher der Polizeidirektion Dresden erklärt, sei davon auszugehen, dass aufgrund des planvollen Vorgehens eine Bande von Kriminellen am Werk wäre. Das dünner besiedelte, aber momentan sowohl mit Baustellen als auch überhaupt mit Unternehmen, die zur täglichen Arbeit große Maschinen benötigten, geradezu reich gesegnete Territorium, bringe wahrscheinlich alles mit, was im Schutz der Dunkelheit notwendig ist.

Im Vorfeld ausgespäht, würden die Geräte in routinemäßiger Schnelligkeit verladen und angesichts der wiederum guten Anbindung an die Autobahn heimlich, still und unerkannt auf Nimmerwiedersehen verschwinden. "Firmeninhaber, die das kostspielige Erlebnis vermeiden möchten, sollten ihre Maschinen mit Wegfahrsperren sichern, bestenfalls mit GPS, also einem satellitenbasierten Ortungssystem ausstatten und die Betriebe beziehungsweise Baustellen mit Kameras überwachen lassen", rät Uwe Hofmann.

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Vorsichtsmaßnahmen, die endlich auch der Baustellen-Bande jenes ernüchternde Erlebnis bescheren könnten, welches Egon, Benny und Kjeld immer wieder zuteilwurde: Was sich zunächst mächtig gewaltig anfühlte, floppte ganz fürchterlich und wurde bestraft.

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