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PLUS Großenhain

Mit Tempo 140 durch die Innenstadt

Ein Großenhainer sitzt wegen einer Wettfahrt unter Alkoholeinfluss auf der Anklagebank – die Beweisführung ist allerdings nicht ganz einfach.

Vorm Amtsgericht musste sich ein Großenhainer verantworten, dem vorgeworfen wird, nachts mit stark überhöhter Geschwindigkeit und unter Alkoholeinfluss durch die Röderstadt gedüst zu sein.
Vorm Amtsgericht musste sich ein Großenhainer verantworten, dem vorgeworfen wird, nachts mit stark überhöhter Geschwindigkeit und unter Alkoholeinfluss durch die Röderstadt gedüst zu sein. © André Braun

Großenhain. Wenn der Beschuldigte von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch macht, folgt meist eine langwierige und mühselige Verhandlung. Das Gericht muss alle verfügbaren Zeugen befragen, um sich ein Bild von den Geschehnissen machen zu können. Wenn einer davon wegen Krankheit nicht erscheinen kann, wird es schwierig. 

So auch im Fall eines Großenhainers, dem vorgeworfen wird, nachts mit stark überhöhter Geschwindigkeit und unter Alkoholeinfluss durch die Röderstadt gedüst zu sein. Die Polizisten, die ihn gestellt zu haben glauben, vermuten sogar, dass hier ein illegales Autorennen stattfand. Mit dem Beweisen aber ist das so eine Sache.

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An einem Juniabend kurz vor Mitternacht wollten zwei Beamte mit ihrem Polizeiauto von Großraschütz kommend links in die Meißner Straße einbiegen. Plötzlich bretterte aus Richtung Priestewitz ein VW an ihnen vorbei – augenscheinlich mit stark überhöhter Geschwindigkeit. Gleich darauf folgte ein zweiter, der es offensichtlich aufs Überholen anlegte. 

Auch die Polizisten gaben Gas, um die beiden Verkehrssünder zu stellen. Der erste war nicht mehr einzuholen, aber den zweiten hatten die Ordnungshüter noch im Blick. Auf Höhe der Katharinengasse, so ist im Protokoll vermerkt, soll der Delinquent 140 Sachen draufgehabt haben. Er raste über die Dresdner Kreuzung auf die Weberallee und war plötzlich verschwunden. 

So schildert es zumindest die Beamtin, die auf dem Beifahrersitz saß. Ihr Kollege aber habe gesehen, dass der Raser plötzlich rechts abbog – auf den Parkplatz gegenüber dem Kulturschloss. Das Polizeiauto folgte ihm und fand einen Mann, der im Dunklen am Steuer eines Volkswagens saß. Nun hatten die Polizisten aber den Wagentyp, die Farbe und einen Teil der Autonummer erkennen können, als das Auto im Ortsteil Zschieschen an ihnen vorbeidüste. Sie waren sich deshalb sicher, den zweiten Raser erwischt zu haben, und so landete der 42-Jährige auf der Anklagebank des Riesaer Amtsgerichts.

Hier aber schweigt der Großenhainer beharrlich. Er lässt durch seinen Anwalt lediglich erklären, dass er nicht gefahren sei. Verständlich, denn bei ihm wurden 0,72 Promille Alkohol im Blut festgestellt. Aber auch nicht sehr wahrscheinlich, denn die Beamtin hatte gleich nach ihrer Ankunft eine Hand auf die Motorhaube gelegt, und die war noch warm.

Nun wäre es theoretisch möglich, dass an diesem Abend jemand anders am Lenkrad saß, der vor der Ankunft des Polizeiautos türmte. Aber zwei Dinge sprechen dagegen. Zum einen hätten ihn die Polizisten sehen müssen, als sie nur Sekunden nach dem  verfolgten Wagen auf den Parkplatz kamen. Oder zumindest hätte die Innenraumbeleuchtung, die immer noch eine Zeit lang nach der Türöffnung brennt, eingeschaltet sein müssen. Zum anderen saß der Angeklagte auf dem Fahrersitz und nicht etwa auf der Beifahrerseite.

Richterin Ingeborg Schäfer kann im Verhandlungsverlauf keine entlastenden Momente erkennen. Das umso weniger, als die beiden Volkswagen Minuten zuvor die Zschieschener Star-Tankstelle durchfahren hatten und dort von der Sicherheitskamera gefilmt wurden. Auch hier sind zwar nicht die kompletten Autonummern zu erkennen, aber genügend Zeichen, um die Aussagen der Polizistin zu bestätigen. Dennoch will das Gericht sicherheitshalber auch deren Kollegen befragen, der wegen einer Erkrankung nicht in den Zeugenstand treten konnte. Deshalb wird für den 10. November ein Folgeverhandlungstermin angesetzt. 

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