merken
PLUS Großenhain

Schlupflöcher zur Notbetreuung in der Kita?

Laut kritisiert wird momentan die Praxis der Notbetreuung in Großenhainer Kitas. Angeblich erschleichen sich Eltern mit amtlichen Schreiben den Zugang.

Miteinander spielen, lachen und gemeinsam den Tag verbringen: Etwas, dass vielen Mädchen und Jungen in Kindereinrichtungen und Schulen zurzeit fehlt. Aber werden deshalb Bescheinigungen erschlichen?
Miteinander spielen, lachen und gemeinsam den Tag verbringen: Etwas, dass vielen Mädchen und Jungen in Kindereinrichtungen und Schulen zurzeit fehlt. Aber werden deshalb Bescheinigungen erschlichen? © Symbolbild: SZ/Uwe Soeder

Großenhain. Der Vorwurf ist eindeutig: In Zeiten der Notbetreuung, welche nur für Kindern von Eltern ermöglicht werde, deren Berufe als systemrelevant eingestuft worden sind, würden immer öfter amtliche Schreiben vom Kreisjugendamt vorgelegt, um die Tür zur Kindertageseinrichtung doch noch geöffnet zu bekommen.

Die Meißner Behörde bescheinige angeblich, so die an die Sächsische Zeitung schriftlich formulierte Kritik, dass die betreffenden Mädchen und Jungen einer sogenannten Kindeswohlgefährdung ausgesetzt wären und deshalb würden die Kitas in Großenhain gebeten, diese Kinder allen momentan geltenden Vorschriften zum Trotz aufzunehmen.

Anzeige
Die Küche ist das neue Wohnzimmer
Die Küche ist das neue Wohnzimmer

Wer seiner Küche ein Update verpassen will, bekommt bei Möbel Oskar in Gröditz eine professionelle Beratung vom Fachmann.

Auch Mütter und Väter, die sich gegenwärtig in Elternzeit befänden, legten solche Bestätigungen vor. "Warum macht man dann nicht gleich für alle Kinder die Kitas auf? Hier werden doch Schlupflöcher gestattet, die denen, die sie erkennen, dienen. Die anderen, die sich an alle Vorgaben halten und irgendwie sehen, alles unter einen Hut zu bekommen, gucken in die Röhre", so die massive Kritik.

Eine, die Großenhains Verwaltung nach eigenem Bekunden gut nachvollziehen könne und sehr ernst nehme. Allerdings, so Diana Schulze, seien derartige Vorgänge nicht bekannt. Wie die Rathaussprecherin auf SZ-Anfrage am Donnerstag betont, gebe es weder belastbaren Informationen über solche Vorgehensweisen noch wären konkrete Fälle in den Einrichtungen bekannt geworden.

Großenhainer Einrichtungen, die sich seit der Pandemie wie alle anderen auch an die aktuelle Sächsische Corona-Schutz-Verordnung halten müssen. Demnach dürften Kinder aufgenommen werden, deren Eltern einem systemrelevanten und damit unverzichtbaren Beruf hinsichtlich der eigenen Betreuung des Nachwuchses nachgingen. Paragraph 5a Absatz 4 dritter Punkt räume jedoch ein, dass das zuständige Jugendamt die Notwendigkeit eines Kitabesuches im Sinne einer Kindeswohlgefährdung bescheinigen könne.

Damit es überhaupt dazu käme, würden Eltern, Verwandte, Nachbarn oder auch Erzieher dem Allgemeinen Sozialen Dienst (ASD) ihre Bitte um Notbetreuung vortragen müssen und dieser prüfe dann nach festgelegten Maßstäben die jeweiligen Einzelfälle. "Unter diesen befinden sich sowohl Familien, die dem Kreisjugendamt bekannt, zuweilen aber auch unbekannt sein können und dennoch eine Notbetreuung als dringend erachtet wird", erklärt Anja Schmiedgen-Pietsch.

Laut der Sprecherin des Landratsamtes Meißen werde daraufhin eine Überprüfung auf Basis des Sozialgesetzbuches sowie der aktuellen Sächsischen Corona-Schutz-Verordnung vorgenommen. "Und das tun die Mitarbeiter des ASB stets sehr sorgsam und verantwortungsvoll", versichert Anja Schmiedgen-Pietsch. Dass die abschließenden Entscheidungen von Außenstehenden nicht immer als Kindeswohlgefährdung zu erkennen seien, wäre dem Kreisjugendamt dabei durchaus bewusst.

Und es könne pauschal bestätigen, dass vor Ostern tatsächlich eine Zunahme von Bitten zur Aufnahme in die Kita-Notbetreuung aufgrund Kindeswohlgefährdung registriert wurde. Diese hätten allerdings das gesamte Kreisgebiet und nicht spezifisch nur eine Stadt wie Großenhain in besonderem Maße betroffen.

Aufgrund der neuen Verfahrensweise, so Anja Schmiedgen-Pietsch, wäre davon auszugehen, dass die Problematik erst einmal hinfällig sei. Immerhin ermöglichten die regelmäßigen Testungen laut aktueller Verordnung einen Wechsel von der Notbetreuung hin zum eingeschränkten Regelbetrieb.

Mehr lokale Nachrichten aus Großenhain lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Großenhain