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Die große Aussprache im Großenhainer Stadtrat

Nachdem zwei Fraktionen auf die Schließung der Sportstätten in der vergangenen Woche mit ihrem Fernbleiben reagierten, wurde nun Klartext geredet.

Von Catharina Karlshaus
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Wenn das kein erfreulicher Anblick ist: Im Gegensatz zum vergangenen Mittwoch waren zur Sondersitzung am Dienstagabend zahlreiche Großenhainer Stadträte erschienen.
Wenn das kein erfreulicher Anblick ist: Im Gegensatz zum vergangenen Mittwoch waren zur Sondersitzung am Dienstagabend zahlreiche Großenhainer Stadträte erschienen. © Karlshaus

Großenhain. Oma hätte es sicherlich besser gewusst. Aber nicht nur Oma wäre angesichts der eilig einberufenen sechsten Sondersitzung des Großenhainer Stadtrates am Dienstagabend nachdrücklich daran erinnert worden, dass doch im Zweifelsfall die entscheidenden Dinge lieber heute besorgt werden, als unnötig auf morgen aufzuschieben. Schon gar nicht in Zeiten wie diesen und erst recht nicht in einem Gremium, was letztlich schon mehrfach bewiesen hat, dass ein sachlicher Umgang miteinander möglich ist.

Zur Erinnerung: Am vergangenen Mittwoch musste die planmäßig einberufene 20. Sitzung nach nur anderthalb Minuten geschlossen werden. Trotz proppenvoller Tagesordnung waren die Reihen der sonst 22 Räte merklich gelichtet. Gut 14 Mitglieder aus Gemeinsam für Großenhain, der Alternativen für Deutschland (AfD) und Wir in Großenhain hatten bereits am Anfang der Woche in einem öffentlichen Brief angekündigt, der Beratung fernbleiben zu wollen.

Als Anlass war die vorübergehende Schließung aller städtischer Sportstätten aufgrund der pandemischen Lage durch Oberbürgermeister Sven Mißbach (parteilos) am 18. November angegeben. Auch wenn dieser die Entscheidung wegen der neu gefassten Corona-Notverordnung - sie gestattet ausdrücklich den Amateursport für Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre - am 23. November nach rechtlicher Prüfung wieder zurückgenommen hatte, glänzten die zwei Fraktionen durch Abwesenheit.

Sehr zum Missfallen der erschienenen Stadträte. Immerhin nehme man diese wichtige Aufgabe im Ehrenamt und damit in der Freizeit wahr, so Michael Preibisch. Wie der CDU-Fraktionsvorsitzende am Dienstag betonte, könne er sogar einige Bedenken der Ratskollegen hinsichtlich der plötzlichen Schließung nachvollziehen. Aber seinen Mitstreitern erschließe sich nicht, weshalb man über die offensichtlich strittige Angelegenheit nicht am vergangenen Mittwoch sprechen konnte. "Wir hätten es gut gefunden, wenn die letzte Ratssitzung dazu genutzt worden wäre", bekannte Preibisch.

Er und alle übrigen Anwesenden hörten nun gut eine Woche später, was Gemeinsam für Großenhain in Ermangelung des persönlichen Erscheinens ihres Fraktionsvorsitzenden und des ehrenamtlichen Stellvertreters des Oberbürgermeisters Mario Gieb aus dienstlichen Gründen in Schriftform vorbereitet hatten. Ebenso wie Sebastian Bieler von Wir in Großenhain wurde nochmals die plötzliche Schließung der Sportstätten kritisiert. Angesichts dessen, dass besonders Kinder und Jugendliche nachweislich Leidtragende der Coronakrise mit all ihren Einschränkungen wären, sei die Betätigung im sportlichen Umfeld gesundheitlich, psychisch und körperlich unverzichtbar. Angesichts der schwerwiegenden Entscheidung und des überaus sensiblen Themas hätte man sich so wie auch bei der Absage des Weihnachtsmarktes eine gemeinsame Entscheidungsfindung von Verwaltung und Stadtrat gewünscht. Stattdessen habe nicht nur die Schließung selbst, sondern maßgeblich der Alleingang des Oberbürgermeisters für großen Verdruss gesorgt.

Einer, der nochmals seine Beweggründe für die Entscheidung darlegte. Angesichts der stetig steigenden Infektionszahlen auch in und um Großenhain sowie der Rückmeldung zahlreicher städtischer Vereine, dass sie nicht in der Lage seien, alle Hygienevorschriften in der gebotenen Weise einzuhalten, wäre der Gedanke einer Schließung gereift. In Abstimmung mit den Geschäftsbereichen Stadtkultur und Ordnung, der Kämmerei und nicht zuletzt seinem unmittelbaren Stellvertreter, Stadtbaudirektor Tilo Hönicke, habe er getan, was die Sächsische Gemeindeordnung ihm auch in dringenden Fällen zubillige - kurzfristig ohne Einbeziehung des Stadtrates zu handeln. "Aus heutiger Sicht räume ich das gern als einen Fehler meinerseits ein! Aber ich halte die Entscheidung selbst nach wie vor für richtig und habe darüber auch Herrn Gieb in seiner Eigenschaft als ehrenamtlichen Stellvertreter im Vorfeld telefonisch informiert", erklärte Sven Mißbach. Eine Rückmeldung zum Thema habe es allerdings bisher nicht dazu gegeben.

Wohl aber eine nachhaltige Wortmeldung von Tilo Hönicke am Dienstagabend. In seiner Eigenschaft als langjähriger Mitarbeiter der Verwaltung und nicht zuletzt engagierter Vertreter des Sports erinnerte er nicht nur eindrücklich an die Verantwortung des Gremiums in diesen schwierigen Zeiten. Vor allem untermauerte er noch einmal die Entscheidung zur Schließung. Nicht nur der Vorstand der Handballer habe sich an die Verwaltung gewandt. Auch Motor Großenhain, die Judokas und andere mehr hätten mit Briefen und Mails auf die schwierige Lage aufmerksam gemacht und um verantwortungsvolles Handeln zugunsten der Vereinsmitglieder gebeten. "Wir wollen alle heil aus dieser Situation herauskommen! Und als Verwaltung haben wir nun mal als Eigentümer der Sportstätten dafür Sorge zu tragen, dass die gegenwärtig geforderten Rahmenbedingungen eingehalten werden", erinnerte Tilo Hönicke. Vereinsvorstände und Trainer würden es nicht allein schaffen, notwendige Abstände und Kontaktverzicht durchzusetzen. Dafür bräuchte es Unterstützung und Rückhalt der Stadtverwaltung.

Fazit am Schluss aller Beteiligten: Es sei gut gewesen, sich sachlich auszutauschen und auf dieser Grundlage weiter zusammenzuarbeiten. Etwas, wozu Oma wohl schon am vergangenen Mittwoch geraten hätte.