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Wasserretter in großer Not

Corona hat böse Auswirkungen auf die Schwimmausbildung. Eine Meißner Trainerin spricht über bedenkliche Tendenzen. Auch für die DLRG-Helfer.

Training im Schnee: Künftige Rettungsschwimmer der DLRG "Niederes Elbtal" griffen in diesem Winter zu ungewöhnlichen Methoden. Aber es ist mehr als nur Sarkasmus, der sich dahinter verbirgt.
Training im Schnee: Künftige Rettungsschwimmer der DLRG "Niederes Elbtal" griffen in diesem Winter zu ungewöhnlichen Methoden. Aber es ist mehr als nur Sarkasmus, der sich dahinter verbirgt. © Foto: privat

Landkreis. Ute-Christiane Lauerwald lässt ihrem Frust freien Lauf. Sie ist Trainerin, Schwimmlehrerin, Mutter einer leistungssport-orientierten Rettungsschwimmerin mit EM-Medaillen. Doch Corona mit all seinen Folgen für den Sport bringt das Blut der Meißnerin zum Kochen. Bei den Rettungsschwimmern der DLRG „Niederes Elbtal“ schreibt man seit Jahren Erfolgsgeschichten. Kein Wettkampf der Rettungsschwimmer vergeht, ohne dass sie medaillengeschmückt nach Hause kehren.

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Die Geschichte ist ins Stocken gekommen. Und Ute-Christiane Lauerwald sagt: „Diese Situation ist schwer ertragbar und birgt große Risiken für die Zukunft.“ Denn: Seit Jahren fehlen schon Kapazitäten für Schwimmkurse. Und nachdem nun schon das zweite Jahr kein Schwimmunterricht stattfindet, ist das nach ihrer Auffassung nicht mehr aufzuholen. Ihre Kritik geht an Sachsens Regierung und insbesondere den Kultusminister. „Herr Piwarz findet, dass Rechnen und Schreiben wichtiger ist. Friseure und Läden öffnen, bevor Schwimmunterricht möglich ist. Die Kinder können so frisch frisiert und mit neuer Badehose ertrinken“, vermerkt sie sarkastisch.

Der Hintergrund ist klar. Nach Angaben des Sächsischen Kultusministeriums haben allein im Schuljahr 2019/20 rund 10.000 Zweitklässler von Grund- und Förderschulen keinen oder nur zum Teil Schwimmunterricht erhalten. Die rund 95 Schwimmvereine im Freistaat könnten momentan wegen der Pandemie keine Anfängerkurse anbieten.

Und das ist nicht alles. Die coronabedingten Schließungen von Freibädern und Schwimmhallen kommen hinzu. „Es findet Bädersterben statt“, sagt Ute-Christiane Lauerwald – mit Blick auf das Wonnemar in Bad Liebenwerda. Das Meißner „Wellenspiel“, eigentlich eine Ausbildungsschmiede der Rettungsschwimmer, ist gleichfalls zu. Dadurch wird noch weniger Schwimmunterricht möglich. Es findet keine Ausbildung von Rettungsschwimmern statt, keine Erhaltung der Rettungsfähigkeit des vorhandenen Personals. "Die Öffnung noch vorhandener Bäder ist auch dadurch gefährdet“ so Ute-Christiane Lauerwald.

Trainieren im Stausee im Neoprenanzug: Ersetzen kann das weder eine richtige Ausbildung noch ein Vereinsleben.
Trainieren im Stausee im Neoprenanzug: Ersetzen kann das weder eine richtige Ausbildung noch ein Vereinsleben. © Foto: privat

Die DLRG „Niederes Elbtal“ ist ein Garant dafür, dass in den Bädern die Sicherheit von Besuchern gewährleistet wird. Aber nicht nur das. Viele der Mitglieder sind aktive Rettungsschwimmer im Wettkampf- und auch Leistungsbereich. Um letztere macht sich Ute-Christiane Lauerwald besondere Sorgen. „Athleten, die sonst mehrfach pro Woche intensiv Sport treiben, dürfen nicht trainieren, selbst an Sportschulen. Dadurch werden gesundheitliche Schäden hervorgerufen“, glaubt sie. Tägliches Homeoffice und -schooling, Sitzen am Computer, fehlende sportliche Betätigung erzeuge Schäden, Beschwerden. Ihre Prognose: „Bei der gestörten Kaderpyramide wird es wohl in der Zukunft auch mit Spitzensportlern rar aussehen. Der Nachwuchs an der Basis kann sich nicht weiterentwickeln.“

Fehlendes Vereinsleben und Sozialkontakte, fehlende Ziele und fehlende Bestätigung – da gehe Motivation verloren. “Wir geben natürlich die Hoffnung nicht auf und wollen, sobald es eine Möglichkeit gibt, wieder mit dem Training und der Ausbildung beginnen. Konkrete Planungen sind derzeit aber leider nicht möglich“, so Ute-Christiane Lauerwald. „Eins steht fest: Auf Bäder- und Rettungspersonal kommen durch die hohe Zahl an Nichtschwimmern harte, belastende Zeiten zu“, fügt sie hinzu.

Sie selbst spricht von „Mut der Verzweiflung“, mit dem sie sich hin und wieder den Neoprenanzug überstreift und im Stausee schwimmt. “Es ist kein vollwertiger Ersatz.“ Ihre Sportler sehnen sich nach dem gemeinsamen Schwimmen. „Bei Entzugserscheinungen haben sie es schon im Schnee probiert“, sagt Ute-Christiane Lauerwald. Dabei sind lustige Fotos und Videos entstanden – doch es ist wohl eher Galgenhumor.

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