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Schüler haben enormen Nachholbedarf

Nachhilfeunterricht wird dringend gebraucht, aber viele Meißner Eltern sind verunsichert und warten erst einmal ab.

Von Manfred Müller
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Nico Kühnold von der Schülerhilfe Meißen findet es wichtig, dass die Schulen offen bleiben.
Nico Kühnold von der Schülerhilfe Meißen findet es wichtig, dass die Schulen offen bleiben. © Claudia Hübschmann

Meißen. Kaum zu glauben, aber der Beginn der Coronakrise liegt schon zwei Jahre zurück. Zu den Hauptleidtragenden gehören die Schulkinder, die im Durcheinander von Lockdowns, Quarantäne, Präsenzunterricht und Homeschooling, Test- und Maskenpflicht ihren Lernstoff nicht mehr bewältigen können. Die Eltern sind mit der Situation oft überfordert – wer kann seinen Kindern schon noch den Satz des Pythagoras oder die Integralrechnung erklären. Hat das zu einem Boom bei den Bildungsinstitutionen geführt, die Nachhilfeunterricht anbieten?

„Die Nachfrage ist mit dem neuen Schuljahr noch einmal gestiegen“, sagt Annelie Schneider Abacus-Nachhilfeinstitut. Das liege zum einen daran, dass Wissenslücken bei den Schülern größer und größer geworden sind. Zum anderen sei bei vielen Eltern einfach die Belastungsgrenze überschritten. Abakus setzt auf Einzelnachhilfe in häuslicher Umgebung. Da deutlich über 90 Prozent der des Personals geimpft seien, habe die Corona-Deltawelle nicht Problemen oder zu größeren Ausfällen geführt, erklärt die Institutsleiterin für Sachsen. Sofern Familien es wünschen, bietet das Nachhilfeinstitut den Einzelunterricht online an.

Einen regelrechten Nachfrage-Boom wie zum Jahresbeginn 2021 hat es im aktuellen Schuljahr nicht mehr gegeben. Das liegt zum einen daran, dass Sachsens Landesregierung die Schulen auch in schwierigen Situationen offenhalten will. Erst wenn alle anderen Schutzmaßnahmen ausgeschöpft seien, werde über Schließungen nachgedacht, so Kultusminister Christian Piwarz. Zum anderen haben Bund und Länder im Sommer ein umfangreiches Förderprogramm auf den Weg gebracht. In der Aktion „Aufholen nach Corona“ stehen 30 Millionen Euro für Bildungshilfen zur Verfügung. Einzelne Schüler oder Schülergruppen können auf dieser Grundlage Nachhilfe innerhalb der Schule oder gebündelt an Volkshochschulen oder von Nachhilfeorganisationen erhalten. Es können Mentoren und Schülerpatenschaften sowie niedrigschwellige Nachhilfe finanziert werden. Auch außerschulische Lernorte können genutzt werden, ebenso Angebote von externen Bildungsträgern. Das Abakus-Nachhilfeinstitut zum Beispiel hat sich in die Aktion mit dem nicht mehr ganz aktuellen Namen eingebracht.

„Ich finde es sehr wichtig, dass die Schulen offenbleiben“, erklärt Nico Kühnold von der Schülerhilfe Meißen. Die Familien seien erschöpft, die Eltern mit der Nachhilfe für ihre Sprösslinge überfordert. „Ich bin selbst Vater von vier Kindern“, sagt der Diplompädagoge, „das ist eine enorme Herausforderung.“ Obwohl der Nachholbedarf enorm sei, verhielten sich potenzielle Kunden der Schülerhilfe eher zögerlich. Viele warteten erst einmal ab, ob es einen nächsten Lockdown gibt. Ein Verhalten, dass angesichts der anrollenden Omikron-Welle auch verständlich ist. Für die Schülerhilfe steht Präsenz-Nachhilfe in den eigenen Räumlichkeiten an erster Stelle. Wenn das Eltern allerdings zu riskant ist oder ihre Kinder in Quarantäne müssen, kann der Unterricht nahtlos online fortgesetzt werden.

Auch Petra Kölling vom Studienkreis Meißen registriert eine eher abwartende Haltung vieler Eltern. Das sei angesichts der allgemeinen Unsicherheit im Bildungswesen auch zu verstehen. Die Online-Nachhilfe, die während der Lockdowns angeboten wurde, ist bei der Nachhilfe-Organisation wieder zugunsten des Präsenzunterrichts zurückgefahren worden. „Unsere Kinder verhalten sich sehr diszipliniert, sowohl was die Test- als auch Maskenpflicht betrifft“, erklärt die Studienkreis-Leiterin. Außerdem gehe mit persönlicher Zuwendung vieles leichter. "Das Schlimmste wäre", sagt Petra Kölling, „wenn wir in dieser Situation unser Lächeln verlieren.“