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Nach Corona: Hochbetrieb in Gaststätten

Sommerwetter, Sehnsucht nach gutem Essen und Trinken: auch in Großenhain haben die Gastronomen gut zu tun- und suchen Arbeitskräfte.

Stephan Seurig liebt, was er tut: Der Chef des Großenhainer "Bergkeller" bewirtet gern seine Gäste im Sommergarten hinterm Haus und kann es nach eigenem Bekunden mit kompletter Mannschaft tun.
Stephan Seurig liebt, was er tut: Der Chef des Großenhainer "Bergkeller" bewirtet gern seine Gäste im Sommergarten hinterm Haus und kann es nach eigenem Bekunden mit kompletter Mannschaft tun. ©  Foto: Kristin Richter

Großenhain. Seit Juni ist es endlich soweit. Stephan Seurig muss nicht mehr Inzidenzwerte checken, sondern darf tun, was der beliebte Gastronom schon immer gern gemacht hat: Gäste im Großenhainer "Bergkeller" bewirten. Nach der langen Durststrecke inmitten der Pandemie sei er nach eigenem Bekunden sehr froh, dass sich im Haus nun wieder Groß und Klein niederlassen dürfe. Zu den bisher üblichen Zeiten - von Dienstag bis Sonntag ist geöffnet - wären diese sichtlich froh, sich bewirten zu lassen oder ihre familiären Feierlichkeiten nachholen zu können. Jugendweihen, Geburtstage und natürlich Hochzeiten seien an den kommenden Wochenenden geplant. "Glücklicherweise ist auch unsere Mannschaft komplett, so dass wir aus personellen Gründen keinerlei Einschränkungen treffen müssen", erklärt Stephan Seurig. Wie alle anderen Branchenkollegen hoffe er, dass es auch über den Sommer hinaus so positiv weitergehe. Die ersten Reservierungen für Weihnachten legen jedenfalls schon vor.

Nicht ganz so gut verlief der Start im Kulturschloss Großenhain. Der ohnehin angespannte Fachkräftemarkt, so Rathaussprecherin Diana Schulze, bekäme das dortige Restaurant nachhaltig zu spüren. Gegenwärtig könne deshalb – bis auf wenige, bereits geplante Anlässe – zunächst kein Gastronomiebetrieb im Kulturschloss angeboten werden. "Wir bedauern das sehr und ich kann versichern, dass die zuständige Geschäftsführung um Jörg Rietdorf momentan intensiv nach Lösungen sucht! Aber wir bekommen zu spüren, was deutschlandweit zu hören ist. Auf dem Arbeitsmarkt herrscht im Bereich von Service und Küche gähnende Leere", gibt Diana Schulze zu bedenken.

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Ein Fachkräfte-Dilemma, von dem auch Angelika Pietzsch ein Klagelied singen kann. Einerseits könne sich die Geschäftsführerin des Hotels und der Gaststätte Kupferberg, welche in den vergangenen Monaten gemeinsam mit ihrem Bruder Kai-Michael Riepert um die wirtschaftliche Zukunft des Hauses kämpfte, nicht beschweren. Am Wochenende sei man mit Jugendweihen und Familienfeierlichkeiten teilweise nahezu ausgebucht. Touristen hätten das Hotel wieder neu für sich entdeckt, und nicht nur Stammgäste würden das reichhaltige Angebot von Mittagessen und Kaffeetrinken schätzen. Andererseits macht Angelika Pietzsch, die selbst Vorsitzende der Fördergemeinschaft Großenhain aktiv e. V. und Mitglied im sächsischen Fachausschuss für Tourismus ist, keinen Hehl daraus, dass man sich bewusst gegen das Abendgeschäft entscheiden musste. „Wir sind personell noch nicht zu alter Hochform aufgelaufen! Einige Mitarbeiter mussten sich in der Krise etwas anderes suchen und es ist noch nicht wieder möglich, zwei Schichten abzusichern“, erklärt Angelika Pietzsch. Deshalb könne im Moment auch noch nicht jeder Wunsch erfüllt werden. Aber man bemühe sich und könne gut verstehen, wenn sich ehemalige Mitstreiter angesichts der unsicheren, finanziell schwierigen Lage vor ein paar Monaten völlig anders orientiert hätten.

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Ausreichend Zeit für die Orientierung innerhalb der eigenen Reihen hatte auch die Schützenhaus Event Group. Das Unternehmen, zu welchem sich neben dem Schützenhaus, der Mückenschänke im Großenhainer Stadtpark, der Remontehalle, den Aktivitäten im Traumschloss Schönfeld, dem Blockhaus Goltzscha und dem Naturerlebnisbad nun auch mit Zustimmung des Stadtrates die Bewirtschaftung des Zabeltitzer Palais gesellte, setzte auf Modernisierung und die Findung neuer Konzepte. Innerhalb kürzester Zeit, so Geschäftsführer Thomas Krause, habe man die Veranstaltungsräume in Zabeltitz mit neuem Mobiliar bestückt. Alle Häuser wären im Juni wieder hochgefahren worden und angesichts des spürbaren Bedürfnisses der Menschen, sich wieder bewirten und unterhalten zu lassen, sei das Team guter Dinge. Eines, das mit Neuzugängen in Küche und Service personell zum ersten Juli verstärkt worden wäre. Entsprechende Gespräche habe man schon während des Lockdowns geführt, denn klar sei, der Arbeitsmarkt auf diesem Gebiet sei mehr als angespannt. „Die Nachfrage ist groß und wir hoffen jetzt einfach mal sehr, dass im Herbst nicht wieder alles anders kommt!“

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