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Schnäppchenjagd im Großenhainer Ratssaal

Bei der Versteigerung von Fundsachen kommt ein Erlös von 455 Euro zusammen. Ein Damenfahrrad ist besonders begehrt.

34 Fahrräder waren unter den Fundsachen am Dienstag im Angebot. Nur ein Bruchteil fand jedoch einen neuen Besitzer.
34 Fahrräder waren unter den Fundsachen am Dienstag im Angebot. Nur ein Bruchteil fand jedoch einen neuen Besitzer. © Norbert Millauer

Großenhain. Ein Damenfahrrad "Colorado Esperia", weinrot, für fünf Euro? Bitteschön! Der Hammer der Auktionschefin klatscht dreimal auf den Tisch - und schon hat das relativ gut erhaltene Stück eine neue Besitzerin. Schon geht es weiter. Im Minutentakt kommen Gegenstände unter den Hammer, die im Rathaus als Fundstücke abgegeben werden. 

Nach Corona-bedingter Zwangspause findet die Versteigerung erstmals wieder statt. Der Rathaussaal ist gut gefüllt mit Leuten, die zum Teil gezielt auf einzelne Schnäppchen scharf sind. Auf einem Tisch sind sie aufgebaut: ein Regenschirm, eine Geldbörse, eine Jacke, zwei Kinderspielzeuge, eine Kindertasche, drei Uhren, zwei Paar Handschuhe, zwei einzelne Handschuhe, Brillen, Handys, jeweils eine Kaffeemaschine, Wasserkocher, Werkzeugkoffer und und und. Schon eine halbe Stunde vor Auktionsbeginn drängeln sich potenzielle Interessenten um insgesamt 34 Fahrräder, darunter sogar ein E-Bike. "Ich kann überhaupt nicht verstehen, wie man so etwas verlieren kann", sagt eine Rathausmitarbeiterin und zuckt mit den Schultern.

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In der Tat machen die Zweiräder das Gros unter den 67 zu versteigernden Fundgegenständen aus. Einigen sieht man an, dass sie eine schwere Leidenszeit hinter sich haben. Fehlende oder defekte Schläuche bzw. Mäntel, kaputte Lichtanlagen, defekte Bremsen oder auch ein nicht vorhandener Sattel zeugen davon. Als Fundbüro-Chefin Annett Hadamietz die Reste eines Drahtesels - quasi ein unvollständiger Rahmen - auf der Leinwand präsentiert, kommt ungläubiges Lächeln auf. "Wer braucht denn sowas", seufzt ein junger Mann. Der 19-Jährige ist passionierter Mountainbike- und BMX-Fahrer. Seine "große Stunde" schlägt, als er für das Mindestgebot von 12 Euro ein BMX ersteigert.

Bei anderen Angeboten geht es dann sogar recht heiß zur Sache. Als ein Damenfahrrad "Zündapp", weiß-orange mit Korb, top gepflegt, aufgerufen wird, überbieten sich gleich mehrere Frauen - zunächst im Ein-Euro-Takt, ab 50 Euro in Fünfer-Schritten. So schreibt es das Reglement vor, das die Auktionschefin vorab verlesen hat. 15 Euro sollte die "Zündapp" mindestens kosten - am Ende stehen 155 Euro auf dem Kärtchen, das die freudige neue Besitzerin von Annett Hadamietz erhält. Zum Vergleich: Der Neuwert eines solchen Fahrrads liegt bei rund 260 Euro. Da kann man dann schon mal von einem echten Schnäppchen sprechen.

Andere Fundsachen erweisen sich als Ladenhüter. Wasserkocher, Kinderspielzeug, Sonnenbrille und Handys stoßen auf kein Interesse. Ein Silberring geht für das Mindestgebot von zwei Euro über den Tisch, ebenso eine Reisetasche mit unbekanntem Inhalt für fünf Euro. Immerhin: Nach dem einstündigen Prozedere steht fest, dass 455 Euro Auktionserlös ins Stadtsäckel fließen. 24 von 67 Fundsachen sind unter den Hammer gekommen. Das Geld - übrigens direkt nach der Auktion in bar zu entrichten - wird allerdings erst einmal auf Eis gelegt. Für drei Jahre. So schreibt es das Gesetz vor.

Was aus den nicht versteigerten Dingen wird, ist ungewiss. Manches wird man wohl bei der nächsten Auktion wieder im Angebot finden. Anderes dürfte im Kleidercontainer, im Sperrmüll oder auf dem Schrotthaufen landen. 

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