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Mit Jugendarrest auf Besserung hoffen

Ein Großenhainer muss wegen versuchten Diebstahls für vier Wochen hinter Gitter – sein Anwalt glaubt nicht, dass die Strafe etwas bewirkt.

Der gesprengte Zigarettenautomat an der Bahnhofsstraße in Großenhain am Tag nach der 2020er Neujahrsnacht.
Der gesprengte Zigarettenautomat an der Bahnhofsstraße in Großenhain am Tag nach der 2020er Neujahrsnacht. © Archivfoto: Kristin Richter

Großenhain. Ist es vorstellbar, dass sich jemand an einem aufgesprengten Zigarettenautomaten zu schaffen macht, überall Fingerabdrücke und sogar DNA-Spuren hinterlässt – und nur mal so aus Interesse an der Automatentechnik hineingeschaut hat? Nein, sagt Richterin Monika Müller in einer Berufungsverhandlung vorm Dresdner Landgericht. Da habe es sehr wohl die Absicht gegeben, Geld und/oder Zigaretten mitgehen zu lassen. Das nennt man versuchten Diebstahl, und genau deshalb ist der Großenhainer Ben-Luca M. bereits vom Amtsgericht Riesa verurteilt worden. Angesichts der klaren Kante, die die Richterin zeigt, zieht der Anwalt des 21-Jährigen die Berufung zurück.

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Eigentlich geht es bei der Sache nur um vier Wochen Jugendarrest und die Verpflichtung, an einem Stabilisierungs- und Beschäftigungsprojekt teilzunehmen. Aber Anwalt Kai-Uwe Schwokowski sah im Schuldspruch des Amtsgerichts ein reines Erziehungsurteil und ließ deshalb den Fall vorm Landgericht noch einmal aufrollen. Das bringt für die Justiz einen gewaltigen Aufwand mit sich. Alle Akten müssen nochmals studiert, alle Zeugen erneut gehört werden. Der Staatsanwalt hatte bei Prozessbeginn schon angefragt, ob man sich angesichts der minimalen Strafe nicht die ganze Mühe sparen sollte. Aber wenn jemand alle rechtsstaatlichen Mittel ausschöpfen will, kann man ihm das nicht verweigern.

Was die Angelegenheit interessant macht, sind eher die Begleitumstände und das soziale Umfeld, in dem sich die Tat abspielte. Ursprünglich war der junge Großenhainer verdächtigt worden, den Automaten auch aufgesprengt und ausgeraubt zu haben, und zwar in der Silvesternacht von 2019 auf 2020. Da hatte eine Gruppe von Randalierern eine Schneise der Verwüstung durch Großenhain gezogen.

Schaltkästen, Papierkörbe, Briefkästen und sogar Hundetoiletten wurden mit illegalen polnischen Böllern von erheblicher Sprengkraft zerstört. Am Cottbuser Bahnhof brannte ein Altkleider-Container, auf dem Vorplatz wurden die Scheiben einer Bushaltestelle in Mitleidenschaft gezogen, und sogar der Eingangsbereich des Polizeireviers bekam eine Böllerladung ab. Als die Fingerabdrücke am Zigarettenautomaten einem Täter zugeordnet werden konnten, keimte die Hoffnung auf, der Rowdys habhaft zu werden. Allerdings war der Automat, wie sich beim Amtsgericht herausstellte, offenbar schon Stunden vor dem Zeitpunkt aufgesprengt worden, zu dem sich Ben-Luca M. daran zu schaffen machte.

Der Großenhainer war vom Amtsgericht nach Jugendstrafrecht wegen versuchten Diebstahls verurteilt worden. Richter Herbert Zapf wollte dem Großenhainer mit dem Arrest offenbar noch einmal auf die Sprünge helfen, denn von einer klassischen Kriminellenkarriere ist Ben-Luca M. noch ein Stück entfernt. Er hat zwar Schule und Lehre geschmissen, Drogen und Alkoholprobleme und auch schon mit der Justiz Bekanntschaft gemacht. Aber es ging stets um kleinere Delikte, und man hatte den Eindruck, dass da noch etwas zu retten sei.

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Allerdings lebte der junge Mann bisher in den Tag hinein, und alle Hilfsangebote fruchteten wegen seiner chronischen Unzuverlässigkeit nicht. Auch im Gerichtssaal macht der Großenhainer nicht den besten Eindruck. Er lümmelt auf der Anklagebank, grinst in sich hinein, gibt auf die detaillierten Fragen der Richterin nur einsilbige Antworten. Mit Mitteln der Justiz, sagt Anwalt Schwokowski, sei sein Mandant nicht auf den rechten Weg zu bringen. Nach dem Scheitern der Berufung wird es nun doch noch einmal versucht. Bleibt zu hoffen, dass Ben-Lucas Rechtsbeistand nicht Recht behält.

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