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Schweinepest schwappt über die Autobahn

Inzwischen gibt es mindestens neun nachgewiesene Fälle im Landkreis Meißen – auch außerhalb der eingezäunten Kern-Sperrzone.

Von Manfred Müller
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Der Thiendorfer Hegeringleiter Ronny Richter am Kernzonen-Zaun neben der A 13 bei Zschorna.
Der Thiendorfer Hegeringleiter Ronny Richter am Kernzonen-Zaun neben der A 13 bei Zschorna. © Foto: Manfred Müller

Schönfeld. Mit der Hoffnung, dass der Wildzaun an der A 13 die Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest (ASP) in Richtung Westen entscheidend verzögert, ist es nun vorbei. Ein Totfund nahe dem Schönfelder Dammmühlenteich belegt, dass die Seuche die Barriere überwunden hat. „Es gibt ja etliche Stellen, wo die Wildschweine die Autobahn trotzdem überwinden können“, erklärt der Thiendorfer Hegeringleiter Ronny Richter. „An Straßenbrücken und Unterführungen etwa oder an Bachläufen.“

Auch der Wildzaun, der um die ASP-Kernzone zwischen Radeburg und Zschorna gezogen wurde, ist nicht komplett dicht. Deshalb wurde auch bei Schweinen, die von Jägern außerhalb dieses Gebietes geschossen wurden, die Krankheit nachgewiesen. So zum Beispiel nahe dem Thiendorfer Ortsteil Sacka. Auf der Website der Landesdirektion Sachsen sind im Kreis Meißen insgesamt neun Fälle aufgelistet, die meisten davon in der Kernzone. Das ist zwar im Vergleich zu Ostsachsen (681 Fälle) noch nicht viel, aber die Seuche hat die Barriere A 13 in weniger als zwei Monaten überwunden.

Ob und wann die Sperrzonen verändert werden müssen, war auf die Schnelle nicht zu erfahren. Das Landratsamt sah sich am Mittwoch nicht imstande, eine entsprechende SZ-Anfrage zu beantworten. Auch die Schweinepest-Ausbreitung über die Autobahn hinaus wurde nicht bestätigt. Aber Ronny Richter ist sich ganz sicher. „Wir Jäger haben unsere eigene Whatsapp-Gruppe – da wird kein Unsinn kommuniziert“, sagt er. Zum Hegering des Böhlaers gehören mehr als 15 Reviere und Eigenjagdbezirke. „Dass die ASP vom Osten her zu uns kommen wird, war allen klar“, so Richter. „Aber dass die Seuche von Görlitz her einen 60-Kilometer-Sprung macht, hat uns dann doch überrascht.“

Über mögliche Übertragungswege wird noch heftig diskutiert, vor allem, inwieweit der Mensch dabei eine Rolle spielt. Kontaminierte, von Autofahrern achtlos weggeworfene Lebensmittel könnten für die Ausbreitung verantwortlich sein, ebenso infizierte Kleidung und Schuhwerk. Einige Waidgenossen haben auch den Wolf in Verdacht.

Sachsens Jäger sind schon seit Längerem angehalten, möglichst viele Wildschweine zu erlegen. Die Seuchen-Kernzone soll komplett schweinefrei gemacht werden. Aber bei so intelligenten Tieren sei das schwierig, sagt Ronny Richter. Die geschossenen Schweine müssen beprobt und dann zu Kadaverplätzen oder gleich in die Tierkörperbeseitigungsanstalt gebracht werden. Für jedes Tier gibt es eine Prämie von 150 Euro. In den beiden äußeren Sperrzonen sind die Bestimmungen etwas lockerer, sofern das Testergebnis negativ ist.

Darüber hinaus werden vom Landratsamt Suchaktionen mit Hunden und Drohnen organisiert. Die Sperrzone II reicht von Radebeul bis Ortrand und bis an den Stadtrand von Großenhain. Die Sperrzone I, die sogenannte Pufferzone, dehnt sich im Westen momentan schon bis nach Skassa aus. Für die Landwirte, die noch Schweine halten, ist der ASP-Sprung über die Autobahn keine gute Nachricht. Zwar gibt es noch keinen Fall, in dem die Seuche auf ein Hausschwein übergesprungen wäre. Aber vermarkten lassen sich die Tiere aus der Region trotzdem kaum noch.