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„Ein Ausfall würde uns weit zurückwerfen“

Meißen will am 12. Juni sein traditionelles Gewichtheberturnier veranstalten. Doch Corona setzt viele Fragezeichen.

Im vergangenen Jahr blieb die Heberbühne beim Meißner Turnier um den Pokal der Blauen Schwerter verwaist. Für dieses Jahr gibt es einen Termin am 12. Juni. Doch ist er realistisch?
Im vergangenen Jahr blieb die Heberbühne beim Meißner Turnier um den Pokal der Blauen Schwerter verwaist. Für dieses Jahr gibt es einen Termin am 12. Juni. Doch ist er realistisch? © Foto: Claudia Hübschmann

Meißen. Der Termin steht: In Meißen soll am 12. Juni der 31. Pokal der Blauen Schwerter der Gewichtheber stattfinden. Das Turnier feiert zugleich „goldenes“ Jubiläum. Denn Premiere war 1971, also vor 50 Jahren.

2020 musste der Wettkampf ausfallen - coronabedingt natürlich. Wie steht es nun um den für dieses Jahr geplanten „Internationalen Olympiatest“ in der Domstadt? Die SZ hat dazu den Chef des Organisationsteams Michael Hennig gefragt.

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Michael Hennig, wie ist das Org.-Team über das Jahr 2020 mit all seinen Rückschlägen gekommen? Gab es da auch Lichtblicke?

Erfreulich ist, dass unser ehrenamtliches Org.-Team trotz erschwerter Bedingungen zusammenhält. Obwohl schon länger keine gemeinsamen Besprechungen vor Ort stattfinden konnten, bleiben wir über Home-Office im engen Kontakt und treiben die Vorbereitungen eng abgestimmt weiter voran. Viele Sportler, Trainer, Sponsoren und Freunde der Schwerathletik bedauerten den Ausfall des Turniers im vergangenen Jahr und wünschen sich genau wie wir, dass 2021 die Tradition fortgeführt werden kann. Das macht uns Mut und motiviert uns.

Für 2021 gibt es einen Pokal-Termin - den 12. Juni. Wie realistisch ist es, dass das Turnier stattfindet?

Wenn der internationale Sportkalender des Weltverbandes IWF eingehalten wird, sprich Europameisterschaften Anfang April und die Olympischen Sommerspiele, halten auch wir optimistisch an unserem Termin für das 31. Pokalturnier fest.

Michael Hennig (65) ist seit Ende 2019 Chef des Organisationsteams des Meißner Turniers um den Pokal der Blauen Schwerter.
Michael Hennig (65) ist seit Ende 2019 Chef des Organisationsteams des Meißner Turniers um den Pokal der Blauen Schwerter. © Claudia Hübschmann

In welcher Phase befindet sich die Vorbereitung?

Was logistisch bisher möglich war, haben wir angeschoben: Sportstätten, Hotelunterkünfte und Transportkapazitäten sind vorbestellt. Auch die Eckpunkte für das Rahmenprogramm sind fixiert. Für die Öffentlichkeitsarbeit stehen wir in den Startlöchern. Gegenwärtig bereiten wir ein Hygienekonzept vor, um entsprechend gewappnet zu sein. In den Vorjahren hatten wir vergleichsweise mehr zeitlichen Vorlauf. Aber wir können - auch in Verantwortung gegenüber unseren Förderern - keine unwägbaren Risiken eingehen. Wir benötigen zunächst mehr Klarheit und müssen im März endgültige Entscheidungen treffen. Die Ausschreibung für unser Einladungsturnier wird im Zeitrahmen mit den Europameisterschaften Mitte April erfolgen.

Sportlich gesehen, ist das Turnier reichlich einen Monat vor Olympia. Ein guter Termin, wenn man die Vorbereitung der Athleten berücksichtigt?

Der Zeitpunkt ist sportmethodisch günstig und wurde vom Bundesverband Deutscher Gewichtheber so eingeordnet. Die Olympiakader konnten ja weitgehend durchtrainieren. Es bleibt noch genügend Zeit für die Ausprägung der Höchstleistungen bis zum olympischen Höhepunkt. Der Pokal bietet international eine der letzten Testmöglichkeiten für Olympiastarter, um sich öffentlich zu zeigen und sich auch Respekt gegenüber der Konkurrenz zu verschaffen. Anschlussathleten, die das Ticket knapp verpasst haben, könnten sich revanchieren und ebenfalls ihr Können auf der Meißner Bühne beweisen.

Gibt es bereits Zeichen von Verbänden und Sportlern, die zum Turnier auf jeden Fall kommen wollen?

Zum Jahreswechsel haben wir weltweit an unsere Partnerverbände mit Turniereinladungen für 2021 verbundene Grüße verschickt. Situationsbedingt ist die Resonanz darauf momentan verhalten. Aus Frankreich und Ungarn kam jedoch das positive Signal, dass beide Teams unbedingt teilnehmen möchten. Auch die Deutschen planen selbstverständlich fest, mit ihren Spitzenhebern anzutreten.

Sie müssen ja auch logistisch planen - von Shuttle, Hotellerie, Gastronomie. Ist das zurzeit überhaupt in irgendeiner Form möglich?

Zum Glück helfen uns hier die langjährigen Geschäftsbeziehungen. Unsere Ansprechpartner in diesen Bereichen haben Verständnis für die Situation. Wir hoffen, dass alle gut durch die Krise kommen und wir bald konkret organisieren können. Wie erwähnt, benötigen wir ein Quartal Vorlauf für die heiße Phase bis zum Wettkampf. Die Teilnehmerzahlen stehen ja fest, um die sich die Planungen drehen: Etwa 30 Elitesportler kämpfen wieder im traditionellen Pokalmodus „Jede/r gegen jede/n“. Die Heberin oder der Heber mit dem besten Ergebnis in Relation zum Weltrekord der jeweiligen Gewichtsklasse gewinnt den begehrten Pokal aus „weißem Gold“.

Stichwort Sponsoren: Welche Zeichen gibt es, dass mit ihnen ein anspruchsvolles Turnier mit hochkarätiger Besetzung zustande kommen kann?

Von unseren Unterstützern erfahren wir glücklicherweise nach wie vor breite Zustimmung. Es gibt bisher kaum Absagen hinsichtlich der weiteren Zusammenarbeit. Dankenswerterweise wurden schon wertvolle Vorleistungen für die 31. Neuauflage erbracht. So stehen schon die Pokale in der Manufaktur und Druckerzeugnisse für den internationalen Werbeauftritt bereit.

Das Traditionsturnier feiert ja auch ein Jubiläum. 1971, also vor 50 Jahren, gab es erstmals ein Turnier um den Pokal der Blauen Schwerter. Haben Sie einen Plan B für dieses Jahr, falls der Juni dann doch nicht machbar sein sollte?

Als Gewichtheber hat man bekanntlich im Reißen und Stoßen je drei Versuche. Nach den „Platzern“ im November 2020 und möglicherweise im Juni 2021 hätten wir also immer noch einen Versuch für den Zeitraum nach den Olympischen Spielen zur Verfügung. Kein ehrgeiziger Stemmer gibt vor dem dritten Versuch auf. Und 2021 schon gar nicht, da vor 50 Jahren das Pokalturnier aus der Taufe gehoben wurde. Für das Jubiläumsjahr haben wir uns einiges einfallen lassen. Ein weiteres Ausfalljahr würde uns weit zurückwerfen.

Hand aufs Herz: Ist ein Schwerter-Pokal ohne Zuschauer für Sie eine Option und überhaupt vorstellbar?

Der gute Ruf von Meißen in der Gewichtheberwelt rührt daher, dass im alten Wellblechpalast oder zuletzt 2019 bei der Olympiaqualifikation in der modernen neuen Halle im Heiligen Grund stets „die Wände mitgehoben“ haben. Wer also kann sich in Meißen ein Turnier ohne begeistert mitgehende Zuschauer vorstellen? Zumal wir als Randsportart nicht auf hochdotierte Fernsehverträge zurückgreifen können. Wir werden alle Möglichkeiten ausloten, welche die Situation dann erfordert, notfalls eine Reduzierung der Plätze gemäß Hygienekonzept.

Wir werden aktuell auf unserer Website informieren.

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