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Nach Hooligan-Manier die Mutti verteidigt

Ein junger Großenhainer offenbart seine Probleme mit der Impulskontrolle bei einem Fußballspiel ausgerechnet gegenüber der Polizei.

Bei einem Auswärtsspiel der Dresdner Dynamos wurde ein junger Großenhainer handgreiflich: Er habe die Mutti verteidigen wollen.
Bei einem Auswärtsspiel der Dresdner Dynamos wurde ein junger Großenhainer handgreiflich: Er habe die Mutti verteidigen wollen. © Robert Michael

Großenhain. Gerichtsverhandlungen warten manchmal mit Geschichten auf, die man sich nicht besser hätte ausdenken können. Da sitzt ein Fußballfan auf der Anklagebank, weil er einem Polizisten einen Karatetritt vor die Brust verpasst hat. Eine Tat, die eines hartgesottenen Hooligans würdig ist.

Und was führt der junge Mann zu seiner Verteidigung an? Er habe seine Mutti schützen wollen, der zuvor von dem Ordnungshüter ein Stoß in den Rücken versetzt worden sei. Das alles ist schon im Dezember 2018 passiert – bei einem Auswärtsspiel der Dresdner Dynamos im Hamburger Millerntor-Stadion. Dass die Verhandlung überhaupt vorm Riesaer Amtsgericht stattfindet, hat mit weiteren Anklagepunkten zu tun, in denen dem Großenhainer Beleidigungen und Belästigungen gegenüber Frauen vorgeworfen werden.

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Die Mutter des 22-Jährigen – nennen wir ihn Adrian – ist tatsächlich Fußballanhängerin und nach eigener Aussage auch mit beim Sankt-Pauli-Spiel gewesen. Sie bestätigt, von hinten einen Stoß erhalten zu haben. Ob nun von einem Polizeibeamten oder vielleicht doch von einem anderen Fan – da ist sie sich nicht so sicher. Na ja, eigentlich seien hinter ihr nur Polizisten gelaufen.

Die beiden beteiligten Ordnungshüter, die zur Zeugenbefragung extra aus Hamburg angereist sind, schildern die Situation etwas anders. Sie seien wegen Ausschreitungen der Dynamofans in das Areal unterhalb der Gästetribüne beordert worden. Dort hätten sie sich vor die Imbiss- und Verkaufsstände gestellt, um das Personal zu schützen und Sachbeschädigungen zu verhindern. Dann seien sie aus aggressiven Fangruppen heraus attackiert worden. Die beiden Beamten, die jeweils Tritte vor die Brust bekommen haben, können allerdings den Angeklagten nicht eindeutig als Täter identifizieren. Einer von ihnen will bei dem Mann, der ihn attackierte, einen Ohr-Tunnel gesehen haben. Ein solcher oder wenigstens Spuren davon sind bei Adrian allerdings nicht zu erkennen.

Immerhin: Eine der Attacken hat der Angeklagte selbst eingeräumt. Die zweite streitet er ab. Auch zu Fragen, die ihn in ein schlechtes Licht setzen könnten, will er sich nicht äußern. Ob er zu den Ultras der Dynamo-Fanszene gehöre? Keine Antwort. Ob er eine gelb-schwarze Sturmhaube getragen habe? Keine Antwort. Bei Dingen, von denen er glaubt, dass sie ihn entlasten könnten, ist der gelernte Speditionskaufmann dafür umso gesprächiger. Er versucht, seine Aggressivität damit zu begründen, dass die Polizei bei ihrem Einsatz Pfefferspray verwendete. Ein Kumpel habe jede Menge davon abbekommen. Da sei die Stimmung natürlich aufgeheizt gewesen.

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Ein Großenhainer fühlt sich von mehreren Frauen abgewiesen und landet nach verbalen Ausrastern und Belästigungen auf der Anklagebank.

Es ist nicht nur die unklare Faktenlage in Bezug auf die zweite Tritt-Attacke, die Richter Mirko Oertel veranlasst, weitere Zeugen einzubestellen. Auch bei den anderen Anklagepunkten gibt es Klärungsbedarf. Dem Gericht liegen zwar Dutzende von Kurznachrichten vor, in denen Adrian junge Frauen, die ihn abwiesen, eindeutig beleidigt, belästigt und bedroht hat. Aber der Großenhainer bestreitet, körperlich übergriffig geworden zu sein, wie ihm zumindest in einem Fall zur Last gelegt wird. Deshalb werden nun die drei Betroffenen, die entsprechende Vorfälle angezeigt haben, in den Zeugenstand gerufen. Eigentlich, sagt Richter Oertel, habe das Gericht den Frauen diesen Gang ersparen wollen. Die Fortsetzungsverhandlung ist für Anfang September avisiert.

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