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Pflegedienste kämpfen sich durch den Schnee

Notfalls muss das Auto stehen bleiben: Die winterliche Pracht in und um Großenhain bereitet den fleißigen Frauen und Männern gerade besonders große Probleme.

Bevor sie zu ihren Patienten starten kann, ist erst mal Abkehren angesagt: Nicht nur Schwester Susann von der Medi Pflege GbR in Großenhain hat dieser Tage mit erschwerten Arbeitsbedingungen zu kämpfen.
Bevor sie zu ihren Patienten starten kann, ist erst mal Abkehren angesagt: Nicht nur Schwester Susann von der Medi Pflege GbR in Großenhain hat dieser Tage mit erschwerten Arbeitsbedingungen zu kämpfen. © Norbert Millauer

Großenhain. Homeoffice ist für sie keine Option. Gleich nun, ob es die fleißigen Mitarbeiter vom ambulanten Pflegedienst Elzida, der Advita GmbH, der Volkssolidarität, des Deutschen Roten Kreuzes, der Lebenshilfe, Medi Pflege GbR oder des Diakonischen Werkes Meißen sind. Sie alle leisten in diesen schneereichen Tagen Schwerstarbeit. Denn was ihre ohnehin zuweilen körperlich sehr anstrengende Tätigkeit ausmacht, lässt sich nun mal nicht bequem von zu Hause aus erledigen. Nein! Auch bei Flockenwirbel und minus zehn Grad müssen die Frauen und Männer hin zu jenen, die tagtäglich auf ihre Hilfe angewiesen sind. Wenn es sein muss, zu Fuß. "Wir haben seit Montag eine Lauftour zusammengestellt, denn nicht überall kommen wir mit unseren Fahrzeugen durch", verrät Ellen Kotte und lacht.

Wie die Inhaberin der gleichnamigen Medi Pflege GbR erklärt, habe sich ihr zwölfköpfiges Team aufgrund der Wetterprognosen bereits im Vorfeld auf erschwerte Bedingungen eingestellt. Dass die Region dann tatsächlich mit so viel Schnee bedacht wird, habe den Dienstplan jedoch gehörig durcheinander gewirbelt. Denn auch wenn man selbstverständlich einen zeitlichen Puffer eingebaut habe - an den Unwägbarkeiten von gefährlich glatter Fahrbahn und vereisten Fußwegen sei letztlich aber nichts zu ändern. "Ich ziehe den Hut vor meinen Mitarbeitern und bedanke mich bei jedem Einzelnen von ihnen, da es momentan wirklich nicht einfach ist", bekennt Ellen Kotte.

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Abgesehen davon, dass ein jeder der zupackenden Helfer zunächst seinen eigenen Weg zur Arbeit zu bewältigen habe und der wie am Montagmorgen beispielsweise aus Gröditz kommend alles andere als ungefährlich gewesen sei. Nein, hinzu kämen Behinderungen, mit denen trotz aller meteorologischen Vorhersagen nicht zu rechnen gewesen wäre. Denn dass sich der Schnee auf den Fahrbahnen breit machen und für einen teilweise rutschigen Untergrund sorgen werde, sei freilich nur allzu verständlich.

Zu Fuß statt mit dem Auto

Dass aber die Beräumung sich auf diese - und im Falle von Nebenstraßen oder kleineren Gassen nicht mal das - beschränken würde, hätte Schwester Ellen Kottes Team nun nicht für möglich gehalten. Wie viele andere städtische Pflegekräfte kämpfe sich ihre Mannschaft seit Montag im wahrsten Sinne des Wortes durch den aufgetürmten Schnee. Wo bis zum Wochenende noch Parkplätze- und Buchten zur Verfügung standen, liegen jetzt Berge weißer Pracht. Die zeitraubende Frage des Wohin mit dem Auto sabotiere gewissermaßen den verständlicherweise streng getakteten Zeitplan.

Immerhin: Bereits ab 6.30 Uhr seien sechs Frauen und ein Mann im Einsatz, um in Großenhain, Walda-Kleinthiemig und Weßnitz zwischen 40 und 50 Patienten zu versorgen. Dringend auf Hilfe angewiesene Menschen verschiedenen Alters, welche nicht nur ausschließlich in den eigenen vier Wänden betreut würden. Praktisch bedeute das, der Betroffene müsse vor dem Transport etwa in die Tagespflege von einem der Medi-Pflege-Mitstreiter versorgt werden. Einerseits sei es schwierig, diesen Rhythmus einzuhalten, und andererseits hätten die Patienten Mühe, überhaupt aus der Haustür rauszukommen. "Auf der Mozartallee und für das Preuskerviertel haben wir deshalb nun eben jene Lauftour eingerichtet. Für unsere Schwestern ist das angesichts einer mit sich führenden drei Kilogramm schweren Arbeitstasche zwar nicht so angenehm. Aber immer noch besser, als das Auto nicht vor Ort abstellen zu können", weiß Ellen Kotte.

Und nicht nur die fleißigen Helfer haben momentan ein Problem, sich im winterlichen Großenhain fortzubewegen. Auch für ältere Menschen oder diese junge Frau wird der Schnee zum Problem.
Und nicht nur die fleißigen Helfer haben momentan ein Problem, sich im winterlichen Großenhain fortzubewegen. Auch für ältere Menschen oder diese junge Frau wird der Schnee zum Problem. © Norbert Millauer

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