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"Das Schöne ist so nah"

In Wildenhain treffen sich die "Scheunenmädels" regelmäßig im Grünen. Aber es ist alles andere als ein Kaffeekränzchen.

Die Scheunenmädels in Wildenhain: Katrin Dietrich und Grit Kranke (vorn/v.l)), Antje Gnaudschun, Kerstin Biele, Ines Moritz (hinten), flankiert von Pfarrer Benedikt Schubert (re.) und Sebastian Wünsch (Regionalmanager Natur und Landschaft).
Die Scheunenmädels in Wildenhain: Katrin Dietrich und Grit Kranke (vorn/v.l)), Antje Gnaudschun, Kerstin Biele, Ines Moritz (hinten), flankiert von Pfarrer Benedikt Schubert (re.) und Sebastian Wünsch (Regionalmanager Natur und Landschaft). © Kristin Richter

Wildenhain. Der Schriftzug ist auf den beiden Bänken und dem Tisch "verewigt": Hier treffen sich regelmäßig die "Scheunenmädels". Ein halbes Dutzend Frauen. Im Mai des vergangenen Jahres kamen sie erstmals zusammen, um unter dem Dach der Kirchgemeinde eine "lose Gemeinschaft" ins Leben zu rufen. Das Areal hinter der Wildenhainer Kirchenscheune sahen und sehen sie als ideal an, um Teile davon von Unkraut zu befreien, sich aber auch selbst verwirklichen zu können. Ein erster Ansatz damals: Es wurden Kürbisse angebaut, um vielleicht im Herbst ein kleines Kürbisfest zu veranstalten. "Doch die haben dann die Wühlmäuse geholt", sagt Grit Kranke schmunzelnd.

"Wir wollen dem Garten Leben einhauchen", bringt Antje Gnaudschun das Ansinnen auf den Punkt. Anfangs traf man sich einmal im Monat, um das Areal von unschönem Bewuchs zu befreien, baute Kräuter an, schnitt die vorhandenen Bäume. Über einen Namen für die kleine Gruppe wurde eine Zeitlang intern diskutiert. Landfrauen? Frauendienst? Kräutermädels? Dorfweiber? Letztlich machten die "Scheunenmädels" das Rennen - in Anlehnung an die benachbarte Kirchenscheune. Inzwischen treffen sich die Frauen fast jeden Mittwoch.

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Denn sie wollen ein bisschen was anschieben. Grit Kranke, die im Ort eine Praxis für Podologie betreibt, hört immer wieder von ihren Kunden: "In Wildenhain ist wenig los." Mit der Zeit sind zahlreiche Ideen und Wünsche entstanden. Doch Corona bremste so manche Aktivität auch aus. "Wir haben nur noch Unkraut und Rindenmulch bewegt", formuliert es Grit Kranke salopp.

Jetzt ist der Bogen von den "Scheunenmädels" zum Elbe-Röder-Dreieck gezogen. Mit Sebastian Wünsch, seit 1. Juni dort Regionalmanager für Natur und Landschaft, haben die "Scheunenmädels" einen Ansprechpartner gefunden. "Es ist toll zu sehen, dass es diese Initiative gibt", sagt er. Sein Job: Über das ERD will er Fördertöpfe eruieren, um die engagierten Frauen bei ihren Zielen zu unterstützen. In Person der Kirchgemeinde und des neuen Wildenhainer Pfarrers Benedikt Schubert bekommen sie von Anfang an zusätzlichen Zuspruch. "Vielleicht", so sein Vorschlag, "kann man den Garten für unsere Gemeindearbeit entwickelt - auch unter ökologischen Gesichtspunkten." Für die "Scheunenmädels" ist die Unterstützung durch die Kirchgemeinde auch insofern enorm wichtig, weil unter deren Dach eine Beantragung von Fördermitteln überhaupt erst möglich würde. Denn spätestens dort würde die Gemeinschaft an ihre Grenzen stoßen. Gleichzeitig, und auch da ist sich die Runde einig, könnten so Synergien zu anderen Einrichtungen genutzt werden, wenn es zum Beispiel um die Beschaffung von Werkzeugen für die Arbeiten geht.

"Wir wollen fürs Dorf allgemein etwas tun", sagt Antje Gnaudschun. Jung und Alt für die Natur begeistern, für jede Altersgruppe kleine Ruhepunkte, Workshops und Treffs organisieren. Gemeinsam Kuchen oder Brot im Lehmofen backen, Gehölze pflegen, Kräuter anbauen, Saft pressen. Hehre Ansprüche - um zu zeigen, "wie nahe das Schöne ist", so Antje Gnaudschun. Und dafür wird es auch weiterhin in der Regel mittwochs Gespräche in der schattigen Sitzecke der "Scheunenmädels" geben. Neue Mitstreiter sind dazu willkommen.


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