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Noch kein Großinvestor in Sicht

Was seit 2013 die Gemüter der Großenhainer bewegte, ist noch nicht über die Planungsphase hinausgekommen - das Industriegebiet im Norden.

Zwei, die nicht zum ersten Mal beieinander stehen. Großenhains Oberbürgermeister Sven Mißbach mit seinem ehemaligen Zeithainer Amtskollegen und jetzigem Landrat Ralf Hänsel auf dem Flugplatz.
Zwei, die nicht zum ersten Mal beieinander stehen. Großenhains Oberbürgermeister Sven Mißbach mit seinem ehemaligen Zeithainer Amtskollegen und jetzigem Landrat Ralf Hänsel auf dem Flugplatz. ©  Foto: Kristin Richter

Großenhain. Sie ist für ihn keine Unbekannte. Ganz im Gegenteil! Denn sie bringt mit, wovon andere im Landkreis Meißen nur träumen können. Schließlich kann nicht jede Stadt in der Region von sich behaupten, etwas hervorgebracht zu haben, was ihm ganz besonders am Herzen liegt. Landrat Ralf Hänsel macht an diesem Mittwoch keinen Hehl daraus, dass es eigentlich nicht dieses ersten offiziellen Besuches von Großenhain bedurfte, um die Qualitäten der Stadt im Grünen schätzen zu lernen. Abgesehen davon, dass er sich aufgrund seiner früheren Tätigkeiten innerhalb der Behörde bereits hinreichend mit ihr bekanntgemacht habe. Über Jahre hinweg die konsequente Sanierung und Entwicklung der Innenstadt mit verfolgte und gewissermaßen selbst zu spüren bekommen hätte, wie gern die Menschen im Einklang zwischen Tradition und Moderne lebten. Nein! Großenhain sei die Geburtsstadt seiner Frau. Hier wohnten die Schwiegereltern, hier habe er gearbeitet, hier kenne er sich gut aus.

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Dass er an diesem Vormittag gemeinsam mit seinem ehemaligen Bürgermeisterkollegen Sven Mißbach die Stufen auf den Tower des Flugplatzes hochstapfen darf, ist aber auch für den einstigen Zeithainer Verwaltungschef etwas Besonderes. In seiner Eigenschaft als neuer Landrat hat er bereits zahlreiche Gemeinden und Städte besucht. Dieser Abstecher ist jedoch auch wieder etwas Einzigartiges. Auch wenn es oben angekommen schließlich mächtig stürmt und regnet. Der Blick ist frei auf jenes Areal, was Großenhain spätestens seit Oktober 2013 über die Grenzen des Freistaates hinaus bekannt machte. Mit fast 150 Hektar als größte zusammenhängende Industriefläche Sachsens gehandelt, soll sie in spätestens fünf Jahren als begehrtes Filetstück für international agierende Investoren zur Verfügung stehen.

Zu sehen ist an diesem düsteren Februartag von all den zukunftsträchtigen Plänen noch nichts. Kaum verwunderlich indes für Sven Mißbach, der nach eigenem Bekunden bei seiner Amtsübernahme 2016 immer wieder gestaunt hätte, wie schnell doch alles laut den ambitionierten Plänen der Wirtschaftsförderung Sachsen gehen soll. Nun, fünf Jahre später, sei wohl allen Beteiligten klar, es brauche viel Geduld und noch mehr Initiativen, bevor an diesem Standort tatsächlich ein Großinvestor loslegen könne. Zu groß sei der Umfang der noch zu beseitigenden Altlasten, für deren Beseitigung der Freistaat schließlich allein schlappe 21 Millionen Euro in die Bodensanierung investiere. "Bis 2023 soll sie abgeschlossen sein. Danach folgt nach jetzigem Stand der Dinge die Grundwasserreinigung, die auch nochmal gut drei Jahre in Anspruch nehmen wird", gibt Sven Mißbach zu bedenken und runzelt die Stirn.

Eine lange Zeit, die deutlich mache, dass die im Höchstfall drei anzusiedelnden Firmen im Bereich produzierendes Gewerbe - so argumentierte zumindest bisher immer der Freistaat - noch auf sich warten lassen. Und ob sie letztlich wirklich kämen, hänge sicherlich vom Engagement und der Zusammenarbeit aller Beteiligten ab - so viel ist sich Großenhains Oberbürgermeister schon mal sicher. Wirtschaftsminister Martin Dulig sei bisher jedenfalls noch nicht vor Ort gewesen, was jedoch keineswegs als schlechtes Omen bewertet werden solle. "Aus meiner eigenen Erfahrung kann ich sagen, dass Herr Mißbach aber absolut richtig liegt! Eine Ansiedlung in diesen Größenordnungen kann keine Kommune im Landkreis allein stemmen", betont Ralf Hänsel. Es brauche dazu die organisatorische und finanzielle Unterstützung der Staatsregierung. Ohne die laufe in derlei Fällen nun mal nichts.

Ein Landrat, der sehr genau weiß, wovon er spricht. Nach monatelangen Bemühungen waren im April 2018 die Ansiedlungspläne im Industriegebiet Zeithain geplatzt und Ralf Hänsel resümierte damals enttäuscht: "Als kleiner Bürgermeister traue ich es mir nicht zu, ein Joint Venture zwischen Südkorea und Hamburg anzubahnen. Das wäre eine schöne Idee, scheitert aber an der Praxis".

Nicht zuletzt deshalb verfolge er mit großem Interesse das Vorhaben in Großenhain. Und hoffe für den Landkreis, es füge sich dieses Mal alles zum Guten. Und auch die Stadt besitze dann ein weiteres Stück Einmaligkeit. Eines, was sie natürlich für Ralf Hänsel ohnehin schon haben dürfte.

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