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Schnelles Internet – aber nur fürs halbe Dorf

Sachsen-Energie erschließt eigenwirtschaftlich die Linzer Hauptstraße – die anderen Einwohner müssen noch warten.

Die Grundstücke an der Linzer Hauptstraße könnten bereits im Februar 2023 über schnelles Internet verfügen – sofern die Besitzer einen Vertrag mit dem Breitband-Versorger Sachsen-Energie abschließen.
Die Grundstücke an der Linzer Hauptstraße könnten bereits im Februar 2023 über schnelles Internet verfügen – sofern die Besitzer einen Vertrag mit dem Breitband-Versorger Sachsen-Energie abschließen. © Kristin Richter

Linz. Freud und Leid liegen im Schönfelder Ortsteil Linz nur ein paar Meter auseinander. Das wurde am Dienstagabend bei einer Informationsveranstaltung deutlich, zu der das Versorgungsunternehmen Sachsen-Energie eingeladen hatte. Die frühere Enso hat von der Gemeinde Schönfeld den Auftrag zur Glasfaser-Erschließung bekommen – allerdings nur für jene Ortschaften oder Teilbereiche, die als unterversorgt gelten. Nur für diese greift die großzügige Förderung von Bund und Freistaat. Der Ort Linz zählt zwar auch dazu, war aber aus den Planungen der Gemeinde herausgefallen. Hier hatte sich bereits ein Breitband-Anbieter bei der Bundesnetzagentur registrieren lassen. Weil die Agentur keine Angaben darüber machte, um wen es sich handelt und welche Pläne er verfolgt, konzentrierte sich die Kommune erst einmal auf die weißen Flecken in den Ortsteilen Schönfeld, Liega und Kraußnitz. Dafür bekam Sachsen-Energie den Zuschlag.

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Nun liegt das Dörfchen Linz zwar nicht auf kürzestem Wege, aber auf der kürzesten Straßenverbindung zwischen Liega und Kraußnitz. Es lag also nahe, das Glasfaserkabel durch den Ort zu ziehen. Da für die Erschließung von Linz bisher keine Fördermittel bewilligt sind, entschloss sich Sachsen-Energie, die Grundstücke an der Ortsdurchfahrt eigenwirtschaftlich zu erschließen. Das heißt: Zunächst bekommt nur die Hauptstraße schnelles Internet – die anderen bleiben außen vor. Das sorgte im Ort für böses Blut. Derzeit haben viele Linzer einen Internetanschluss per Funk, und der ist bei starker Nutzung schnell überlastet. Erst am vergangenen Wochenende hakte es wieder mächtig. Obwohl Sachsen-Energie nur die Hauptstraßen-Anrainer zu seiner Infoveranstaltung eingeladen hatte, erschienen deshalb auch etliche andere Linzer, um zu erfahren, was nun eigentlich Sache ist.

Christoph Enderlein von der ausführenden Sparte Sachsen-Netz versuchte, die erregten Gemüter zu beruhigen. Auch die anderen Linzer würden schnelles Internet bekommen. Dafür sei allerdings eine weitere Ausschreibung erforderlich, die vom Landkreis vorgenommen wird. Die Frage sei nur, wann das über die Bühne geht und wie lange die Planungen dann dauern. Für die Anwohner der Hauptstraße hingegen könne Sachsen-Energie das schnelle Internet bis zum Februar 2023 zur Verfügung stellen, möglicherweise auch früher.

Bei der eigenwirtschaftlichen Glasfaser-Erschließung gibt es allerdings einen entscheidenden Unterschied zur staatlich geförderten. Während bei Letzterer alle Grundstückseigentümer den Anschluss bis zur Hauswand – ob sie ihn nutzen oder nicht – kostenlos bekommen, ist das beim nicht geförderten anders. Hier muss der Interessent dafür bezahlen – es sei denn, er schließt mit Sachsen-Energie einen Nutzungsvertrag ab. Wer sich den Anschluss nur vorsorglich legen lassen will, trägt einen Anteil an den Kosten. Solange der Bau in der Ortsdurchfahrt noch läuft, sind 800 Euro fällig, danach sogar 1.600 Euro.

In der Konsequenz heißt das: Wer schnell schnelles Internet haben will, dem bleibt praktisch keine Wahl, als einen Nutzungsvertrag mit Sachsen-Energie abzuschließen. Für eine Downloadgeschwindigkeit von 50 Megabits pro Sekunde kostet das im ersten Jahr monatlich rund 30 Euro, für jedes weitere knapp 35 Euro. Bei 100 Megabits sind es im zweiten Jahr dann schon rund 45 Euro. „Wer Kinder im Haus hat, sollte eher auf die höhere Übertragungsrate zurückgreifen“, rät Regionalleiter Jan Richter. Optional kann man auch Internetfernsehen und einen Festnetztelefonanschluss buchen. Allerdings bietet Sachsen-Energie bisher noch keine Flatrate in die Mobilnetze an.

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Wann die anderen Linzer schnelles Internet bekommen, lässt sich momentan schwer abschätzen. Nach Auskunft des Landratsamtes gilt der gesamte Ortsteil Linz weiterhin als unterversorgt und ist deshalb nach wie vor komplett im Weiße-Flecken-Förderprojekt des Landkreises Meißen enthalten. „Das landkreisweite Förderprojekt befindet sich derzeit in der finalen Ausschreibungsrunde“, erklärt Landkreis-Sprecherin Anja Schmiedgen-Pietsch. „Die Vertragsunterzeichnung mit dem ausführenden Telekomunternehmen ist für Beginn 2022 geplant.“ Teil des Vertrages werde dann ein Netzplan, inklusive Zeitplan, sein. Verbindliche Informationen darüber, wann die andere Hälfte von Linz schnelles Internet bekommt, könnten erst danach gegeben werden.

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