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Mit freundlichen Grüßen aus Großenhain

OB Sven Mißbach übergab am Montag einen Teil der vor dem Rathaus abgelegten Kinderschuhe an Kultusminister Christian Piwarz. Nicht seine einzige Sonderaufgabe.

Gemeinsam angepackt: Großenhains OB Sven Mißbach und Hausmeister Sven Ludwig packten am Montagmittag fünf Kisten voller Schuhe und schafften diese ins Kultusministerium nach Dresden.
Gemeinsam angepackt: Großenhains OB Sven Mißbach und Hausmeister Sven Ludwig packten am Montagmittag fünf Kisten voller Schuhe und schafften diese ins Kultusministerium nach Dresden. © Foto: Kristin Richter

Großenhain. Manche Dinge sind einfach Chefsache. Erst recht, wenn sie auch Herzensangelegenheit zugleich sind. Und gerade diese Aufgabe wollte der erste Mann im Rathaus der Röderstadt nun unter keinen Umständen wegdelegieren. Gemeinsam mit dem Hausmeister der Verwaltung machte sich Sven Mißbach am Montagmittag tatkräftig ans Werk. Immerhin: Seitdem in den sozialen Netzwerken dazu aufgerufen worden war, als Zeichen des Protests gegen die Schulschließungen Kinderschuhe vor die Amtsstuben zu legen, machten sich die Großenhainer im wahrsten Sinne des Wortes auf die Strümpfe. "Am Sonntagvormittag hatte sich ja schon Einiges angesammelt. Aber nun sind es wirklich Hunderte von Schuhen, Plüschtieren, Plakaten und Zetteln geworden", resümiert Sven Mißbach.

Wie der Oberbürgermeister betont, könne er die Enttäuschung von Kindern und Eltern absolut verstehen. Aus Gesprächen mit städtischen Schulleitern wisse er, dass die Möglichkeit zum Selbsttest der Schüler in der vergangenen Woche gut angenommen worden sei und auch keine positiven Fälle verzeichnet worden wären. Dennoch müssten die Einrichtungen, so wie auch Kindertagesstätten, nach nur wenigen Tagen jetzt wieder schließen. "Das ist auch für mich und meine Amtskollegen nicht nachvollziehbar. Und vor allem bringt es für viele Großenhainer, die bereits schon aus unterschiedlichen Gründen von der Art und Weise der gegenwärtigen Krisenbewältigung ermüdet sind, das Fass zum Überlaufen", vermutet Sven Mißbach. Die Aktion vor den Rathäusern und Verwaltungsgebäuden des Landkreises finde seine volle Unterstützung und dürfe deshalb auch nicht umsonst gewesen sein.

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Da die städtische Verwaltung jedoch der falsche Adressat des Protestes sei, solle ein Teil der Schuhe und Briefe, die sich inzwischen angesammelt hätten, auch tatsächlich dorthin kommen, wo sie eigentlich hingehörten - zur Sächsischen Staatsregierung. In fünf Kisten zusammengepackt, schaffte Sven Mißbach persönlich alles nach Dresden ins Kultusministerium. Im beigefügten Brief an Minister Christian Piwarz heißt es: "Wie das Ministerium in einer Medieninformation am Freitag mitteilte, hatte die erste Auswertung der Selbsttests an den Schulen nur geringe Infektionsraten bei Lehrern und Schülern bestätigt. Bei den weiterführenden Schulen lag die Quote bei den erfassten und ausgewerteten Tests der Schüler sachsenweit bei lediglich 0,12 Prozent."

Statt flächendeckender Schließungen solle man daher besser punktuell reagieren. Wenn getestet werde und ein positiver Test vorliege, könne die betreffende Klasse in Quarantäne geschickt oder eventuell die gesamte Schule beziehungsweise die Kindertageseinrichtung geschlossen werden. "Auf die rein inzidenzwertabhängige pauschale Schließung reagieren die Eltern nachvollziehbar mit Unverständnis und Enttäuschung", berichtet Sven Mißbach. Die Überbringung der Großenhainer Schuhe verknüpfe er gleichzeitig mit der Hoffnung, dass die Sächsische Landesregierung ihre Strategie überdenkt und im Interesse der Kinder, Schüler und Eltern überarbeitet.

Ein Brief, den es letztlich so gar nicht gebraucht hätte. Denn was den Wachschutz im Ministerium zunächst etwas irritiert habe, kann den Behördenchef der Röderstadt nicht aufhalten. Mit ein wenig Glück und dank einer Lücke im Terminkalender erhält er die Möglichkeit, gewissermaßen eine symbolische Kiste mit Großenhainer Kinderschuhen an Christian Piwarz persönlich zu übergeben. "Das war natürlich ein günstiger Umstand, den ich noch einmal dafür genutzt habe, um für eine neue Strategie im Hinblick auf die Öffnung von Kindertagesstätten und Schulen zu werben", so Sven Mißbach.

So wird ein Schuh draus: Hunderte von Kinderschuhen sammelten sich am Wochenende auch vor dem Großenhainer Rathaus an und erinnern auch jetzt noch an die Forderungen der Eltern.
So wird ein Schuh draus: Hunderte von Kinderschuhen sammelten sich am Wochenende auch vor dem Großenhainer Rathaus an und erinnern auch jetzt noch an die Forderungen der Eltern. ©  Foto: Kristin Richter
Am Montag nutzten OB Sven Mißbach (Mitte) und der städtische Wirtschaftsförderer Tom Quenstedt die Gelegenheit, und übergaben einen Teil der Kinderschuhe an Kultusminister Christian Piwarz.
Am Montag nutzten OB Sven Mißbach (Mitte) und der städtische Wirtschaftsförderer Tom Quenstedt die Gelegenheit, und übergaben einen Teil der Kinderschuhe an Kultusminister Christian Piwarz. © Foto: privat

Stadtverwaltung kämpft um Testzentrum

Eine soweit erfolgreiche Mission in der Landeshauptstadt, welche an diesem Tag indes nicht die einzige besondere Aufgabe darstellen soll. Gleich nach seiner Rückkehr aus Dresden seien noch ein paar wichtige Telefonate zu führen, von denen Sven Mißbach nach eigenem Bekunden auch nie gedacht hätte, sie einmal führen zu müssen. Aber in Coronazeiten wie diesen, wäre eben alles möglich und somit auch die Herausforderung, endlich ein eigenes Schnelltestzentrum in die Stadt zu bekommen. "Nachdem immer mehr Arbeitgeber und Branchen auf einen kostenlosen Test einmal pro Woche verweisen, müssen die betreffenden Personen natürlich auch wissen, woher sie diesen bekommen", gibt Sven Mißbach zu bedenken.

Im Gegensatz zu anderen Städten des Landkreises sei es bisher leider noch nicht gelungen, einen dafür notwendigen Betreiber und die Genehmigung der Kassenärztlichen Vereinigung zu erhalten. Allerdings: Während die Zustimmung des Gesundheitsamtes Meißen schon vorliege, schaue es auch sonst nicht so schlecht aus. Soldaten der Bundeswehr, die personell unterstützen könnten, wären ab kommenden Montag verfügbar. Nun bemühe man sich noch intensiv um medizinisches Personal. "Da das DRK, die Johanniter oder die Diakonie bereits mit anderen Aufgaben gebunden sind, werden wir das Testzentrum als Stadt selbst betreiben", verrät Sven Mißbach.

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Wann es in Betrieb genommen wird, werde sich in den nächsten Tagen herausstellen. Bis dahin seien jedoch noch ein paar Absprachen nötig und einiges zu klären. Denn nicht nur im Falle von Kindern und Schülern gelte momentan: manche Dinge sind einfach Chefsache. Erst recht, wenn sie auch Herzensangelegenheit zugleich sind.

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