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Skassa verzichtet auf große Wohnstandorte

Der Ortschaftsrat steht vielmehr für den Erhalt vorhandener Bausubstanz. Doch wie ist das personell und finanziell machbar?

Skassaer Wohnidylle mit Eigenheimen und Dreiseithöfen soll auch künftig das Bild prägen - ohne Neubauten auf der grünen Wiese.
Skassaer Wohnidylle mit Eigenheimen und Dreiseithöfen soll auch künftig das Bild prägen - ohne Neubauten auf der grünen Wiese. © Norbert Millauer

Großenhain. Einwohner des beschaulichen Ortsteils Skassa sind offenbar bescheidene Leute. Zumindest, wenn es um Ansprüche und Wünsche zum künftigen Flächennutzungsplan der Stadt Großenhain geht. Als letztes Dorf sollte der Ortschaftsrat am Montag seine Stellungnahme dazu formulieren. Aber: "Wir wollen das eigentlich so bestätigen, wie es die Stadt vorgesehen hat", so Ortsvorsteher Holger Steht. Sprich: Eine zusätzliche Stellungnahme sei eigentlich nicht notwendig.

Doch Bürgermeister Tilo Hönicke, der für die Verwaltung den Kontakt zum Ortschaftsrat hält, hakt ein. Er halte aus vielerlei Hinsicht eine Meinungsäußerung für angebracht. "Die Dörfer leben von ihrer Eigenart. Und es ist eine Aufgabe, diese Eigenart hier zu erhalten", gab er den Räten auf den Weg.

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Dazu gehört, dass beispielsweise in Skassa auf den Wunsch nach der Planung größerer Eigenheimstandorte verzichtet wird. Vor Jahren gab es mal Pläne, die sogenannten Kirchwiesen zu bebauen. "Das wäre ein Fehler gewesen", so Tilo Hönicke. In anderen Dörfern sei das geschehen - doch die neu Zugezogenen hätten oftmals keine echte Bindung zur Gemeinschaft gefunden. Und eben diese Gemeinschaft gelte es, in Skassa zu erhalten - mit dem, was vorhanden ist: gepflegte Eigenheime, aber eben auch Dreiseithöfen im Dorf. Letztere zu erhalten und aufzuhübschen - auch mit dem Engagement eventueller "Neubürger" - müsse das Ziel sein. Für solche Fälle gebe es auch durchaus Fördergelder aus verschiedenen Programmen, die man eroieren könnte. "Innen- statt Außenentwicklung", wiederholte Tilo Hönicke das Credo und die Strategie der Stadtverwaltung, wenn es um attraktives Wohnen geht. Es gebe Ortsteile, die in der Debatte um den künftigen Flächennutzungsplan große Wohngebiete haben wollen. "Das können wir nicht machen", sagt Hönicke mit Verweis auf Nachfolgekosten wie zum Beispiel bei dann anfallenden zusätzlichen Touren der Müllentsorgung oder des Winterdienstes. "Wir wollen Altes erhalten, statt auf der grünen Wiese zu bauen", wiederholt der Bürgermeister fast gebetsmühlenartig.

Grundsätzlich ist er da auf einer Welle mit dem Skassaer Ortschaftsrat. Doch die Entwicklung zeige auch, dass aus demografischen Gründen Grundstücke nicht neu belegt werden. Sie zu vermitteln, sei nicht einfach, so Ortsvorsteher Holger Steht. "Da müssen die Leute aber auch auf uns zukommen", fügt er hinzu.

Unterm Strich wird der Ortschaftsrat nun doch seine Stellungnahme schriftlich formulieren - mit dem Grundinhalt, "das Dorf so zu erhalten, wie es ist". Ein Kurs, der zumindest hinsichtlich der Bevölkerungsentwicklung getragen wird. Denn Skassa gehört neben Walda-Kleinthiemig und Zschauitz zu jenen Großenhainer Ortsteilen, die 2020 schon das zweite Jahr hintereinander ein Einwohnerplus verzeichneten. 247 Menschen wohnten mit Stichtag 31. Dezember hier, sieben mehr als ein Jahr zuvor.

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