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Auf einen Kaffee im Protestcamp

Gäste sind bei den Heidebogen-Waldbesetzern immer willkommen – ebenso gespendetes Baumaterial, Werkzeug und Verpflegung.

Das Heibo-Protestcamp in der Laußnitzer Heide bei Würschnitz. Die jugendlichen Aktivisten protestieren gegen die Erweiterung des Kiesabbaus in der Region und der damit verbundenen Abholzung des Waldes.
Das Heibo-Protestcamp in der Laußnitzer Heide bei Würschnitz. Die jugendlichen Aktivisten protestieren gegen die Erweiterung des Kiesabbaus in der Region und der damit verbundenen Abholzung des Waldes. © Norbert Millauer

Würschnitz. Wann immer jemand die improvisierte Pforte zum Heibo-Camp bei Würschnitz passiert – er wird freundlich empfangen. Nette Besucher seien ausdrücklich willkommen, haben die Waldbesetzer auf ein Schild gepinselt. In den vergangenen Tagen hat es viel geregnet. „Das war schon eine harte Zeit“, sagt ein junger Schlaks mit dem Decknamen Ikarus. „Wir konnten keine neuen Baumhäuser bauen, sondern mussten erst mal die vorhandenen regendicht machen.“

Ein halbes Dutzend Plattformen sind bereits an den Kiefern hinter dem Kiestagebau „Würschnitz 1“ befestigt. Es sollen noch mehr werden. Jeder, der seinen Protest gegen die beabsichtigte Abholzung mit einem Baumhaus artikulieren möchte, kann das hier tun. Er oder sie bekommt dabei Unterstützung von den Leuten, die bereits Erfahrungen mit der Errichtung solcher Holzbauten gesammelt haben.

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Nägel und Schrauben – überhaupt alles, was die Bäume schädigen könnte – ist hier tabu. Die Plattformen werden nur mit Seilen im Geäst befestigt. Vor dem Küchenzelt ist eine Wunschliste angebracht, die sich an potenzielle Spender wendet. Neben Baumaterial und Werkzeug werden Kanister gebraucht, Fahrräder und Solarmodule. Gleich daneben sind die Fahrzeiten der öffentlichen Verkehrsmittel angepinnt.

Es gibt im Protestcamp offenbar keine Dauerbesatzung – bei jedem Besuch trifft man neue Leute an. „Willst du einen Kaffee?“ fragt eine junge Frau, die sich Rufus nennt. Unter einer Zeltplane steht eine alte Couch, auf der man bequem und trocken sitzen kann. Es sei nichts Neues für sie, im Wald zu campieren, erklärt Rufus. In Deutschland gibt es aktuell an die 30 Waldbesetzungen – gegen Braunkohletagebaue, neue Autobahnpisten oder einfach gegen die Fällung markanter Bäume. Die Aktivisten stehen über soziale Netzwerke miteinander in Verbindung. „Die Bautechniken, die wir hier anwenden“, sagt ein junger Mann namens Echo, „beruhen auf Erfahrungen aus anderen Besetzungen.“

Zwischen Würschnitz und Ottendorf-Okrilla geht es darum, die Abholzung von Wald wegen des Kiesabbaus zu verhindern. Das Ottendorfer Kieswerk plant hier den Aufschluss eines neuen Tagebaus. Naturschützer fürchten seit Jahren, dass dadurch die ökologisch wertvollen Niedermoore bei Großdittmannsdorf in Mitleidenschaft gezogen werden. Sie fordern ein unabhängiges, nicht vom Unternehmen in Auftrag gegebenes hydrogeologisches Gutachten. Das hat das Freiberger Oberbergamt bisher zu verhindern gewusst. „Aber nun sind wir hier“, sagt Echo. „Da dürfte es nicht mehr so leicht werden, solche Dinge unter den Teppich zu kehren.“

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Die jungen Leute verstehen sich dabei nicht nur als Aktivisten in Sachen Natur und Klima. Sie wollen auch mit der ortsansässigen Bevölkerung ins Gespräch kommen, die unter dem Kiesabbau zu leiden hat. „Am vorvorigen Wochenende hatten wir die Bewohner der umliegenden Dörfer hierher eingeladen“, erzählt Rufus. „Das klappte richtig gut.“ Viele junge, aber auch ältere Dörfler seien gekommen, hätten sogar Kaffee und Kuchen mitgebracht. Am vorigen Wochenende wanderten dann bereits etliche Gäste ohne gesonderte Einladung ins Camp. Die Leute seien herumspaziert, erzählt Echo, die Kinder durften kleine Kletterübungen machen. Die Stimmung sei richtig ausgelassen gewesen. Das liegt sicher auch daran, dass die Aktivisten besonders im nahegelegenen Würschnitz offene Türen einrennen. Dort gibt es eine Bürgerinitiative, die schon seit langem gegen die Kiesabbaupläne opponiert. Für den kommenden Sonntag hat sich ein ortansässiger Naturschützer bereiterklärt, mit den Heibo-Leuten eine Runde durch den Wald zu gehen und ihnen im Detail zu erklären, was dort alles schützens- und erhaltenswert ist.

Rufus (l.) und Echo vom Heibo-Protestcamp: Es sei nichts Neues für sie, im Wald zu campieren, sagen sie.
Rufus (l.) und Echo vom Heibo-Protestcamp: Es sei nichts Neues für sie, im Wald zu campieren, sagen sie. © Norbert Millauer

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