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Rosskur für verseuchtes Gewässer

Im Spitalteich am Flugplatz hat sich jahrzehntelang Kerosin angereichert – nun wird der Schlamm ausgebaggert und gereinigt.

Insgesamt 13.000 Kubikmeter kerosinverseuchter Schlamm werden bis zum Herbst 2022 aus dem Kleinen Spitalteich geholt.
Insgesamt 13.000 Kubikmeter kerosinverseuchter Schlamm werden bis zum Herbst 2022 aus dem Kleinen Spitalteich geholt. ©  Foto: Kristin Richter

Großenhain. Die Gefahr kam mit dem Grundwasser. Es fließt auf dem Flugplatzgelände von Ost nach West und dann weiter unter den Feldern entlang bis zur Röder. Dabei nimmt es alle Verunreinigungen, die durch die militärische Nutzung in den Boden gekommen sind, mit. Auch oberirdisch wird das Areal über den Spitalbach und den Kleinen Spitalteich in diese Richtung entwässert.

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Dass die Sowjet-Flieger, die hier bis 1993 zugange waren, im Umgang mit dem Sprit für ihre MiGs nicht zimperlich waren, ist hinlänglich bekannt. Kerosin lief schon beim Antransport ins Tanklager in größeren Mengen aus den undichten Anschlüssen, und wenn die Tanks voll waren, wurde die Restmenge schon mal in die Landschaft entsorgt. Auch die Ringleitung, die rund um den Flugplatz führte, war an vielen Stellen undicht. Wenn der Druck nachließ, wurde einfach mehr Flugzeugbenzin hineingepumpt. Von den verseuchten Hotspots im Boden wanderte das Kerosin mit dem Grundwasser in Richtung Spitalteich und reicherte sich dort über Jahrzehnte im Schlamm an.

Der Kleine Spitalteich befindet sich, wie auch der größte Teil des Flugplatz-Areals, seit Anfang der 1990er Jahre im Eigentum des sächsischen Staatsbetriebes Immobilien- und Baumanagement (SIB). Dieser ist nun für die Beseitigung der Altlasten zuständig. „Uns geht es darum, dass wir die Hauptbelastung mit Kerosin herausbekommen“, sagt Sachgebietsleiter Joachim Thäle. Zu 100 Prozent werde das nicht möglich sein. Die Teichsanierung steht im Zusammenhang mit den Entwicklungsplänen des Freistaates Sachsen für das Flugplatzgelände. Sollte es dort zu einer Großansiedlung von Industrie und Gewerbe kommen, wird der Teich auch als Puffer für die Regenwasserableitung gebraucht. Im Gegensatz zum Gebiet rund um die Landebahn, ist Altmunition hier kein Problem. Der Kampfmittelbeseitigungsdienst hat den Teichgrund eingehend untersucht und lediglich eine Handgranate gefunden, die gesprengt werden musste.

Insgesamt sollen aus dem Kleinen Spitalteich etwa 8.000 Kubikmeter Dünnschlamm abgesaugt und 5.000 Kubikmeter Dickschlamm abgebaggert werden. Der Dünnschlamm wird zur Bodenbehandlungsanlage auf der gegenüberliegenden Landebahn transportiert, wo er mit dem Erdaushub vom Flugplatz vermischt und von Bakterien entgiftet wird. Der Dickschlamm soll mittels Pflanzenbehandlung gereinigt werden. „Mit bis zu 20 Gramm pro Kubikmeter liegt die Kerosin-Konzentration im Schlamm fünf- bis zehnmal höher als in der Erde drüben auf dem Flugplatz“, erklärt Silvio Strauß vom Dresdner Ergo-Umweltinstitut, das die Sanierung im Auftrag des SIB durchführt.

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Für die Altlastenbeseitigung auf dem gesamten Flugplatzgelände hat der Freistaat Sachsen mehr als 35 Millionen Euro veranschlagt. Insgesamt müssen etwa 260.000 Tonnen Erde bewegt, 60.000 davon in der Bodenbehandlungsanlage gereinigt werden. Der Abschluss der Sanierungsarbeiten am Kleinen Spitalteich ist für Oktober 2022 geplant. Der Schilfgürtel im nördlichen Uferbereich wird aus Naturschutzgründen nicht angetastet. Dort brüten seltene Vögel, wie etwa das Blaukehlchen. Auch andere Tiere geben sich regelmäßig ein Stelldichein. Die Teichsanierer finden im Schlamm regelmäßig Spuren von Waschbären, Fischottern und sogar vom Wolf.

Gesamtprojektleiter Silvio Strauß vom Ergo Umweltinstitut Dresden (l.) erläutert den Plan für die Gewässersanierung.
Gesamtprojektleiter Silvio Strauß vom Ergo Umweltinstitut Dresden (l.) erläutert den Plan für die Gewässersanierung. © Kristin Richter

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