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Schulstart: Mehr Fragen als Antworten

Auch Großenhains Schüler sollen zum Präsenzunterricht zurückkehren dürfen. Voraussetzung dafür sind Selbsttests, doch die wurden noch nicht geliefert.

Der Leiter der Schule zur Lernförderung Thomas Jacobi freut sich ebenso wie seine Kollegen auf die Rückkehr all seiner Schüler. Dennoch hat er Bauchgrummeln, denn vieles ist ungeklärt.
Der Leiter der Schule zur Lernförderung Thomas Jacobi freut sich ebenso wie seine Kollegen auf die Rückkehr all seiner Schüler. Dennoch hat er Bauchgrummeln, denn vieles ist ungeklärt. © Foto: Kristin Richter

Großenhain. Normalität schaut anders aus. Eigentlich wollte sich Thomas Jacobi an diesem Dienstagmorgen noch um einige wichtige Dinge kümmern. Dann aber müssen die organisatorischen Angelegenheiten ebenso wie das Gespräch mit der Sächsischen Zeitung warten. Der Leiter der Schule zur Lernförderung Großenhain wird dringend für das gebraucht, was seinen Beruf eigentlich auszeichnet: zum Unterrichten. "Einige Kollegen fallen seit heute wegen Quarantäne aus, und deshalb müssen wir nun ihre Stunden mit absichern", entschuldigt sich Thomas Jacobi gegen Mittag.

Die Einhaltung des Plans ist indes nicht das einzige Problem, was den Leiter der Einrichtung umtreibt. Nachdem bereits die Grundschüler und die Neuntklässler zum Präsenzunterricht zurückkehren durften, sollen es ab Mittwoch nun auch die übrigen Mädchen und Jungen. Eigentlich. Denn was als politischer Wille im sächsischen Freistaat in der vergangenen Woche klar formuliert wurde, bereitet in der täglichen Praxis einige Schwierigkeiten. "An unserer Schule ist es gegenwärtig sowohl personell als auch organisatorisch gar nicht möglich, dass alle vier fehlende Klassenstufen auf einmal wieder vor Ort beginnen. Einerseits gibt es aus den genannten Gründen Engpässe hinsichtlich der pädagogischen Kapazitäten und andererseits verfügen wir auch noch nicht über die erforderliche Anzahl von Corona-Selbsttests, die laut Anordnung aber jeder Schüler einmal und Lehrer zweimal in der Woche bei sich durchführen soll", erklärt Thomas Jacobi.

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Um trotz argem Bauchgrummeln dennoch mit dem Neuanfang zu beginnen, starte man in dieser Woche zunächst einmal mit den Klassen fünf und sechs. Die sieben und acht sollen dann am Montag folgen. Unterrichtet werde in kleinen Lerngruppen Mathematik und Deutsch, vier Stunden pro Tag. Mehr, so habe auch die Erfahrung mit den schon wieder anwesenden Schülern gezeigt, sei im Sinne von Eingewöhnung und konzentriertem Lernen nicht drin. Die Kinder und Jugendlichen benötigten diese Phase, um wieder zu schulischen Ritualen und dem Unterricht durch einen Lehrer zurückzufinden.

Ein lang vermisstes Beisammensein, welches sich auch die Pädagogen selbst wieder wünschten. Getrübt werde die Wiedersehensfreude jedoch durch viele Unklarheiten. Was alle dabei wohl am meisten beschäftigten dürfte: Wann werden endlich die Tests geliefert, welche laut aktueller Corona-Schutzverordnung ab Klassenstufe 5 Voraussetzung für den Schulbesuch sein sollen?

Eine Frage, die nicht nur Thomas Jacobi und seine Kollegen umtreibt. Auch dem Leiter des Werner-von-Siemens-Gymnasiums macht genau dieser Aspekt zu schaffen. Während durch die gesammelten Erfahrungen im letzten Schuljahr eine Zusammensetzung von Lerngruppen und die Vorbereitung der Abiturienten auf die Prüfungen keineswegs mehr für Herzklopfen sorge, sei über die Verfahrensweise mit den Selbsttests bis jetzt absolut gar nichts bekannt. "Wir wissen nichts über das Prozedere, haben keine Ahnung, um welche Tests es sich konkret handelt und wie wir uns verhalten sollen, wenn tatsächlich ein anwesender Schüler positiv getestet wird", gibt Klaus Liebtrau zu bedenken. Man habe leider mehr Fragen als Antworten und könne deshalb auch die Eltern, welche sich verständlicherweise an die Schule wendeten, nur um Geduld bitten.

Schwierige Rahmenbedingungen, die nichts daran änderten, dass die jungen Leute endlich wieder die Schule besuchen sollten. Durch die Distanzbeschulung habe man zwar keineswegs nur Nachteile erfahren. Im Gegenteil! Die Lehrer seien gezwungen gewesen, sich teilweise ganz andere Herangehensweisen der Wissensvermittlung auszudenken und die Jugendlichen hätten ein hohes Maß an Selbständigkeit entwickeln müssen. Nichtsdestotrotz wäre aber die bisher gewohnte Unterrichtsform für das Lernen und auch das soziale Miteinander der Schüler unverzichtbar.

Angst vor großen Wissenslücken beim Kurs aufs künftige Abitur müsse laut Klaus Liebtrau keiner von ihnen haben. Demnach seien die Zwölftklässler gut vorbereitet und dank des in den Lehrplan ohnehin eingebauten Puffers von gut vier Wochen, könnten in allen anderen Jahrgängen eventuelle Defizite aufgeholt werden.

Wie groß diese Versäumnisse letztlich wirklich sein werden, kann auch Axel Hackenberg gegenwärtig nicht sagen. Wie der Leiter der 2. Oberschule Am Schacht betont, seien die Abschlussklassen zumindest sehr gut vorbereitet und hätten alles wieder aufgeholt. Da das Schuljahr bis Ende Juli gehe und damit zu den längeren zähle, könnten die übrigen Schüler ab Montag sicherlich noch einiges abarbeiten. Im Wechsel - also wochenweise aller 14 Tage - unterrichtet, müsse dabei erst einmal geprüft werden, auf welchem intellektuellen Stand der Dinge die Schützlinge sind. "In den einzelnen Fachkonferenzen wird dann zu besprechen sein, wie man weiter verfährt und welche Strategien am besten geeignet sind, um den jungen Leuten zu helfen", weiß Axel Hackenberg.

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Was der erfahrene Pädagoge hingegen noch nicht sagen kann: wann die avisierten Selbsttests geliefert werden und ob die Schule noch genaue Anweisungen dafür erwarten darf. Normalität schaut eben auch an seiner Einrichtung anders aus - zumindest im Schulalltag 2021.

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