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Chinesische Methoden im Kieswerk?

Nachdem sich Geschäftsführer Thomas Gruschka zur Erweiterung in Würschnitz äußerte, melden sich nun die Naturschützer zu Wort. Und zwar deutlich.

Imposant und sehr umstritten: Die Erweiterung des Kieswerkes Ottendorf-Okrilla erhitzt seit vielen Jahren die Gemüter von Anwohnern, aber vor allem Umwelt- und Naturverbänden.
Imposant und sehr umstritten: Die Erweiterung des Kieswerkes Ottendorf-Okrilla erhitzt seit vielen Jahren die Gemüter von Anwohnern, aber vor allem Umwelt- und Naturverbänden. © Archiv: Kristin Richter

Ottendorf-Okrilla/Würschnitz. Eine Marketingabteilung oder auch der sympathische Betreiber eines lukrativen Wirtschaftsunternehmens hätten den getroffenen Aussagen vielleicht Glauben geschenkt. Elisabeth Lesche sieht die Angelegenheit indes immer noch als das an, was sie ihrer Auffassung nach ist. 

Auch nach der Lektüre des ausführlichen SZ-Gesprächs mit dem Geschäftsführer des Kieswerkes Ottendorf-Okrilla Thomas Gruschka am vergangenen Samstag, ist sich die deutschlandweit agierende Landschaftsplanerin sicher, es solle von allen Verantwortlichen weiterhin ein Problem totgeschwiegen werden, was als solches bereits seit Ende der 1990er Jahre von zahlreichen Naturschutzvereinigungen thematisiert wird.

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Im Gegensatz zu den Äußerungen, in denen der studierte Bergmann versicherte, die Erweiterung des Areals Würschnitz-West werde in jedem Punkt die strengen Vorgaben der Umwelt- und Genehmigungsbehörden erfüllen, schaue die Realität gänzlich anders aus. "Ich habe in 20 Jahren Berufserfahrung noch niemals erlebt, dass im Vorfeld eines solchen sensiblen Vorhabens derart unprofessionell und fehlerhaft vorgegangen worden ist", sagt Elisabeth Lesche. 

In ihrer Eigenschaft als Landschaftsarchitektin sei sie von der nach ihrem Empfinden an den Tag gelegten Unverfrorenheit aller Beteiligten bestürzt. Derartiges habe sie seinerzeit nur bei den Planungen für die Olympischen Spiele 2008 in Peking erlebt. "An diesem Projekt habe ich selbst wochenlang mitgearbeitet und musste dabei zusehen, wie ganze Dörfer und Flächen, gerade so wie es staatlicherseits benötigt worden ist, dem Erdboden gleichgemacht worden sind. Aber das war in China und nun ist es um so schlimmer für mich, ähnliches hier in meiner Heimat Sachsen erleben zu müssen", bekennt Elisabeth Lesche.

Zahlreiche streng geschützte Arten

Die Liste all der Punkte, welche ihrer Meinung nach einer differenzierteren fachlichen Darstellung oder im Hinblick auf die Aussagen der Kieswerker gar einer Richtigstellung bedürfen, ist lang. Demnach sei es beispielsweise normal, dass in einem Gebiet, in dem wie in Würschnitz beabsichtigt werde, Wald zu roden, bereits Jahre vorher über mehrere Vegetationsperioden hinweg der Artenbestand erfasst würde. Das sei im betreffenden Fall nicht geschehen.

"In denen zur Rodung vorgesehenen Gebieten leben zahlreiche streng geschützte Arten. Diese sind wohlweislich niemals erfasst oder im sogenannten Rahmenbetriebsplan berücksichtigt worden, was einen Straftatbestand nach Paragraph 44 Bundesnaturschutzgesetz billigend in Kauf nimmt. Stattdessen berufen sich das Kieswerk und das Oberbergamt auf eine Genehmigung aus dem Jahr 1999, sprich aus dem vergangenen Jahrtausend", bemängelt Elisabeth Lesche.

Die Architektin mit Büros in Berlin und München ist mit ihrer massiven Kritik nicht allein. Wie die Fachgruppe Ornithologie Großdittmannsdorf in einer mehrseitigen Stellungnahme erinnert, betrachteten alle sächsischen Naturschutzvereinigungen die Planungen zum Kiesabbau in Würschnitz-West als unvereinbar mit dem Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen. 

Die Unterlagen des Unternehmens seien oft mangelhaft und viele Gefährdungen von geschützten Arten und Biotopen würden erst durch den Naturschutzbund (Nabu) oder besorgte und wachsame Bürger thematisiert - nicht durch das eigentlich zuständige Oberbergamt. Anliegen bliebe es deshalb, so Fachgruppenleiter Matthias Schrack, gemeinsam mit den zuständigen Behörden, Parteien und der Wirtschaft die unersetzbaren und nicht ausgleichbaren Landschaften im Spannungsfeld des Kiesabbaus zu erhalten.

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Massiver Vorwurf ganz aktuell: Laut der Naturschützer werde - entgegen den Aussagen der Kieswerker im SZ-Interview vom vergangenen Wochenende - in den nächsten Tagen sehr wohl eine Bandanlage im Wald gebaut. Eine Information, die Thomas Gruschka am Donnerstagnachmittag kategorisch gegenüber der Sächsischen Zeitung verneint. In einer Mail an die Redaktion heißt es: "In den nächsten Tagen wird keine Bandanlage gebaut! Zunächst sind entsprechende Vorbereitungen - beispielsweise am Untergrund -  erforderlich, so dass mit der Errichtung der Bandanlage etwa ab März/April 2021 begonnen wird." Unter Anlage sei in diesem Fall ein Förderband zu verstehen. 

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