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Winter wird zum Sommerthema

Vor allem der Februar kostete beim Winterdienst Kraft und Geld. Der Bauhof stößt an seine Grenzen. Der Tourenplan kann daher jetzt nicht erweitert werden.

Mitarbeiter des Bauhofes Großenhain und der Weber Bau GmbH mussten im Februar Schneemasse aus der Großenhainer Innenstadt schaffen. Der Winterdienst war so teuer wie lange nicht.
Mitarbeiter des Bauhofes Großenhain und der Weber Bau GmbH mussten im Februar Schneemasse aus der Großenhainer Innenstadt schaffen. Der Winterdienst war so teuer wie lange nicht. © Norbert Millauer

Großenhain. Mancher sprach von Katastrophe, andere von einem ganz normalen Winter. Als Anfang Februar der Schnee in Massen fiel, war es so oder so eine Situation, die man aus den vergangenen Jahren überhaupt nicht mehr gewöhnt war. An Autofahren war zeitweise nicht zu denken. Anwohner hatten alle Hände voll zu tun, um Gehwege und Grundstücke freizuschaufeln. Und der Stadtbauhof sowie beauftragte Fremdfirmen stießen zuweilen an ihre Grenzen, um den Tourenplan abzusichern und die Straßen wieder befahrbar zu machen. Nicht zuletzt musste wegen der Schneemassen in der Innenstadt eine Beräumungsaktion kurzfristig organisiert werden.

Den Stadträten wurde jetzt die Rechnung präsentiert. Reichlich 360.000 Euro hat Großenhain zwischen November und Ende April für den Winterdienst ausgegeben. Mehr waren es in den letzten zehn Jahren nur im Winter 2012/13 - damals brauchte man eine halbe Million Euro.

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Die Stadtverwaltung zieht insgesamt ein positives Fazit. Entsprechend der Tourenpläne sei der Winterdienst "gut bewältigt" worden. Problematisch habe sich neben den Schneemassen die Räumung einer Zusatzstrecke zwischen Großenhain und Rostig erwiesen. Die Straße war von einer Kreis- zur Gemeindestraße herabgestuft worden, ist möglichen Verwehungen stark ausgesetzt und musste daher mehrmals in zwei Richtungen bedient werden. Ein weiteres zusätzliches Problem: Entgegen einer statistisch ermittelten Hauptwindrichtung pustete es in der Wintersaison vorrangig aus Osten. Schneezäune hätten dadurch "nahezu keinerlei Wirkung" gezeigt.

Auch die Corona-Pandemie musste berücksichtigt werden. Ein Fünf-Stufen-Plan regelte die Vorgehensweise zum Beispiel für den Fall, dass es im Stadtbauhof zu größeren personellen Ausfällen kommt.

Abzusehen hingegen war, dass nicht alle Bewohner Großenhains mit dem Winterdienst zufrieden waren und sind. Immer wieder gab es Kritik, dass einige stark bewohnte Straßen nicht in die Räumung einbezogen sind - Klein- und Großraschütz sowie Naundorf fallen da immer wieder als Ortsangaben. Oft sei die Argumentation zu hören, dass "man ein Recht auf Winterdienst" habe. Dem widerspricht die Stadtverwaltung mit Bezug auf das Sächsische Straßengesetz. Darin heißt es unter anderem, dass der Träger der Straßenbaulast "nach besten Kräften die öffentlichen Straßen vom Schnee beräumen und bei Schnee- und Eisglätte streuen" soll. Und hier habe man sein Bestes getan. Aber: Betrachte man die Leistungsfähigkeit des Bauhofes, müsse man feststellen, "dass dieser mit dem geltenden Tourenplan an seiner Leistungsgrenze steht". Ergo: Zusätzliche Straßen, Radwege oder Parkplätze können auch im kommenden Winter nicht in die Tourenpläne aufgenommen werden. Es sei denn, die aktuelle Wetterlage erlaubt es.

Von insgesamt rund 135 städtischen Straßenkilometern werden derzeit laut Tourenplan 35 nicht bedient. Dennoch: Dank Kleinunternehmen, die gerade in den Ortsteilen ihre Bereitschaft erklärten, konnte ein Teil dieser Strecken dennoch beräumt und "enteist" werden. Diese Vorgehensweise habe sich bewährt "und begründet sich mit der Daseinsfürsorge der Stadt Großenhain gegenüber den Einwohnern der Ortsteile", heißt es dazu von der Verwaltung.

Auch wenn gerade Sommer ist: Die Vorbereitung der kalten Monate hat im Rathaus und im Bauhof längst begonnen. Weil zum Beispiel nicht absehbar ist, wie sich Preise und Verfügbarkeit von Streumitteln entwickeln, hat der Bauhof seine Lagerbestände bereits im Mai schon wieder aufgefüllt. Grundsätzlich sei Großenhain mit dem jetzigen Konzept und der Vorgehensweise "gut für einen Winter in der Intensität des vergangenen aufgestellt", so die Bestandsaufnahme. Wird der Winter länger und intensiver, beispielsweise mit 40 Zentimeter Neuschnee - was unwahrscheinlich, aber durchaus möglich ist -, sei die Stadtverwaltung nach eigenem Bekunden "nicht vorbereitet". Denn eine lückenlose Vorbereitung auf eine solche Extremwetterlage "ist nur schwer möglich".

Spätestens Ende Oktober eines jeden Jahres steht die Winterdiensttechnik im Bauhof bereit.
Spätestens Ende Oktober eines jeden Jahres steht die Winterdiensttechnik im Bauhof bereit. © Foto: Klaus-Dieter Brühl

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